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01.03.2006
 

Porsche-Finanzchef Härter

"Volkswagen muss billigere Autos bauen"

Nach der Beteiligung von Porsche an Volkswagen zieht neben Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auch Finanzvorstand Holger Härter in den VW-Aufsichtsrat ein. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Härter, wo Volkswagen besser werden muss und wie Porsche von dem Engagement profitiert.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Härter, Ende Januar haben die VW-Aktionäre Porsche und das Land Niedersachsen ihren Streit um die Macht bei Europas größtem Autobauer beigelegt. Volkswagen kann den Burgfrieden gut gebrauchen. Der Konzern steckt mitten in der Sanierung. Unterstützt Porsche als neuer Großaktionär den Sparkurs des Managements?

Porsche-Finanzvorstand Härter: "Die Autos sind zu teuer positioniert"
DDP

Porsche-Finanzvorstand Härter: "Die Autos sind zu teuer positioniert"

Härter: Die Sparpläne von Volkswagen gehen in die richtige Richtung. Ein Unternehmen kann aber nicht nur über niedrige Kosten saniert werden. Was nach unseren ersten Eindrücken folgen muss, ist eine langfristig tragfähige Wachstumsstrategie. Hoffnung macht uns, dass bei VW einige neue Modelle bereitstehen. Man muss jetzt auch über Verbesserungen beim Vertriebsnetz nachdenken. Wir haben da einige Ideen, die wir aber intern diskutieren werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie das Image der Marke Volkswagen?

Härter: Grundsätzlich ist auch Volkswagen als Marke sehr stark. Man muss sich nur mehr auf ein bestimmtes Preissegement konzentrieren. Dort sehe ich im direkten Wettbewerbsvergleich einen Preisnachteil, die Autos sind zu teuer positioniert. Volkswagen muss billigere Autos bauen, beziehungsweise den technischen Inhalt reduzieren.

SPIEGEL ONLINE: Also weg vom Phaeton, zurück zum Volks-Wagen?

Härter: Zurück dahin, wo die Stärken des Unternehmens sind. VW verdient sein Geld immer noch mit Golf und Passat.

SPIEGEL ONLINE: Andere Premium-Autobauer haben den Einstieg in den Massenmarkt bitter bereut. BMW hat das Rover-Engagement beispielsweise in eine existentielle Krise gestürzt. Warum sollte es bei Porsche und Volkswagen besser laufen?

Härter: Nur ein Beispiel: Die Substanz von VW ist deutlich stabiler als die von Rover. Ein Blick auf die Produkte reicht, um zu sehen, dass VW heute klar besser aufgestellt ist als Rover damals. Technisch gesehen ist die Basis also gut. Wo wir nachbessern wollen ist - wie gesagt - die Positionierung. Darüber werden wir mit unseren Kollegen diskutieren.

SPIEGEL ONLINE: Wo liegt für Porsche der Vorteil bei dieser Liaison, von der Dividende mal abgesehen?

Härter: Es gibt ja bereits Kooperationen zwischen uns und VW bei der Entwicklung eines Hybridmotors und bei der Geländewagenfertigung. Davon profitieren wir genauso wie Volkswagen. Darüber hinaus denken wir an eine gemeinsame Elektronikplattform für beide Marken. Aber eines muss dabei klar sein: Wir werden sehr streng darauf achten, dass die Identität von Porsche unangetastet bleibt.

SPIEGEL ONLINE: Nimmt die Marke Porsche nicht Schaden, wenn in Zukunft verstärkt VW-Komponenten verbaut werden? Bei eingefleischten Porsche-Fans dürfte das nicht gut ankommen.

Härter: Wenn ein Porsche-Fahrer aus seinem Wagen aussteigt und das Gefühl hat, er saß in einem VW Golf, dann haben wir einen Fehler gemacht. Dazu darf es auf keinen Fall kommen und darauf werden wir achten.

SPIEGEL ONLINE: Wie?

Härter: Unsere Kernkompetenz ist und bleibt das Design, der Antrieb sowie das Fahrverhalten des Fahrzeugs. Die Gesamtabstimmung dieser Komponenten ist bei Porsche einzigartig und muss auch einzigartig bleiben. Wenn wir eine mit VW entwickelte Klimaanlage einbauen, wird das unsere Stammklientel dagegen nicht stören.

SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie den Kompromiss mit dem Großaktionär Niedersachsen? Sie und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ziehen in den Volkswagen-Aufsichtsrat ein. Im Gegenzug verzichtet Porsche trotz der Aktienmehrheit auf den Vorsitz in dem Gremium. Sind Sie zufrieden mit der Lösung?

Härter: Wendelin Wiedeking sitzt ja auch im Präsidialausschuss des VW-Aufsichtsrates und hat somit alle notwendigen Informationen. Auch haben wir unser Ziel erreicht: Wir sind mit zwei Sitzen vertreten. Daher können wir mit dieser Vereinbarung gut leben.

SPIEGEL ONLINE: Offen bleibt dennoch der Posten des Chefkontrolleurs. Andere Großaktionäre haben Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer ebenso ins Spiel gebracht wie den Stahlunternehmer Jürgen Großmann. Sind das auch Ihre Favoriten?

Härter: Das ist eine interne Diskussion. Diese Fragen erörtern wir mit den anderen Aktionären, nicht mit der Presse. Wenn jede Partei eine Person öffentlich ins Spiel bringt, erreichen wir gar nichts. Wir sind davon überzeugt, gemeinsam mit dem Land Niedersachsen einen Kandidaten zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Die anderen Aktionäre geben sich da weniger zurückhaltend.

Härter: Wie gesagt: Wir diskutieren das intern.

SPIEGEL ONLINE: Außer mit Niedersachsen hat sich Porsche auch mit der amerikanischen Fondsgesellschaf Tweedy Browne einen Schlagabtausch geliefert. Der US-Aktionär hat den VW-Einstieg lautstark kritisiert. Wie stehen Sie nach der Einigung zu dem Finanzinvestor?

Härter: Wir haben nicht verstanden, warum Tweedy Browne seine Vorbehalte gegen uns öffentlich und in dieser Form geäußert hat. In einem Gespräch hätte man das sicher besser entkräften können. Wir haben immer gesagt, dass wir mit dem Vorgehen einiger Finanzinvestoren nicht einverstanden sind. Dazu gehört sicher auch Tweedy Browne.

SPIEGEL ONLINE: Hat es mittlerweile ein Gespräch gegeben?

Härter: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht Porsche die Zukunft von VW-Chef Bernd Pischetsrieder? Kann er bei der Aufsichtsratssitzung Ende April mit einer Vertragsverlängerung rechnen?

Härter: Bitte haben Sie Verständnis, aber solche Themen sollten ausschließlich im Aufsichtsrat von VW besprochen werden. An diese Gepflogenheiten wollen wir uns halten.

VW-Produktion (in Wolfsburg): "VW verdient sein Geld immer noch mit Golf und Passat"
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DPA

VW-Produktion (in Wolfsburg): "VW verdient sein Geld immer noch mit Golf und Passat"

SPIEGEL ONLINE: Porsche peilt zunächst eine Beteiligung von 22 Prozent bei Volkswagen an. Gibt es Pläne, darüber hinaus Anteile zu übernehmen?

Härter: Finanzieren könnten wir weitere Aktienkäufe. Die 22 Prozent sind aber der derzeitige Beschluss. Alternativen haben wir nicht diskutiert.

SPIEGEL ONLINE: Als Grund für den Einstieg hat Porsche stets auf die Gefahr verwiesen, dass Volkswagen eine feindliche Übernahme droht. Dies hätte die vorhandene Kooperation zwischen den Unternehmen beeinträchtigen können. Gab es für einen Attacke auf die Wolfsburger konkrete Anzeichen?

Härter: Es gab gewisse Vermutungen, dass ein branchenfremder Akteur eine Beteiligung plant. Aber das war nicht der einzige Faktor. Die Absicherung der Kooperation mit Volkswagen durch einen Einstieg hat nur Sinn gemacht, weil die Aktie unterbewertet war. Entsprechend ist hier eine deutlich Entwicklung nach oben zu erwarten, von der Porsche auch finanziell profitiert. Beides, die Absicherung der Zusammenarbeit und der günstige Aktienkurs, haben uns bei der Entscheidung geleitet.

Das Interview führte Jörn Sucher

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