Wirtschaft



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28.12.2005
 

Siesta

Spanien ändert Lebensgewohnheiten per Gesetz

Ausgedehnte Mittagessen, Siesta, Abendessen bis spät in die Nacht - mit diesem Lebensstil der Spanier will die Regierung in Madrid Schluss machen. Im öffentlichen Dienst hat sie jetzt die Siesta abgeschafft. Sie schade der Wirtschaft und dem Familienfrieden.

Hamburg - Künftig werden die Angestellten im öffentlichen Dienst sich mit einer einstündigen Mittagpause zwischen 12 und 13 Uhr zufrieden geben müssen statt wie bisher mit zwei Stunden zwischen 14 und 16 Uhr. Dafür wurde das Ende des Arbeitstages von 19 oder 20 Uhr auf 18 Uhr vorverlegt.

Angestellte in Bilbao in der Pause: Zu lange Mittag- und Abendessen, zu wenig Schlaf
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DPA

Angestellte in Bilbao in der Pause: Zu lange Mittag- und Abendessen, zu wenig Schlaf

Mit dem neuen Gesetz sollen die "chaotischen" Arbeitszeiten in den spanischen Amtsstuben ein Ende haben und die Produktivität spanischer Betriebe grundsätzlich verbessert werden, erklärte der federführende Minister für Verwaltung, Jordi Sevilla. Man wolle damit "ein Zeichen setzen für die Rationalisierung der Arbeitszeit", hatte der Politiker schon bei der Präsentation des Gesetzesvorhabens erklärt, das jetzt umgesetzt wurde.

Das neue Gesetz soll nur der erste Schritt sein. Denn das Ministerium für öffentliche Verwaltung, dem Sevilla vorsitzt, will den Lebensstil der Spanier grundsätzlich umkrempeln. Der nämlich schadet der Wirtschaft, wie eine Untersuchung der eigens einberufenen Kommission zur Rationalisierung der Arbeitszeiten ans Licht brachte.

Demnach arbeiten Angestellte und Beamte in Spanien weit länger als in anderen europäischen Ländern wie Deutschland oder Großbritannien. Oft kommen sie sogar erst um 20 oder 21 Uhr nach Hause. Trotzdem sind sie weniger produktiv als etwa ihre nordeuropäischen Kollegen.

Schuld daran seien die schlechten Gewohnheiten der Spanier, heißt es in dem Bericht: Zu leichtes Frühstück, zu üppiges Mittagessen und zu ausgedehnte Mittagspausen, zu späte Abendessen und vor allem: zu wenig Schlaf. 40 Minuten weniger als im Rest Europa werde in Spanien des Nachts geruht - Zeit, die angeblich vor dem Fernseher verplempert wird. Dieser Mangel an Ruhe sei der Hauptgrund für Arbeits- und Verkehrsunfälle, schlussfolgern die Regierungsbeauftragten.

Auch für das Familienleben seien die chaotischen Tagesabläufe schädlich, wetterte der Vorsitzende der Kommission, Ignacio Buqueras bei der Präsentation des Berichts. Sie produzierten "ernsthafte Probleme und Familientraumata", erklärte Buqueras. "Die Frau ist die Geschädigte", sagte der Kommissionschef weiter. Die Väter kämen müde und geschafft nach Hause und hätten meist keine Lust, sich noch mit den Kindern zu beschäftigen. An der Frau bliebe meist die gesamte Hausarbeit hängen, außerdem seien Beruf und Familienleben extrem schwer miteinander zu vereinbaren.

Flexiblere Arbeitszeiten, kürzere Mittagspausen und eine intensivere Nutzung der Arbeitszeit sollen diese Zustände ändern. Natürlich lasse sich nicht der gesamte Lebensstil der Spanier von einem Tag auf den anderen umkrempeln, heißt es in dem Kommissionsbericht.

Nachdem nun im öffentlichen Dienst per Gesetz die Arbeitszeiten umgestellt sind, soll in einem zweiten Schritt die Privatwirtschaft von den Vorteilen der Regelung überzeugt werden. Der Unternehmerverband Círculo de Empresarios begrüßte die Idee bereits in einer Stellungnahme. Dem Verband zufolge kostet die mangelnde Produktivität des spanischen Personals die Wirtschaft acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Auf lange Sicht erhoffen sich die Experten der Untersuchungskommission, dass die vorsichtigen gesetzlichen Änderungen eine grundsätzliche Veränderung der Lebensgewohnheiten zur Folge hat. Dass dies möglich ist, davon ist Kommissionspräsident Buqueras überzeugt. Die Umstellung sei für die Menschen auch nicht schlimmer als die Einführung des Euro.

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