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09.12.2005
 

Routenplaner

Google weiß, wann der Bus kommt

Von Michael Kröger

Die Google-Ingenieure haben sich ein gigantisches Projekt vorgenommen: einen detaillierten Verkehrsplaner für den Weg in die Stadt – inklusive Fahrplan der Straßenbahn. Eine erste Beta-Version des Projekts ist jetzt im Internet zu besichtigen.

Hamburg - Über ihre Arbeitsbedingungen können Google-Ingenieure im Prinzip nicht klagen. 20 Prozent ihrer Arbeitszeit dürfen sie dafür verwenden, verwegene Ideen zu verfolgen. Nicht selten enden solche Spinnereien dann in einer Sackgasse, aber das ist den Google-Machern egal - entscheidend ist schließlich, was unter dem Strich herauskommt.

Screenshot "Google Transit": Einfache Suche nach dem besten Verkehrsmittel
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Screenshot "Google Transit": Einfache Suche nach dem besten Verkehrsmittel

Immerhin führte die Kreativzeit bereits zu Erfolgsgeschichten wie Google-News oder Orkut, einem Netzwerk für Freundes- und Geschäftskreise. Beide Dienste sind zwar nicht gerade reine Neuerfindungen, aber zumindest ist der Nachrichtenspiegel innerhalb kürzester Zeit zur Referenzgröße avanciert und hat wesentlich dazu beigetragen, die Vormachtstellung des Suchmaschinenherstellers zu festigen.

Erfolge dieser Art verschaffen Selbstbewusstsein. So viel, dass sich eine Gruppe von Google-Ingenieuren aus San Francisco, New York und Zürich inzwischen sogar an ein Projekt herantraut, an dem Datenbankfachleute, Telematikspezialisten und Landvermesser bereits seit Generationen arbeiten. Eine Art Routenplaner, der die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel einbezieht und vorhersagen kann, ob man besser mit dem Auto oder mit dem Bus fährt. So ganz nebenbei soll auch noch ein Kalkulator berechnen, welche Verkehrsmittel am billigsten sind. Der Name: "Google Transit".

Verwegenes Projekt

"Wir alle vermissten einen Service, mit dem man seine Routenplanung in die Stadt so einfach durchführen kann, wie eine Website-Suche mit Google", erklärt einer der Initiatoren auf der Firmeneigenen Blog-Seite die Idee.

Wie verwegen das Vorhaben ist, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass etwa die Deutsche Bundesbahn nicht in der Lage ist, Anschlusszüge anderer Anbieter, die nach einem festen Fahrplan verkehren, in ihre Datenbank einzugliedern. Bahn-Verbraucherschützer monieren überdies, dass selbst das Fachpersonal am Fahrkartenschalter oft daran scheitert, den optimalen Preis für den Kunden zu ermitteln. Aber Bahnchef Hartmut Mehdorn lässt seinen Mitarbeitern ja auch nicht 20 Prozent ihrer Arbeitszeit als Freiraum, um die notwendige Kreativität zu entwickeln.

Auch die Googleaner sich der Größe ihrer Aufgabe bewusst: Noch befinde sich "Google Transit" in einer frühen Entwicklungsphase, heißt es in Mountain View bescheiden. Seit gestern steht eine erste Beta-Version im Netz, die sich lediglich auf den Großraum der US-Stadt Portland im US-Staat Oregon beschränkt. Nutzer können Start- und Zielort sowie die gewünschte Reisezeit angeben. Der Dienst ermittelt dann die besten Verbindungen sowie einen geschätzten Fahrpreis. Neben den reinen Fahrzeiten bezieht die Planung auch den Fußweg zur nächsten Bus-Haltestelle oder U-Bahn-Station mit ein.

Portland im Beta-Test

Für Portland entschieden sich die Ingenieure, weil die dortigen Verkehrsbetriebe die zahlreichen Daten zur Verfügung stellen konnten, die Google für seinen Routenplaner benötigt. Jetzt soll zunächst getestet werden, ob die Kunden damit überhaupt etwas anfangen können, oder ob die Ansprüche womöglich in eine ganz andere Richtung gehen. Erst danach soll die Fleißarbeit beginnen, den Service für andere Städte verfügbar zu machen.

Auf einen Zeitplan für die Fertigstellung will man sich wohlweißlich nicht festlegen. Schließlich ist es nicht damit getan, einfach Fahrpläne zu sammeln, was für sich genommen bereits eine ungeheure Aufgabe wäre. Vielmehr sind die Daten in den unterschiedlichsten Formaten abgespeichert, für die erst eine einheitliche Plattform geschaffen werden muss.

Besondere Herausforderungen bleiben auch einige Wünsche, die Kunden spontan geäußert haben. Viele würden zum Beispiel gern wissen, ob der Bus, der fünf Minuten von ihrer Haustür entfernt hält, Verspätung hat, sodass noch Zeit bleibt, die Tasse Kaffee zu Ende zu trinken, bevor man aus dem Haus stürzt.

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