Berlin - "Die Bahn hätte sich lieber in die Pharmabranche einkaufen sollen als in die Logistik!" Wenn er die deutsche Bahnpolitik überhaupt nicht mehr versteht, flüchtet sich Gottfried Ilgmann in Galgenhumor.
Dabei versteht der promovierte Wirtschaftsingenieur und Managementberater eigentlich recht viel von der Bahn. Etliche Projekte im öffentlichen und privaten Nahverkehr hat er schon mitbetreut und nicht zuletzt saß er in der Regierungskommission, die Anfang der neunziger Jahre Ratschläge für die Privatisierung der Deutschen Bundesbahn gab.
Nur dass die oft nicht befolgt wurden. Die Trennung von Netz und Transport beispielsweise, mit der sichergestellt werden sollte, dass die Bahn nicht ihre Konkurrenten bei der Nutzung der Gleise ausbooten kann. Ohne sie sei echter Wettbewerb auf der Schiene, wie ihn der Gesetzgeber gewollt habe, nicht möglich.
An einen anderen Rat der Kommission erinnert das jüngste Dossier des Bundesrechnungshofes über den Börsengang der Bahn, das zwar noch nicht veröffentlicht wurde, aber der Nachrichtenagentur reuters vorliegt. Neben geharnischter Kritik an der Rückstellungspraxis der Bahn wird dort moniert, dass die Regierung derzeit nur prüfen lasse, wie sich das Unternehmen als Ganzes an den Kapitalmärkten bewähren würde. Die Kommission empfahl seinerzeit die Aufteilung in einzelne Sparten, über deren Börsenfähigkeit man auch abgestuft entscheiden kann.
Geschäftsschädigende Synergien
Für Ilgmann ist das der Knackpunkt einer intelligenten Bahnreform. Konzernchef Hartmut Mehdorn habe sich die lukrative Logistiksparte allein zum Aufpeppen der Bilanzen zusammengekauft, Stinnes und Schenker im Jahr 2002, das US-Unternehmen Bax Global 2005. Diese Strategie wird auch in der Politik längst skeptisch beäugt. So geißelte der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich die Erfolgsstory des Bahnchefs als "Bilanzkosmetik", die "wenig mit der Sanierung des Kerngeschäfts" zu tun habe.
Die Verbindung von Bahn und Logistik klingt zunächst logisch, denn die Bereiche scheinen einander zu ergänzen. Immer wieder wirbt Mehdorn deshalb für seine Vorhaben mit dem Versprechen großer Synergieeffekte.
Die jedoch werden nicht eintreten, glaubt Ilgmann. Das Grundproblem ist, dass die Bahn einerseits mit ihrer Güterverkehrstochter Railion als Dienstleister an Logistiker herantrete, andererseits diesen Kunden mit Stinnes/Schenker Konkurrenz mache. Immer wieder mussten Speditionen die Erfahrung machen, dass die Bahn zunächst ihre Transporte auf der Schiene abwickelte und wenig später erstaunlich gut informierte Akquisiteure der Bahntöchter ihre Auftraggeber abgeworben hätten. "Aus diesem Grund meiden die meisten Spediteure die Schiene, wo immer es geht", so Ilgmann. Den kränkelnden Güterverkehr bringt man so nicht in Schwung.
"Kapital wird vernichtet"
Doch auch Stinnes/Schenker selbst leidet unter den Familienbanden. Die Kundschaft befürchtet, ihre Fracht könnte im Zug transportiert werden, nur um die Auslastung bei Railion zu sichern - selbst wenn das gar nicht der günstigste Weg ist. Im hart umkämpften Logistikmarkt ist allein so eine Einschätzung gefährlich.
"Die Synergien, von denen Herr Mehdorn spricht, sind negativ" so Ilgmann. Langfristig hätten sämtliche Bahntöchter in dieser Branche schlechtere Rahmenbedingungen als die Konkurrenz, und das heiße: "Kapital wird vernichtet." Deswegen sei sein Galgenhumor so absurd nicht: "Hätte sich Mehdorn in den ebenfalls wachsenden Pharmamarkt eingekauft, würde er nicht das Geschäft innerhalb des eigenen Konzerns beschädigen."
Kosten trägt der Steuerzahler
Kapitalvernichtung fürchtet der Rechnungshof auch in der Frage der Rückstellungen, mit denen künftige Risiken abgefedert werden sollten. Die Rückstellungen der Bahn waren bis 2003 gestiegen. Dann aber, als der Börsengang verstärkt diskutiert wurde, seien sie wieder zurückgegangen und trugen zu einer Verbesserung des Konzernergebnisses bei.
"Mögliche positive Folgen für die Kapitalmarktfähigkeit sind jedoch nur vorübergehender Natur, begrenzt auf den Zeitraum der Abarbeitung", zitiert reuters aus dem Berichtsentwurf der Prüfer. Später müssten eventuell Kredite aufgenommen werden, weil die Rückstellungen nicht ausreichten.
Die Bahn hat die Vorwürfe des Rechnungshofes inzwischen scharf zurückgewiesen. Dort hält man an der Vision eines integrierten Transportkonzerns fest, der in allen Bereichen stark ist. Eine Sprecherin zweifelte überdies die Zuständigkeit der Beamten an.
Im Ernstfall haftet der Bund. Zumindest, wenn das Schienennetz nicht vom Bahnbetrieb getrennt wird, denn so lange bleibt der Staat als Mehrheitseigner mit mindestens 51 Prozent Anteil in der Pflicht.
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Wenn Ihre Ideen so existenzgefährdend für die Bahn sind, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dort niemand etwas unternimmt, um dieser Gefahr zu begegnen. So blind ist kein Management der Welt. Ein Unternehmen, [...] mehr...
Ich finde es schon toll, wie Sie in Foren mit Ihrer Idee die Diskussion lenken. Für aktuelle Probleme der Bahn schlagen Sie eine utopische Idee vor. Eigentlich schade, ich fahre und nutze die Bahn sehr gern, daher bin ich an [...] mehr...
Eh, nette Idee fehlt aber eine ganz substantieller Punkt zu dem ich mal eine Frage habe? Und wer soll das bezahlen?! Der Herr Müller selbst, ein Investor, der Staat? Fragen über Fragen! mehr...
Kann das Auto erst mal ohne Fahrer fahren, sehe ich schwarz für das über 150 Jahre alte VAE-Konzept der Bahn. Warum sollte man dann noch auf die Bahn umsteigen, wenn man eh' schon in einem fahrenden Fahrzeug zum PRÄZISEN Ziel [...] mehr...
Die Alternative ist die Pleite der Bahn, sobald das Auto selber fahren kann. Landfahrzeuge werden typischerweise nur eine Stunde pro Tag bewegt, Automaten zehn. Damit wird ein Prozent Automatenanteil eine ähnliche [...] mehr...
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