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Zukunftsvisionen Google 2010

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil, wie Google die Grenzen des Webs sprengt.

Szenario III - Das Web ist nicht genug

Google Earth: Stadt, Land, Fluss durchsuchen
DPA

Google Earth: Stadt, Land, Fluss durchsuchen

Google hält an seiner bisherigen Strategie fest und weitet sein Such-Universum kontinuierlich aus. Wenn Google Projekte wie TV-Suche und Produktsuche weiterverfolgt, wird sich in einigen Jahren das komplette Radio- und Fernsehprogramm ebenso googeln lassen wie Straßenzüge, Einkaufspassagen oder Bibliotheken. Gleichzeitig könnte Google seine bisher nur im Internet geschalteten, kontextbezogenen Anzeigen auch für Fernsehen, Handy oder Plakatwände anbieten.

Szenario IV - Der Informationsbutler

Bisher muss der Nutzer bei Google aktiv nach Informationen suchen, durch Eingabe von Begriffen in eine Suchmaske. In Zukunft könnte die Suchmaschine dem Nutzer für ihn relevante Informationen automatisch zukommen lassen. Die neue Software Google Desktop macht bereits vor, wie das funktioniert: Sie beobachtet, welche Webseiten der Surfer ansteuert und erstellt aus den gesammelten Informationen automatisch ein individuelles Nachrichtenangebot (siehe dazu auch die Vision des Googlezon Grids).

Das ist wohl nur der Anfang. Wenn Google auch sämtliche Kommunikationskanäle (E-Mail, Chats, Blogs, Internet-Telefonate) seiner Nutzer überwachte, ließe sich ein noch weitaus exakteres Profil erstellen. Mit den gesammelten Informationen könnte Google dann Informationsdienste und Anzeigen maßschneidern. Vor diesem Hintergrund würde der Vorstoß in die Bereiche E-Mail, Chat und Internet-Telefonie durchaus Sinn machen.

Szenario V - Google auf Schritt und Tritt

In der jüngeren Vergangenheit hat Google mehrere kleine Unternehmen gekauft, die Informationsdienste für den Mobilfunkbereich anbieten. Darunter ist beispielsweise Dodgeball. Mit der von Firmengründer Dennis Crowley entwickelten Software kann der Nutzer jederzeit feststellen, wo sich Personen aus seinem Freundeskreis gerade aufhalten. Der Service ist vor allem für Teenager gedacht. Die können sich beispielsweise per SMS informieren lassen, wenn ihr Schwarm kurz davor ist, die Kneipe zu betreten.

Das System ist ausbaufähig. Dodgeballs Service ließe sich mit Googles Freundschaftsnetzwerk Orkut verschmelzen. Denkbar wäre auch, dass der Besitzer eines Handys automatisch Informationen über fremde Menschen in seiner näheren Umgebung erhält, die einen ähnlichen Musikgeschmack oder die gleichen Hobbies haben. Eine rudimentäre Version derartiger Software hat Nokia kürzlich vorgestellt.

In Kombination mit einem automatisierten Informationsagenten (Szenario IV) wäre ein ortsbezogener Mobilfunkservice á la Google in der Lage, den Handybesitzer treffsicher auf Menschen, Dienstleistungen oder Produkte hinzuweisen, die ihn interessieren könnten. Bisher sammelt Google lediglich Informationen über Streifzüge in der virtuellen Welt. In Zukunft kämen vielleicht Daten über das Verhalten in der realen Welt hinzu.

Alles für die perfekte Suche

Welche der oben skizzierten Projekte Google tatsächlich realisiert, kann derzeit niemand sagen. Sowohl die Microsoft- als auch die Portal-Theorie erscheinen jedoch nicht völlig schlüssig. Wahrscheinlicher sind mobile, ortsbezogene Dienste - zumal Google bereits mehrere netsprechende Technologieanbieter wie Dodgeball oder Android aufgekauft hat. Unternehmensgründer Larry Page wird zudem nachgesagt, er arbeite an einem Googlefon - einem Spezialhandy, das besonders gut mit den Angeboten der Kalifornier funktioniert.

Den meisten neuen Web-Diensten dürfte eine Überlegung zugrunde liegen, die Gartner-Analyst Weiner so zusammenfasst: "Wenn eine Suchmaschine das Verhalten eines Nutzers kontinuierlich beobachtet, kann sie bessere Suchresultate liefern." Dahin scheint die Reise zu gehen. Falls Google mit dem Einverständnis seiner Kunden verstärkt Daten aller Art sammelt, um ein besseres Produkt anzubieten, ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden. Das Modell wird allerdings nur funktionieren, wenn Google sein Bild des freundlichen Helfers aufrecht erhalten kann und nicht in den Verdacht gerät, seine User aus Profitgier auszuspionieren. Letzteres könnte sich - siehe Microsoft - als die eigentliche Herausforderung erweisen.

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