Hamburg - In einer Urabstimmung sprachen sich heute 42 Prozent der in der Gewerkschaft Ver.di organisierten Mitarbeiter für die Annahme eines Arbeitszeit-Kompromisses aus. Das Abstimmungsergebnis verkündete Hamburgs Ver.di-Chef Wolfgang Rose am Nachmittag. Nötig für ein Streik-Ende waren mindestens 25 Prozent Zustimmung. Ver.di beendete nach der Urabstimmung den Streik mit sofortiger Wirkung.
Die Einigung sieht eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 38,8 Stunden vor. In den unteren Einkommensgruppen wird dabei weiterhin nur 38,5 Stunden gearbeitet, in den oberen je nach Alter und Zahl der Kinder bis zu 40 Stunden.
Ver.di wertete die Einigung als Erfolg. "Die Arbeitgeber sind weit weg von der 40-Stunden-Woche für das Gros der Belegschaft", sagte Gewerkschaftsvertreter Rainer Hahn. Gerade in den unteren Vergütungsgruppen, wie etwa bei der Hamburger Stadtreinigung, arbeiteten etwa 87 Prozent der Beschäftigten des Landes.
Rose sagte, der Tarifabschluss sei kein Pilotabschluss für andere Kommunen und andere Bundesländer wegen der spezifischen Bedingungen in den städtischen Betrieben. Er betonte, dass als Folge des Abschlusses kein Stellenabbau erfolgen dürfe. Ähnlich äußerte sich der Hamburger Arbeitgeber-Chef Volkmar Schön. Er sagte, der Hamburger Abschluss solle keinen Pilotcharakter haben. "Wir wollen auch keine Empfehlung an unsere Kollegen abgeben und ihnen damit in den Rücken fallen", fügte er hinzu.
Ver.di kämpft bundesweit gegen längere Arbeitszeiten. Tausende Angestellte von Ländern und Kommunen in Westdeutschland wehren sich seit mehr als drei Wochen mit Streiks gegen die Forderung der Arbeitgeber, die tarifliche Wochenarbeitszeit auf 40 von 38,5 Stunden ohne Lohnausgleich zu erhöhen.
Auch nach der Einigung in Hamburg gehen die Streiks weiter. Ver.di-Chef Frank Bsirske, kündigte heute eine Verschärfung des Arbeitskampfes sowie gemeinsame Aktionen mit der IG Metall an. Da der Abschluss für die kommunalen Beschäftigten in Hamburg nicht ohne weiteres übertragbar sei, werde weiter gegen die geplante Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich gestreikt, hieß es. Heute waren der Gewerkschaft zufolge rund 24.000 Beschäftigte in neun Bundesländern im Ausstand.
suc/dpa/ddp/Reuters
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