Wirtschaft



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09.11.2005
 

Telekom unter Zugzwang

Rickes Flucht nach vorne

Von Jörn Sucher

Wachstum geht vor Gewinn – gemäß dieser Logik verkündet Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke eine Investitionsoffensive für den Bonner Konzern. Beobachter sehen in dem Vorstoß einen Hinweis darauf, wie sehr die Konkurrenz dem Ex-Monopolisten mittlerweile zu schaffen macht.

Hamburg/Bonn - Die guten Nachrichten zuerst: Die Deutsche Telekom Chart zeigen hat im dritten Quartal nach eigenen Angabe wieder einen Milliarden-Gewinn eingefahren. Der Überschuss betrug gut 2,4 Milliarden Euro nach einem Minus von 1,36 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Seit Anfang des Jahres verdiente der Konzern damit 4,37 Milliarden Euro gegenüber einem Verlust von 150 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Der Quartalsumsatz stieg zudem um 4,8 Prozent auf 15 Milliarden Euro.

Telekom-Chef Ricke: Milliardenausgaben für die Kundengewinnung
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DPA

Telekom-Chef Ricke: Milliardenausgaben für die Kundengewinnung

Für die Börse waren die Nachrichten nicht gut genug. Im Tagesverlauf verlor die T-Aktie mehr als drei Prozent. Was die Anleger vor allem zum Verkauf trieb, war der schwache Ausblick. Für 2005 rechnet die Telekom mit einem bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von bis zu 21 Milliarden Euro, 2006 soll der Wert nur noch zwischen 20,2 bis 20,7 Milliarden Euro liegen.

Der Bonner Konzern plane Milliardenausgaben für die Kundengewinnung, begründete Vorstandschef Kai-Uwe Ricke den Rückgang. Er will mit neuen Tarifen und Produkten, mehr Kunden gewinnen. Dazu zählt das so genannte "Triple Play", also Breitband-Telefonie, Internet und Fernsehen aus einer Hand. Bis 2007 will die Telekom hier eine Million Kunden gewinnen. Außerdem sollen 500.000 Kombi-Telefone verkauft werden, die in Mobilfunk und Festnetz gleichermaßen funktionieren.

Ein ehrbares Ziel, wobei die Märkte mit Rickes Strategie, dem Wachstum Vorrang vor Gewinn zu geben, nicht viel anfangen können. "Da werden jetzt einige Gewinnschätzungen gekürzt werden müssen", kommentierte ein Beobachter die Zahlen. "Das zeigt vor allem, dass der Konkurrenzdruck auf die Telekom weiter steigt", sagte Theo Kitz, Technology-Analyst beim Bankhaus Merck Finck, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Der Markt öffnet sich schneller als erwartet."

"Trotz der guten Ergebnisse bleibt der Eindruck bestehen, dass die Telekom weiterhin in einer Zwickmühle steckt", schreibt auch Per-Ola Hellgren, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, in einer Studie. Die Telekom ist laut Hellgren "nun am Zug, denn die Zeit läuft ihr weg".

Ein genauer Blick auf die drei Telekom-Säulen zeigt, dass der Konzern tatsächlich vor allem dank der Erfolge mit ihrer Tochter T-Mobile im Mobilfunkgeschäft ein starkes Quartal verbucht hat. In den beiden anderen Sparten Geschäftskunden und Breitband/Festnetz stagniert das Geschäft oder verliert sogar. Überdies erhöht sich auch der Druck auf T-Mobile.

Insofern muss Vorstandschef Ricke handeln. SPIEGEL ONLINE analysiert die Sparten und zeigt, wo auf ihn im kommenden Jahr am meisten Arbeit zu kommt.

Festnetz - zu groß, zu teuer, zu viel Konkurrenz Geschäftskunden - am Tropf der Konjunktur T-Mobile - Wachstum made in USA

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