Wirtschaft



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10.02.2006
 

Werksschliessung

Miele wirft AEG-Eignern Fehler vor

Selten hat sich Miele-Chef Markus Miele so deutlich über die Konkurrenz geäußert. Was die AEG-Mutter Electrolux am Standort Nürnberg mache, sei "Unsinn". Man dürfe nicht versuchen, immer billiger und billiger zu werden.

Hamburg - "In unseren Augen ist es Unsinn, die Wertschöpfung in Deutschland völlig herunterzufahren", sagte Firmenchef Markus Miele in Hamburg. Der schwedische Konzern Electrolux habe AEG zu stark auf das Billigsegment ausgerichtet und damit der Preisschlacht ausgesetzt, kritisierte Miele gestern Abend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Die Schweden hätten die Chance vertan, AEG zu einer Marke zu machen, die im oberen Preissegment eine Überlebenschance gehabt hätte.

Miele (r.), Zinkann: Kritisches über die Konkurrenz
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DPA

Miele (r.), Zinkann: Kritisches über die Konkurrenz

Electrolux hat angekündigt, das AEG-Werk in Nürnberg zu schließen. Stattdessen soll künftig in Polen und Italien produziert werden. Die rund 1700 Mitarbeiter in Nürnberg protestieren nun gegen die Werksschließung und wollen mit Arbeitskämpfen höhere Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und eine Beschäftigungsgesellschaft durchsetzen. Miele kritisierte: "Man muss sich immer die Umstände einer Verlagerung genau anschauen und darf dabei nicht nur die günstigeren Arbeitskosten in Osteuropa oder Asien sehen."

Zuvor hatte schon Reinhard Zinkann, wie Markus Miele ebenfalls Miele-Geschäftsführer, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "brand eins" kritisiert, die Konkurrenz sei über ständige Zukäufe gewachsen und schließlich ins Straucheln geraten, weil sie die vielen Neuerwerbungen nicht mehr verkraften konnten.

Umsatzwachstum trotz teurer Produkte

Miele selbst produziert größtenteils in Deutschland. Gleichwohl hat das Unternehmen, als in den vergangenen Jahren die Umsätze zurückgingen, Produktionen nach Tschechien und China verlagert. Mit dem Betriebsrat hat Miele den Wegfall von knapp 1000 der insgesamt 15.000 Stellen in den kommenden zwei Jahren vereinbart. Seine eigenen Produkte siedelt das Gütersloher Unternehmen, das neben Waschmaschinen diverse andere Haushaltsgeräte herstellt, im hochpreisigen Segment an. Nach eigenen Angaben sind Miele Geräte mindestens 20 Prozent teurer als die Konkurrenz.

Der "Geiz-ist-geil"-Haltung vieler Konsumenten trotzt das ostwestfälische Unternehmen dennoch: Für das laufende Geschäftsjahr stellte Miele ein deutliches Umsatzplus in Aussicht. "Wir werden wir mit Sicherheit das Umsatzwachstum von 5,2 Prozent des vergangenen Geschäftsjahres noch übertreffen", sagte Miele und verwies auf die anziehende Kaufneigung in Deutschland. 2005 betrug der Umsatz rund 2,3 Milliarden Euro. Zum Gewinn macht das Gütersloher Unternehmen traditionell keine Angaben. Miele, 1899 von Carl Miele und Reinhard Zinkann gegründet, gehört immer noch zu 51 Prozent der Familie Miele und zu 49 Prozent der Familie Zinkann.

kaz/rtr

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