Hamburg - Das Geschäft mit klassischen Festnetzanschlüssen und schnellen Internetzugängen hat in den vergangenen drei Monaten einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 2,42 Milliarden Euro eingefahren - 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz ging um 2,3 Prozent auf 6,46 Milliarden Euro zurück.
Vor allem im Festnetz kriselt es. Immer mehr Kunden flüchten zu günstigen Konkurrenten wie Hansenet oder Arcor, telefonieren über das Internet mit DSL-Anbietern wie 1&1 von United Internet
oder kommunizieren nur noch via Handy. Und so klagt die Telekom in ihrer Ad-hoc-Meldung zum Neun-Monatsbericht über "Umsatzrückgänge durch zurückgehende Schmalbandanschlüsse".
Das ureigenste Geschäftsfeld der Telekom liegt im Sterben und Ricke weiß das. "Wir können und dürfen nicht nur von Quartal zu Quartal denken." Die gesamte Branche stehe vor "gewaltigen Umbrüchen, bei denen kaum ein Stein auf dem anderen bleiben wird", warnt der Telekom-Chef mit Blick auf den Trend zur Breitbandtechnologie und der zunehmenden Verdrängung des Festnetzes durch den Mobilfunk.
Ricke hat bereits reagiert. Um die interne Kanibalisierung zwischen der maladen Festnetztochter T-Com und dem Internet-Ableger T-Online abzustellen, hat er die Sparten zusammengeführt. Künftig sollen sie im neuen Bereich Festnetz/Breitband vereint der beweglichen Konkurrenz Kunden abjagen - oder zumindest die vorhandenen Gebührenzahler bei der Stange halten.
Tatsächlich trägt der Zusammenschluss erste Früchte. Die Zahl der DSL-Tarifkunden sei im dritten Quartal in Deutschland um 342.000 gestiegen, hatte T-Online gestern mitgeteilt. Anders als im Vorquartal gewann das Unternehmen damit mehr Kunden als der zweitgrößte Anbieter United Internet. Die Zuwächse bei T-Online wurden indes von den Verlusten bei T-Com aufgezehrt.
Weil Ricke mittelfristig ein Umsatzwachstum im Breitband- und Festnetzgeschäft erwartet, kommt der Bereich weiterhin nicht zur Ruhe. Die Zahl der DSL-Anschlüsse soll nun bis Ende 2007 auf 11,5 Millionen klettern. Derzeit hat die Telekom 7,3 Millionen Breitbandkunden unter Vertrag. Beobachter sprechen von "sportlichen" Vorgaben.
Neben neuen Produkten - Ricke will 400 Millionen Euro investieren - soll vor allem der Abbau von Arbeitsplätzen zum Ergebnisplus beitragen. Die Telekom will im Festnetz-Bereich über die kommenden drei Jahre 20.000 Jobs abbauen. Die Einsparungen bezifferte das Unternehmen auf 1,5 Milliarden Euro.
Den Marktexperten sind skeptisch. "Die Telekom muss erst zeigen, ob die Investitionen wirklich zu mehr Wachstum führen", sagte LRP-Analyst Per-Ola Hellgren im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Eine Alternative zur DSL-Offensive sieht er gleichwohl nicht. "Ansonsten hat die Telekom wenig Chancen, in diesem Markt zu bestehen."
Weiter zu Geschäftskunden - mehr Mittelstand, bitte Zurück zu Telekom unter Zugzwang - Rickes Flucht nach vorne
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