Von Tom Hillenbrand
Hamburg - Mit 17,9 Cent pro Minute in alle Netze sowie einem SMS-Preis von 12,9 Cent liegen die Preise von Blau.de noch unter denen des Discounters Simyo, einer Tochter des Netzbetreibers E-Plus. "Wir wollen eine neue Preismarke setzen", so Marketingchef Thorsten Rehling gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Wie bereits Simyo kopiert Blau.de das Modell von Anbietern wie Telmore (Dänemark) und Easymobile (Großbritannien). Diese bieten ihre Sim-Karten zu Tarifen an, die deutlich unter denen etablierter Anbieter wie Vodafone
oder T-Mobile liegen. Die Netzkapazität erwerben die Preisbrecher von einem der etablierten Betreiber. Der Ansatz ähnelt jenem der Billig-Airlines: Direktvertrieb über das Internet, kein Service, dafür aber niedrige Preise.
In Dänemark hat der Siegeszug der Handy-Discounter die Preise drastisch gedrückt. Bereits sechs Monate nach Telmores Debüt fiel der durchschnittliche Minutentarif von 17 auf 9 Cent, hat die Kopenhagener Beratungsfirma Strand Consult errechnet. Inzwischen haben Discounter in Dänemark 23 Prozent Marktanteil, bei SMS sind es sogar 30 Prozent. In Großbritannien zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.
Anders als Simyo oder Telmore gehört Blau.de nicht zu einem großen Mobilfunkkonzern. "Das wollten wir nicht, denn dann würden wir auch deren Entscheidungs- und Kostenstruktur aufgedrückt bekommen", so Rehling. Neben ihm gehören Dirk Freise und Martin Ostermayer zum Gründungsteam. Freise und Rehling hatten im Jahr 2000 das Mobilfunkportal Handy.de gestartet, das inzwischen zum Bertelsmann-Konzern gehört. Ostermeier arbeitete zuletzt beim Internetanbieter Freenet
Der neue Discounter vertreibt seine Produkte ausschließlich im Internet sowie über ein Call-Center. Shops soll es ebensowenig geben wie subventionierte Telefone - der Kunde erhält nur eine Sim-Karte per Post. Blau.de will bis Ende 2006 mindestens eine halbe Million Kunden für sein Angebot gewinnen. "Das ist eine konservative Schätzung", so Rehling. Hauptkonkurrent des Unternehmens seien allerdings nicht Simyo oder andere Discounter, sondern Netzanbieter wie T-Mobile oder Vodafone. "Denen wollen wir Kunden abjagen".
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