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14.10.2005
 

Verkauf des Berliner Verlags

"Skepsis und Angst"

Die Chefredakteure des Berliner Verlags konnten sich gestern in einem persönlichen Gespräch einen Eindruck von den möglicherweise neuen Eigentümern machen. Ihre bereits zuvor geäußerte Skepsis ist seitdem noch größer geworden.

Berlin - Die Stimmung der 400 Verlagsmitarbeiter auf der außerordentlichen Betriebsversammlung war gedrückt. Und sie wurde keineswegs besser, als die Chefs ihren Eindruck von den möglicherweise neuen Eigentümern schilderten. Der Geschäftsführer des Berliner Verlags, Peter Skulimma, äußerte sich noch mit der größten Zurückhaltung. Er gehe bei dem möglichen Verkauf von nichts Gutem aus, aber auch nicht von etwas Schlechtem, erzählte nach der Versammlung ein Teilnehmer.

Der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Uwe Vorkötter, wurde schon deutlicher: Nach seinem gestrigen Treffen mit Montgomery sei seine Skepsis gegenüber den möglichen neuen Eigentümern nicht kleiner geworden, sondern größer. Der Chefredakteur des "Berliner Kurier", Hans-Peter Buschheuer, sprach von "Skepsis und Angst".

Berliner Verlag: Entscheidung noch nicht gefallen
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DPA

Berliner Verlag: Entscheidung noch nicht gefallen

Von handfest neuen Entwicklungen wussten aber auch die Verlagsoberen nichts zu berichten. Nach wie vor ist das Schicksal des Traditionsverlags, zu dem die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier", und die Szenezeitschrift "Tip" gehören, ungewiss. Zurzeit verhandelt die Holtzbrinck-Verlagsgruppe exklusiv mit der britische Investmentgesellschaft Mecom, hinter der der Manager David Montgomery steht, und den Firmen 3i und Veronis Suhler Stevenson. Es wäre das erste Mal, dass ein nur aus Finanzinvestoren bestehendes Konsortium Eigentümer eines deutschen Zeitungsverlags würde.

Bruch mit Traditionen

Dieser Bruch mit der Tradition stößt in der Branche auf Unverständnis. Thomas Leif, Vorsitzender der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche, warnte vor dem Einstieg des britischen "Kahlschlag-Sanierers". Die Übernahme gefährde die innere Pressefreiheit in Deutschland und stelle einen Anschlag auf die Zeitungskultur dar. "Wenn die Heuschrecken drohen, müssen sich Journalisten, die mehr Qualität verlangen, gegen die Plage wehren", sagte Leif. Völlig unverständlich sei, dass der renommierte Holtzbrinck-Verlag, der wegen seiner Blätter hohes internationales Ansehen genieße, eine seiner besten Zeitungen an eine Beteiligungsgesellschaft verkaufen wolle.

Laut Medienberichten ist für den Berliner Verlag ein Kaufpreis von 150 Millionen Euro im Gespräch. Schon allein deshalb wird befürchtet, dass es nach einem Verkauf zu drastischen Einsparungen kommen wird, weil die Renditeerwartungen entsprechend hoch sind.

Eine Einigung ist noch nicht erzielt

Holtzbrinck muss aus kartellrechtlichen Gründen entweder den Berliner Verlag oder den "Tagesspiegel" verkaufen. Die Stuttgarter wollten die Sondierungsgespräche auch heute nicht kommentieren. Eine Meldung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", derzufolge die Beteiligten bereits in den nächsten zwei Wochen um eine Genehmigung durch das Kartellamt bitten wollten, bezeichnete ein Insider jedoch als Missverständnis. So lange laufe die Frist noch, die sich die Briten für die Exklusivverhandlungen mit Holtzbrinck gesichert hätten. Ein Hinweis darauf, wie weit die Beteiligten noch von einer Übereinkunft entfernt seien, ergebe sich daraus nicht.

Möglicherweise scheitern die Verhandlungen aber auch wegen des öffentlichen Drucks, dem sich die Stuttgarter ausgesetzt sehen. Der kommt unter anderem aus der Politik. So hatte etwa SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier das Vorgehen Holtzbrincks scharf kritisiert. Bei einer Tageszeitung vom Rang der "Berliner Zeitung" hätte nach einer Lösung gesucht werden sollen, die den Titel langfristig sichere, sagte sie. "Warum ist nicht an ein Konsortium mittlerer Zeitungsverlage gedacht worden?" Wettig-Danielmeier ist indes nicht ganz unparteisch: Sie ist Generaltreuhänderin der SPD-Medienholding DDVG, die sich Anfang 2004 an der "Frankfurter Rundschau" beteiligt hatte.

Holtzbrinck sieht sich zu Unrecht am Pranger

Diesen Vorwurf weist man in der Stuttgarter Holtzbrinck-Zentrale von sich. Man habe mit deutschen Verlagen Gespräche geführt, hieße es aus eingeweihten Kreisen. Genannt wurden das Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg und auch der Hamburger Bauer-Verlag. Die Angebote hätten jedoch mit weitem Abstand hinter dem der Briten gelegen, hieß es. DuMont ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa weiterhin an der "Berliner Zeitung" interessiert. Am Preis solle es nicht scheitern, hieß es.

Aber noch aus einem anderen Grund sieht man sich in Stuttgart zu Unrecht am Pranger. Schließlich habe man alles versucht, um die Berliner Verlag im Hause zu halten. Die derzeitige Situation sei allein auf die Entscheidung des Bundeskartellamts zurückzuführen. Die Behörde hatte Holtzbrinck die Übernahme untersagt, weil er schon den ebenfalls in der Hauptstadt erscheinenden "Tagesspiegel" besitzt. Ein für den 18. Oktober anberaumter Termin vor dem Bundesgerichtshof war wegen der laufenden Verhandlungen auf Wunsch von Holtzbrinck aufgehoben worden.

Michael Kröger

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