Berlin - Bei einem Verbot langfristiger Lieferverträge würde die Gaswirtschaft "enorme Nachteile" gegenüber europäischen Wettbewerbern erleiden, sagte Ruhrgas-Vorstandschef Burckhard Bergmann der Tageszeitung "Die Welt". Das Kartellamt vertrete eine "radikale Position", mit der es eine gerichtliche Auseinandersetzung provozieren könnte.
Das Kartellamt wirft großen Versorgern wie Eon Ruhrgas vor, die Preise durch Langfristverträge mit Stadtwerken künstlich hoch zu halten. Kartellamts-Chef Ulf Böge hatte für diesen Monat ein "klares Zeichen" gegen die hohen Gaspreise angekündigt. Böge stellte Vertragslaufzeiten von zwei bis vier Jahren in Aussicht sowie geringere Abnahmequoten. Die heute üblichen langfristigen Verträge von bis zu 20 Jahren seien "ein echter Hemmschuh für den Wettbewerb".
Bergmann wies die Kritik der Wettbewerbshüter zurück: Diese übersähen, dass die langfristigen Verträge mit den Stadtwerken nach und nach ausliefen. Im Geschäft mit der Industrie laufe bereits heute ein wesentlicher Anteil über kurzfristige Verträge.
Der Ruhrgas-Chef sprach sich ferner gegen von etlichen deutschen Politikern geforderte Entkopplung des Gas- vom Ölpreis aus. Es müsse bedacht werden, dass "wir es mit einem Oligopol einiger weniger Gaslieferanten zu tun haben". Es dürfe nicht sein, dass diese Lieferanten durch Verknappung des Gases die Preise im wesentlichen selbst bestimmten. Bergmann warnte vor steigenden Gaspreisen und langfristigen Gefahren für die Versorgungssicherheit, falls sich das Kartellamt mit seinen Vorstellungen durchsetze.
Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel strebt nach einem Wahlsieg einen Energiegipfel an. Merkel will laut "Bild"-Zeitung nach einem Wahlsieg alle beteiligten nationalen und internationalen Unternehmen aus dem Bereich der Energieversorgung einladen, um "sowohl Arbeitsplätze in energieintensiven Branchen zu halten als auch den Bürgerinnen und Bürgern möglichst niedrige Energiepreise zu garantieren".
Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) will nach Auskunft ihres Generalsekretärs Adnan Schihab-Eldin auf ihrem nächsten Treffen am 19. September in Wien eine Erhöhung der Erdölproduktion um knapp zwei Millionen Barrel pro Tag bekannt geben, wie er dem SPIEGEL sagte. Die OPEC sei "keinesfalls an Rekordpreisen interessiert". Niemand solle in eine Rezession schlittern. Eine Energiekrise sei trotz des Hurrikans "Katrina" im Golf von Mexiko abgewendet, der Erdölpreis werde wieder fallen, sagte der OPEC-Generalsekretär.
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs befürchtet dagegen einen weiteren Anstieg des Rohölpreises. "Vor dem Winter müssen wir unsere Lager wieder auffüllen. Damit drohen neue Preisschübe", sagte Piebalgs dem "Focus". Erdöl werde nie wieder richtig billig.
Langfristig schloss er einen Benzinpreis von zwei Euro pro Liter nicht aus. Der Preis für Heizöl fiel nach Informationen der "Bild"-Zeitung erstmals seit Mitte Juli wieder. 100 Liter Heizöl in Premium-Qualität kosteten derzeit im bundesweiten Durchschnitt 64,20 Euro und damit 3,70 Euro weniger als in der vergangenen Woche. Ob dies schon eine Trendwende sei, sei fraglich.
Zur Preisbindung von Gas an Öl erklärte EU-Energiekommissar Piebalgs, diese lasse sich nicht mehr rechtfertigen. Die Europäische Union werde sich dagegen zur Wehr setzen. Gas lasse sich im Gegensatz zur Vergangenheit viel "verlässlicher fördern und liefern".
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