Berlin - Nach intensiver Prüfung und sorgfältiger Abwägung sei man mit der Holding der Sendergruppe um den Milliardär Haim Saban zu der Auffassung gelangt, "dass aufgrund der zahlreichen wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten eines möglichen Klageweges oder eines möglichen Ministererlaubnisverfahrens für alle Beteiligten unzumutbare Risiken entstünden", heißt es in der Mitteilung.
Das Problem scheint die Verzögerung bei dem Kauf zu sein: Das derzeitige Angebot von Springer läuft im Juli aus. Das Risiko bestehe nun insbesondere darin, dass der Kurs der ProSieben-Aktie gerade in Erwartung eines neuerlichen Angebots steigen könne, und das Angebot müsse sich am Durchschnittskurs der jeweils letzten drei Monate orientieren, sagte Springer-Sprecherin Edda Fels der Nachrichtenagentur AP. Zwar solle über eine Ministererlaubnis, deren Beantragung nach dem Verdikt des Bundeskartellamtes zunächst nicht ausgeschlossen wurde, innerhalb von vier Monaten entschieden werden, aber "sicher ist das nicht".
Der Klageweg dauere möglicherweise noch länger. Dazu komme, dass der Antrag auf Ministererlaubnis abgelehnt werden könne, ebenso wie der Ausgang einer Klage gegen den Kartellamtsbescheid offen sei. Mögliche Auflagen könnten erteilt werden, mehrere Behörden wären involviert.
Fels erklärte weiter, dass das bisherige Verfahren für Springer mit keinerlei finanziellen Risiken verbunden gewesen sei. Es gebe keine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Verkäufer, und die Anwalts- und Beratungskosten "in niedriger zweistelliger Millionenhöhe" würden durch die Auflösung eines Zinssicherungsgeschäfts nahezu ausgeglichen. "Wir kommen da absolut ohne wirtschaftlichen Schaden heraus", sagte Fels. Auf die Frage, welche anderen Expansionspläne Springer nun verfolge, verwies sie auf die Aussage des Vorstandschefs Mathias Döpfner, der vor einigen Wochen erklärt habe, Springer werde für den Fall einer Untersagung des "Schritts in den TV-Markt" versuchen, sich in digitalen Märkten und im Ausland zu engagieren.
Monatelanges Gerangel um die Übernahme
Damit ist das monatelange Gerangel um die Übernahme nun endgültig beendet. Springer hatte im August 2005 erklärt, ProSiebenSat.1 für rund 2,5 Milliarden Euro übernehmen zu wollen und damit eine heftige Diskussion um die Konzentration von wirtschaftlicher Macht und Meinungsmacht ausgelöst. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hatte die Fusion der beiden Unternehmen abgelehnt, ebenso das Bundeskartellamt. Das Angebot des Verlags, alle Programm- und Familienzeitschriften zu verkaufen, hatte die Wettbewerbsbehörde als unzureichend empfunden. Einen Einzelverkauf des Senders ProSieben hatte Springer verworfen.
Doch damit war das Gezerre um die Fernsehkette noch längst nicht beendet: Mehrere Landesmedienanstalten brachten sich in Stellung, um das Votum der KEK mit einer Dreiviertel-Mehrheit zu kippen. In politischen Kreisen wurde um die Möglichkeit einer Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gestritten, die den Widerspruch des Kartellamts außer Kraft gesetzt hätte - die Meinungen gingen dabei auch innerhalb der Parteien weit auseinander. Viele Befürworter der Fusion wiesen daraufhin, dass die Fusion wichtig sei, um beide Unternehmen für den zunehmend härteren internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen.
ase/mik/dpa-afx/ap
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