Wirtschaft



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11.02.2006
 

VW-Sparkurs

Mitarbeitern droht Lohnkürzung um 20 Prozent

Knallharter Sparkurs bei Volkswagen: Den Mitarbeitern des Autoherstellers drohen längere Arbeitszeiten und Lohnkürzungen. Nach Informationen des SPIEGEL ist die Schließung eines Montagewerkes kaum noch vermeidbar.

Hamburg - Den deutschen VW-Arbeitern drohen Lohnkürzungen um bis zu 20 Prozent. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, sollen nach den Plänen von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder künftig alle Beschäftigten unter den Bedingungen der Konzerntochter Auto 5000 arbeiten. Das wolle Pischetsrieder gemeinsam mit Markenvorstand Wolfgang Bernhard bei den bevorstehenden Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall erreichen.

Auslieferungsturm in Wolfsburg: Raue Zeiten in der Autostadt.
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DPA

Auslieferungsturm in Wolfsburg: Raue Zeiten in der Autostadt.

Die Mitarbeiter von Auto 5000, die derzeit etwa den VW Touran produzieren, bekommen keine Pausenzeiten bezahlt, müssen kostenlos Produktionsmängel nachbessern und bis zu 42 Stunden pro Woche arbeiten. Mit knapp 2600 Euro verdienen sie dabei genau so viel wie ihre nach dem Haustarif bezahlten Kollegen, die lediglich 28,8 Stunden pro Woche arbeiten müssen, schreibt das Blatt.

Wenn sich Pischetsrieder und Bernhard bei den Verhandlungen mit den Gewerkschaften durchsetzten, müssten die Beschäftigten mit rund 20 Prozent weniger Stundenlohn rechnen. Sollten Betriebsrat und IG Metall die kostenlose Mehrarbeit ablehnen, würde der Konzern notfalls aus dem 2004 geschlossenen Tarifvertrag aussteigen und mit betriebsbedingten Kündigungen drohen.

Schließung des VW-Werkes in Brüssel?

Nach Informationen des SPIEGEL will Pischetsrieder mit den Betriebsräten über eine Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche mit 35 Stunden verhandeln. Die Mitarbeiter sollen zum gleichen Lohn länger arbeiten. In einigen Bereichen der Entwicklung sollte wieder 40 Stunden gearbeitet werden.

Die Mehrarbeit hätte zur Folge, dass die Schließung eines Montagewerks kaum zu vermeiden wäre. Die Fabrik in Brüssel, in der Golf und Lupo produziert werden, gilt als besonders gefährdet. Die Fertigung der dort montierten Autos könnte auf die deutschen Standorte verteilt werden. Dann wären diese besser ausgelastet und eher rentabel. Allerdings ist Brüssel bislang deutlich kostengünstiger als Wolfsburg.

Unterdessen hat laut "Focus" Betriebsratschef Bernd Osterloh mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) einen Verbündeten im Kampf gegen den Jobabbau gefunden. Sie hätten am vergangenen Wochenende eine gemeinsame Strategie gegen einen möglichen Kahlschlag bei VW vereinbart, betont das Magazin.

Neue Diskussion um Pischetsrieder

Die Vertragsverlängerung Pischetsrieders ist nach SPIEGEL-Informationen keineswegs so sicher, wie es noch vor Wochen schien. Ministerpräsident Christian Wulff und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking haben sich zwar dafür ausgesprochen. Aber nun mehren sich auf der Arbeitnehmerseite die Bedenken, ob Pischetsrieder der richtige Mann ist. Es dauert ihnen zu lange, bis der VW-Boss in die Gänge kommt. Die Probleme seien schließlich seit Jahren bekannt. Einige VW-Betriebsräte überlegen, ob sie der Vertragsverlängerung Pischetsrieders auf der Aufsichtsratssitzung Anfang Mai zustimmen sollen.

Verbessertes Konzernergebnis

Volkswagen hatte gestern einschneidende Maßnahmen angekündigt, um die Werke effektiver zu machen. Davon betroffen seien bis zu 20.000 Mitarbeiter in der Komponentenfertigung, der Fahrzeugmontage und der Verwaltung. Konzern-Chef Pischetsrieder sagte, es werde aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Zugleich hatte Pischetsrieder die vorläufigen Bilanzzahlen für 2005 mit einem Anstieg des Gewinns nach Steuern um 60,7 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro verkündet. Als Hauptgrund für das verbesserte Ergebnis nannte er das bereits 2004 in Angriff genommene Sparprogramm "ForMotion".

Bei dem geplanten Sanierungsprogramm des VW-Konzerns hat Porsche nach Ansicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer eine große Rolle gespielt. "Der Einfluss ist groß. Porsche arbeitet bei der Produktion viel mit Zulieferern", sagte Dudenhöffer der "Passauer Neuen Presse". Dieses Geschäftsmodell und die flachen Strukturen dürften auch schnell bei VW Einzug halten.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking werde das Sparprogramm im Aufsichtsrat "sicher mit großem Engagement unterstützen". Als eine "gute Nachricht" bezeichnete Dudenhöffer das Umstrukturierungsprogramm beim Volkswagenkonzern. "VW hat einen großen Befreiungsschlag gemacht", sagte er. Der Konzern habe große Überkapazitäten und müsse von seinen bisherigen Kostenstrukturen runter. "So wäre das Unternehmen auf Dauer kaum zukunftsfähig", betonte der Experte mit Blick auf das Ergebnis der Marke VW 2005. Wenn VW bestehen und positive Erträge erwirtschaften wolle, müsse VW sich für den harten Wettbewerb besser aufstellen.

cpa/wob/ddp/afp

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