Hamburg - Zwar haben die Musiksender fleißig Geld mit der Dauerreklame für Handy-Geräusche von wiehernden Hengsten bis zum neuesten Chart-Hit verdient. Die Klingelmonotonie passt aber offenbar nicht in die von der Sendergruppen-Chefin Catherine Mühlemann vorangetriebene Neuausrichtung der Musikkanäle, die seit Anfang des Jahres gemeinsam zum US-Konzern Viacom gehören. Denn die meist billigen und nervtötenden Spots kratzten nicht nur am Ruf der Sender, sondern vergraulten auch Zuschauer und finanzkräftige klassische Werbekunden.
Doch genau die brauchen MTV und Viva, um die hohen Wachstumsforderungen des US-Mutterkonzerns erfüllen zu können. Dafür ist Mühlemann offenbar auch zur Konfrontation mit der Musikindustrie bereit, die über die Pläne entsetzt ist: Die Musiksender sind die wichtigste Werbeplattform für die Klingeltöne, die für die Plattenlabels inzwischen eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Die neue Strategie ist jedoch auch für MTV und Viva nicht ohne Risiko: Zuletzt stammten mitunter über 40 Prozent der Werbeeinnahmen der Musiksender aus der Klingeltonreklame.
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