Wirtschaft



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03.03.2006
 

Blüten-Vorwürfe gegen Nordkorea

Spur der falschen Scheine

Von Matthias Streitz

Die Bush-Regierung erhebt neue, immer detailliertere Vorwürfe gegen Nordkorea: Das dortige Regime soll im großen Stil 100-Dollar-Scheine gefälscht und verteilt haben. Über Moskau und Minsk seien die tückisch hochwertigen "super notes" bis nach Europa gelangt.

Hamburg - Kim Moon-So garnierte seinen Auftritt mit einem Showeffekt. Als der konservative Abgeordnete Ende Februar vor dem Parlament im südkoreanischen Seoul sprach, zückte er zwei 100-Dollar-Geldscheine.

Einer war echt, der andere gefälscht.

Konservativer Kim beim Original- und Fälschung-Spiel: Falsche Millionen in schwarzen Samsonites?
AP

Konservativer Kim beim Original- und Fälschung-Spiel: Falsche Millionen in schwarzen Samsonites?

Die Blüte, erklärte Kim, habe ein Menschenrechtler in der chinesischen Stadt Dandong für ihn erstanden - für den Preis von 70 echten US-Dollar. Gedruckt worden sei sie in einer geheimen Anlage in dem Staat, der sich offiziell Demokratische Volksrepublik nennt und den seine Gegner gerne als "kriminelles Regime" oder "Schurkenstaat" apostrophieren - in Nordkorea.

Der kämpferische Auftritt Kims war nur eine Etappe eines eskalierenden diplomatischen Streits, in dem die Regierung der USA auf der einen Seite steht, das bizarr-stalinistische Regime aus Pjöngjang auf der anderen - und Südkorea irgendwo unentschlossen in der Mitte. Es geht um die sogenannten "super notes" - nachgemachte 100-Dollar-Noten von so bestechender Qualität, dass selbst Kenner sie nicht auf Anhieb von Originalen unterscheiden können.

Die besten Blüten der Welt

Die erste dieser Hochqualitätsblüten wurde 1989 in einer philippinischen Bank enttarnt - seither tauchten Falschgeldscheine gleicher Machart in China, Japan und der Mongolei auf, aber auch wiederholt in Europa. So wurden im Mai 2000 Blüten im Nennwert von 250.000 Dollar an der deutsch-tschechischen Grenze sichergestellt. Die "super notes" seien "die besten Fälschungen der Welt", heißt es in einer an der Uni Stanford angefertigten Facharbeit aus dem Jahr 2005.

Anfangs rätselten Geheimdienste und Experten noch über die Herkunft des Falschgelds - in den frühen neunziger Jahren fiel der Verdacht auf das Mullah-Regime in Iran. Inzwischen gehen westliche Regierungen davon aus, dass die Blüten aus Nordkorea stammen. "Es gibt sehr robuste Hinweise darauf", sagt ein politischer Insider aus Berlin.

So berichtete der nordkoreanische Überläufer Kang Mygong-Do schon 1996, direkt in der Innenstadt von Pjöngjang seien acht bis neun Millionen Falschgeld-Dollar jährlich gedruckt worden - die Scheine habe man in schwarzen Samsonite-Koffern abtransportiert und nordkoreanischen Diplomaten übergeben. Deren Mission sei es dann, die Blüten in Umlauf zu bringen. Oft würden sie vorher im Verhältnis eins zu eins mit echten Noten gemischt, damit der Schwindel noch schwerer zu entdecken sei.

Nordkorea: "Ungeschickte, würdelose politische Farce"

In diesen Tagen steuert die Gangster-Story um falsches Geld und Kommunisten auf einen neuen Höhepunkt zu - denn Washington verschärft seine Gangart. Im September erhob die US-Regierung Sanktionen gegen acht nordkoreanische Firmen und die Banco Delta Asia in Macao. Die Banker in der Casino-Stadt im Süden Chinas sollen die Super-Blüten verteilt und Geld gewaschen haben, das aus dem Handel mit Waffen, Drogen, Viagra-Plagiaten und anderen kriminellen Machenschaften Nordkoreas stammte.

Anti-US-Plakat in Pjöngjang: "Eine Schmutzkampagne"
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AP

Anti-US-Plakat in Pjöngjang: "Eine Schmutzkampagne"

Seither haben die Amerikaner ihre Vorwürfe immer wieder ausgeweitet und erneuert - erst in dieser Woche legte das Außenministerium einen weiteren Bericht über "Verbrechen" Nordkoreas vor. Am Dienstag soll der nordkoreanische Politiker Ri Gun zum seltenen Rapport nach New York einbestellt werden - das US-Finanzministerium will ihm dort Erkenntnisse präsentieren. Selbst Präsident George W. Bush schaltete sich in den Streit ein: Ende Januar gelobte er, die "Währung des amerikanischen Volkes" zu schützen.

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