Wirtschaft



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22.08.2005
 

Mobilcom/Freenet

IG Metall-Vize warnt vor US-Investor

Im Streit um die geplante Verschmelzung von Mobilcom und Freenet hat sich nun der stellvertretende IG Metall-Chef Berthold Huber eingeschaltet. Er fürchtet, der neue amerikanische Großaktionär TPG wolle zwei gesunde Unternehmen finanziell ausbluten lassen.

Mobilcom-Handy und Freenet-Portal: Was planen die Texaner?
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DPA

Mobilcom-Handy und Freenet-Portal: Was planen die Texaner?

Hamburg/Frankfurt am Main - Das Vorgehen des neuen Mobilcom-Großaktionärs Texas Pacific Group könne die Zukunft des Unternehmens und damit Tausende von Arbeitsplätzen gefährden, sagte Huber heute in Frankfurt am Main. TPG wolle nach der Fusion von Mobilcom und Freenet zur Telunico AG, die in dieser Woche auf den Hauptversammlungen beider Unternehmen beschlossen werden soll, offenbar die Auszahlung einer hohen Sonderdividende von bis zu einer Milliarde Euro anstreben, vermutete der Gewerkschafter.

"Ich warne davor, aus zwei gesunden und soliden Unternehmen einen Sanierungsfall zu machen", erklärte er. "Ausschüttungen aus der Substanz sind extreme Auswüchse des Shareholderkapitalismus, die es zu verhindern gilt." Die IG Metall werde nicht tatenlos zusehen, wie auf Druck einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft die industrielle Substanz bei Mobilcom zerstört werde.

Der Finanzinvestor TPG wurde auf der umstrittenen Liste des SPD-Chefs Franz Müntefering als "Heuschrecke" bewertet. Das Unternehmen hatte zuletzt durch seinen harten Sanierungskurs bei der deutschen Sanitäranlagenfirma Grohe und dem britischen Flug-Cateringunternehmen Gate Gourmet für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Nach dem Ausstieg von France Telecom ist TPG mit derzeit 27,3 Prozent an Mobilcom beteiligt und damit der Ton angebende Anteilseigner.

Grenz: Wir haben Erfolgsgeschichte geschrieben

TPG will die Fusion von Mobilcom mit der Internet-Tochter Freenet zum Anlass für eine Umstellung der Bilanzierung von Buch- auf Zeitwert nehmen. Dadurch werden stille Reserven gehoben, was für eine Dividendenausschüttung genutzt werden könnte. Davon würde vor allem TPG profitieren. Mobilcom-Mitarbeiter befürchten, dass TPG das Unternehmen eine sehr hohe Sonderdividende durchsetzen und die neue Telunico mit Krediten belasten könnte. Bisher ist Mobilcom praktisch schuldenfrei.

Der zuständige TPG-Partner Andrew Dechet hatte diese Befürchtungen zurückgewiesen, aber gleichzeitig abgelehnt, sich in der Ausschüttungspolitik oder bei der Zahl der Arbeitsplätze festzulegen. Huber forderte wie bereits zuvor eine Gruppe von Belegschaftsaktionären eine vertragliche Verpflichtung von TPG, gegen jede Ausschüttung aus der Substanz des Unternehmens zu stimmen.

Der scheidende Vorstandchef von Mobilcom, Thorsten Grenz, zog gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX ein positives Fazit seiner Amtszeit und verteidigte die geplante Fusion. In einem Kraftakt sei aus einem krisengeschüttelten, insolvenzbedrohten Mobilfunkanbieter einer der führenden Anbieter im deutschen Telekommunikationsmarkt geworden, sagte Grenz.

Die Verschmelzung mit Freenet sehe er als krönenden Abschluss seiner Tätigkeit. Damit würden Ressourcen und Poteniale unter einem Dach zusammengeführt und die Voraussetzungen für künftiges Wachstum geschaffen. Neuer Chef der Telunico wird Grenz' Rivale, der bisherige Freenet-Chef Eckhard Spoerr. Nach Informationen des SPIEGEL hatte Spoerr sich beim Umgang mit TPG flexibler gezeigt als Grenz, der eine hohe Dividendezahlung ablehnend gegenüber steht.

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