Von Kai Lange
Im Dividendenmodell der LBBW erhalten verlässliche Dividendenzahler Sonderpunkte, auch wenn die Höhe ihrer Ausschüttung etwas bescheidener ausfällt. Die aktuellen Top 5 Dividendenwerte der Landesbank sind die Deutsche Post
, Eon
, BASF
, ThyssenKrupp
und RWE
.
"Die Deutsche Telekom fällt aus verschiedenen Gründen aus unseren Top 5 heraus", erläutert Schallenberger. Der Bonner Konzern, dessen Dividende von 0,62 auf 0,75 Euro steigen dürfte, verteile zwar das meiste Geld an die Aktionäre, hat aber Probleme mit der Dividendendeckung durch die erzielten Gewinne. Außerdem hat die Telekom in der Vergangenheit die Dividende gekürzt oder gestrichen - diese Sünden sorgen auch für den Rauswurf von DaimlerChrysler
Eon: Weihnachtsbescherung in Milliardenhöhe
Antizyklikern bleibt zumindest die Hoffnung, dass die T-Aktie im Jahr 2006 viel aufzuholen hat. Doch die Mehrzahl der Dividendenjäger hat sich in den Tagen vor Weihnachten vor allem auf die Aktie des Energieversorgers Eon
gestürzt. Der Konzern hat angekündigt, den Erlös aus dem Verkauf von Degussa
an RAG in Höhe von rund 3 Milliarden Euro komplett an die Aktionäre weiterzugeben: Aktionäre können zur Hauptversammlung am 5. Mai mit einer einmaligen Sonderdividende in Höhe von 4,25 Euro rechnen.
"In Deutschland werden die Dividenden künftig stärker steigen als im übrigen Europa", schätzt Schallenberger. Anleger seien nicht mehr bereit hinzunehmen, dass in Deutschland durchschnittlich ein Drittel der Gewinne an die Aktionäre ausgeschüttet werden, während im europäischen Ausland knapp die Hälfte der Gewinne den Shareholdern zu Gute komme. Der Fall des ehemaligen Börsenchefs Werner Seifert, der von Hedgefonds-Manager Christopher Hohn zu einer höheren Ausschüttung gedrängt und zum Rücktritt gezwungen wurde, steckt vielen Konzernchefs noch in den Knochen und dürfte dazu führen, dass bei künftigen Dividendenzahlungen etwas tiefer in die Tasche gegriffen wird.
"Der Gedanke, Aktionäre durch hohe Gewinnbeteiligungen zu beglücken, ist in Deutschland nicht erfunden worden", sagt Schallenberger. "Doch der Druck auf die Konzernlenker wächst."
Nachholbedarf gegenüber EuroStoxx
Schließlich hat der Dax noch immer Nachholbedarf. Obwohl Dax-Unternehmen im Jahr 2006 rund 18 Milliarden Euro (zuzüglich 3 Milliarden Euro Sonderdividende durch Eon) ausschütten werden, liegt die durchschnittliche Dividendenrendite im Dax 30 bei 2,7 Prozent.
Dies sind 0,5 Prozent weniger als im EuroStoxx 50
: Energie- und Ölwerte sowie die holländischen Finanzwerte ING Groep
und ABN Amro
treiben die Dividendenrendite des europäischen Index nach oben.
"Wer auf Dividendenwerte setzt, sollte nicht nur auf das Aufholpotenzial des Dax, sondern auch auf die hohen Ausschüttungen der Unternehmen im EuroStoxx achten", meint der LBBW-Stratege.
Dividendenpapiere oder Anleihen?
Im Vergleich zu Anleihen haben Dividendenpapiere rasant aufgeholt und an Attraktivität gewonnen. Im Jahr 1991 lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch bei rund 9 Prozent und war mehr als dreimal so hoch wie die durchschnittliche Dividendenrendite im Dax 30. Heute stehen 2,7 Prozent Dividendenrendite nur noch 3,3 Prozent Anleihenrendite gegenüber - wer auf einen Zeitraum von zehn Jahren auch nur mit bescheidenen Kurssteigerungen von Aktien rechnet, für den erscheinen Aktien heute deutlich attraktiver.
Steigende Dividenden sind zudem Treibstoff für den Dax. Die gezahlten Dividenden sind nach Berechnungen der LBBW langfristig für rund 40 Prozent der Performance verantwortlich. Anleger hätten auch im Jahr 2006 gute Chancen, mit einer Auswahl von Dividendentiteln den Dax hinter sich zu lassen: Man muss sich ja nicht allein auf die fünf "Dogs of the Dax" beschränken. Behalten die Verfechter der traditionellen Dogs-Strategie Recht, müsste zumindest die Deutsche Telekom
im Jahr 2006 den Anlegern viel Freude machen.
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