Berlin - Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Matthias Berninger, verlangte gestern in Berlin, die beteiligten Manager und Gewerkschafter sollten persönliche Konsequenzen ziehen. Auch Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner forderte Ackermann zum Rücktritt auf. "Herr Ackermann sollte überlegen, ob ein solcher Schritt für die Bank und ihre Kunden nicht der Beste ist", sagte die SPD-Politikerin dem Berliner "Tagesspiegel". Kastner forderte einen Gesinnungswandel in den Top-Etagen der deutschen Wirtschaft. Das "mutige Urteil" könne einen Beitrag dazu leisten, dass "die Unternehmer sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden".
Auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß dachte laut über einen Rücktritt Ackermanns nach. Der Manager habe schon oft bewiesen, dass Fingerspitzengefühl nicht seine Stärke sei, sagte Poß der "Financial Times Deutschland". "Er ist nun in einer Situation, wo er die Perspektiven einmal überprüfen sollte." Auch der Aufsichtsrat sollte sich nach seinen Worten mit der Frage auseinander setzen, "ob eine große Deutsche Bank so geführt werden kann".
Ähnlich kritisch äußerte sich der Finanzexperte der Union, Otto Bernhardt: "Die hohe Zahlung hat dem Ansehen der deutschen Wirtschaft geschadet. Die Bevölkerung hat kein Verständnis für solche Zahlungen." Auch Bernhard erwartet, dass Ackermann zurücktreten werde, um Schaden von der Bank abzuwenden.
Der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Bodo Ramelow, nannte die BGH-Entscheidung "eine schallende Ohrfeige für arrogante Selbstbedienungsmentalität und Abzocker in Nadelstreifen". Das Urteil sei ein Auftrag an den Gesetzgeber, die Regelungen für Manager enger zu fassen. Berninger nannte die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses einen Gewinn für Verbraucher und Aktionäre. Schon jetzt sei das Verfahren eine Mahnung an die Spitzen der Konzerne, bei künftigen Transaktionen Maß zu halten.
FDP fordert Reform des Aktienrechts
Die FDP verlangte nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs, die Bundesregierung müsse für Rechtsklarheit und Rechtssicherheit für Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte sorgen. "Eine Überarbeitung und Konkretisierung der aktienrechtlichen Vorschriften über die Pflichten und Verantwortung von Managern ist dringend erforderlich", erklärten die rechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der FDP-Wirtschaftsexperte Hartfried Wolff. Der Untreue-Tatbestand bedürfe dringend einer Präzisierung.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann und die übrigen Angeklagten im Mannesmann-Prozess müssen erneut vor Gericht. Der Bundesgerichtshof hob die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts am Mittwoch in Karlsruhe auf. Das Verfahren muss nun wiederholt werden. In dem spektakulären Fall geht es um insgesamt 57 Millionen Euro an Prämien und Pensionsabfindungen, die an Manager und Ex-Vorstände gezahlt worden waren, nachdem der britische Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000 den Mannesmann-Konzern übernommen hatte.
Ackermann selbst hatte einen Rücktritt gestern abgelehnt. Er werde auch weiterhin als Vorstandssprecher die Geschäfte der Bank leiten, sagte er in München am Rande einer Tagung der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD). Der große Zuspruch und die Unterstützung, die er in den vergangenen Tagen von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären der Bank erfahren habe, hätten ihn in dieser Entscheidung bestärkt, so Ackermann weiter.
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