Von Nils Klawitter
Hamburg - Beim Einsturz der Fabrik Spectrum Sweaters kamen im April 2005 64 Menschen ums Leben, 70 wurden schwer verletzt. Nennenswerte Unterstützung ausländischer Produzenten sei bisher nur von der spanischen Textilkette Inditex (Zara) gekommen, die auch in der Fabrik produzieren ließ. Das berichteten zwei junge Männer, die vergangene Woche auf Einladung der "Kampagne für saubere Kleidung" in Deutschland waren.
Nura Alam, 29, und Jahangir Alam, 24, saßen am 11. April kurz nach Mitternacht an ihren Nähmaschinen im siebten Stock der Fabrik, als der Boden unter ihnen wegsackte. Jahangir Alam wurde nach sechs, sein Freund erst nach 16 Stunden aus den Trümmern gezogen. Beide sind arbeitsunfähig, Nura Alam verlor einen Arm.
Die Fabrik stand auf sumpfigem Grund und war von ihrem Besitzer illegal von vier auf neun Etagen aufgestockt worden. Inditex hat den beiden Arbeitern bisher etwa 265 Euro an Entschädigung zukommen lassen. Zudem habe der Konzern nach dem Einsturz 35.000 Euro für medizinische Soforthilfe bereitgestellt, sagt Kampagnen-Sprecherin Evelyn Bahn. Trotz dieser Hilfe mussten beide Textilarbeiter ihre kleine Parzelle Land und ihr Vieh verpfänden - arbeiten können sie nicht mehr und die Medikamentenkosten treiben sie in die Schuldenfalle.
Von der BSCI, einer Initiative der europäischen Außenhandelsvereinigung zur Einhaltung von Sozialstandards, ist bislang, trotz monatelanger Ankündigung, noch kein Geld gekommen. Auch KarstadtQuelle ließ für seine Versandtochter Neckermann bei Spectrum Sweaters produzieren. "Wir sind bereit und willens, in einen Fonds einzuzahlen", sagt Unternehmenssprecher Jörg Howe. Das ist allerdings noch immer nicht geschehen. Evelyn Bahn zweifelt an dem Willen der meisten Firmen, die von der billigen Arbeit bei Spectrum Sweaters profitierten: "Ein Entschädigungsfonds würde einen Präzedenzfall schaffen", sagt sie. "Und das fürchten alle."
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