Von Michael Kröger
Berlin - Der Coup, den Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch in aller Stille eingefädelt haben, hat das Zeug für Legenden. Doch je nach Perspektive wird daraus eine Heldengeschichte oder ein Dämonenstück. Besonders aus der Fassung geraten sind die Briten, die einst die Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunker Vodafone gefeiert haben, als ginge es um die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.
Der geplante Aktienkauf sei nur das jüngste protektionistische Manöver der deutschen Industrie und der politischen Klasse, anglo-amerikanische Investoren fernzuhalten, mutmaßt etwa der "Guardian". Howard Wheeldon, Kolumnist bei der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, hält den Einstieg gar für einen so "lächerlichen wie extremen Deal", das mehr als typisch für die Idee von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sei, eine Lösung für die vielen Probleme von Volkswagen zu finden. "Zu Recht muss gefürchtet werden, dass der Aktienkauf tatsächlich nur verhindern soll, dass VW eines Tages vor einem feindlichen Übernahmeangebot steht." "Im besten Fall wird die Porsche-Beteiligung die unausweichliche Aufspaltung des VW-Konzerns nur verzögern."
Die "Financial Times" hält keines der Argumente, die Befürworter für den Einstieg Porsches
vorbringen, für stichhaltig. Beide Unternehmen seien durch Verträge verbunden, die auch für eventuelle Neueigentümer verbindlich seien, schreibt die Zeitung. Und selbst wenn die Zusammenarbeit aufgekündigt werden sollte, stünde Porsche nicht schlecht da. Das Unternehmen sei attraktiv genug, um neue Partner zu finden. "Was bleibt ist eine Deutsche Lösung, und der "unglaubliche" Vorgang, "dass das Deutsche System eine solche Lösung toleriert".
Eine sachliche Begründung jenseits der Emotionen bleiben die Fachleute von der Insel jedoch schuldig. So drängt sich etwa die Frage auf, wieso der Aktienkäufe durch einen Finanzinvestor die einzig erstebenswerte Lösung wären. Was spricht dagegen, dass auch Porsche ein strategisches Investment verfolgt, um Gewinne zu erzielen?
Sachliche Auseinandersetzung findet nicht statt
Eine fundierte Auseinandersetzung mit den sachlichen Gründen findet nicht statt: Unerwähnt lassen die britischen Kommentatoren etwa, dass Investmentbanker das Engagement mit Hinweis auf die enge Zusammenarbeit mit Volkswagen seit längerem bereits empfohlen hatten. Porsche produziert nicht nur den Geländewagen gemeinsam mit VW. Auch die Basis des Sechszylinder-Motors stammt aus Wolfsburg. Für die nächsten Monate ist darüber hinaus die gemeinsame Entwicklung eines Hybridantriebs verabredet. Diese Verträge stünden natürlich nach einer Übernahme durch Finanzinvestoren nicht gleich zur Disposition, die avisierten Anschlussverträge hingegen schon. Und alle Erfahrung zeigt, dass die Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung sich erst langfristig wirklich auszahlt.
Auch in finanzieller Hinsicht spricht eine Menge für den Einstieg. Immerhin verfügt Porsche über mehr als drei Milliarden Euro an Barreserven, die auf den Kapitalmärkten nur geringe Rendite bringen. Die zu erwartende Dividende bei Volkswagen ist dagegen zu 95 Prozent steuerfrei.
Kaum zu erwarten ist auch, dass sich der Einfluss des neuen Großaktionärs schädlich für Volkswagen auswirken könnte, etwa weil dann der Druck für strukturelle Veränderungen nachlassen würde. Im Gegenteil: Mit Wiedeking hat künftig ein Manager mit einschlägiger Sanierungserfahrung ein Wörtchen mitzureden. Er wird dem neuen Markenchef Wolfgang Bernhard eher den Rücken stärken, wenn es darum geht, die dringend notwendigen Kostensenkungen einzuleiten.
Kaum ein Risiko für Porsche
Im Übrigen - was wäre das "Worst-Case"-Szenario? Sollte die Sanierung nicht klappen, stünde Volkswagen sehr wahrscheinlich vor der Zerschlagung - die nach Überzeugung der britischen Fachleute ohnehin die bestmögliche Variante darstellt. Solche Projekte aber werfen in aller Regel großen Gewinn ab. Wo also ist das Risiko für Porsche?
Bleibt noch der Verdacht, Piëch wolle Volkswagen nur in der Familie halten. Piëch ist nämlich einerseits aktueller Aufsichtsrats- und früherer Konzernchef von VW. Andererseits ist er Angehöriger jener Familie, die Porsche besitzt. Nun würden die nach mehr als 60 Jahren die beiden von seinem Großvater Ferdinand Porsche geprägten Firmen zusammenrücken.
Ein Familienclan, der als Großaktionär im Hintergrund die Fäden zieht - das ist für die Kommentatoren auf der Insel jedoch kaum vorstellbar. Dabei belegen Beispiele, dass ein solches Modell ausgezeichnet funktionieren könnte. Der Autohersteller BMW etwa, oder der schwedische Möbelkonzern Ikea.
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