Wirtschaft



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15.02.2006
 

Vorwurf des WWF

Stromriesen machen Reibach mit Emissionsrechten

Der Handel mit Emissionszertifikaten sollte auf elegante Weise den Ausstoß von CO2 minimieren helfen. Die fünf großen deutschen Stromkonzerne nutzten die Papiere allerdings, um zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe zu erzielen, erklärt die Umweltorganisation WWF.

Berlin - Nach Berechnungen der Umweltorganisation werden die fünf Großen der Branche - RWE, E.on, Vattenfall, EnBW und Steag - bis 2012 bis zu 64 Milliarden Euro Gewinn allein aus dem Handel mit Verschmutzungsrechten erzielen. Die geplanten Investitionen machten mit 11,6 Milliarden Euro aber nur einen kleinen Teil davon aus.

Der Handel mit Verschmutzungsrechten war EU-weit vor gut einem Jahr gestartet. Er soll Unternehmen mit finanziellen Anreizen zum Umweltschutz bewegen: Über Emissionszertifikate wird jedem Unternehmen das Recht eingeräumt, in bestimmtem Umfang CO2 in die Umwelt zu pusten. Wer in klimafreundliche Technologien investiert und entsprechend weniger CO2 ausstößt, kann die übrigen Zertifikate verkaufen. Wer die Atmosphäre dagegen mit viel Kohlendioxid (CO2) verpestet, muss die Zertifikate erwerben. Die Tonne CO2 wird derzeit mit rund 25 Euro an den europäischen Strombörsen gehandelt.

Ein solcher Preis ist nach Angaben von WWF-Expertin Regine Günther bereits in den Strompreisen enthalten. Dies sei aber nicht gerechtfertigt, weil die Zertifikate den Firmen zum Großteil gratis zugeteilt worden seien. Die Unternehmen erzielten damit also "im großen Maßstab Extragewinne", kritisierte die Umweltexpertin.

Die SPD will die Verbraucher beim Emissionshandel entlasten. Die Partei erwäge, den Unternehmen die Verschmutzungsrechte für die zweite Phase des Emissionshandels von 2008 bis 2012 nicht mehr gratis zuzuteilen, sondern einen Teil der Zertifikate zu versteigern, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Auktion werde die Strompreise nicht in die Höhe treiben, weil die Stromkonzerne den fiktiven Wert der Verschmutzungsrechte bereits in den Preis eingerechnet hätten, sagte Kelber. Der Großteil der Erlöse von rund einer Milliarde Euro jährlich solle dann den Verbrauchern zurückgegeben werden.

mik/afp

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