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Blüten-Vorwürfe gegen Nordkorea Spur der falschen Scheine

2. Teil: Teil zwei: Was treibt die USA? Und: Woher stammen die Druckplatten?

Das Regime in Pjöngjang wehrt sich und spricht von einer politisch motivierten "Schmutzkampagne" - "das ist bloß eine ungeschickte und würdelose politische Farce, die unseren Ruf beschädigen soll". In Wahrheit sei auch Nordkorea ein Opfer von Geldfälschungen und kein Täter, beteuerte ein Sprecher des Außenministeriums am Mittwoch.

Als Reaktion auf die US-Sanktionen haben die Nordkoreaner die Sechs-Parteien-Gespräche abgebrochen, bei denen es um Pjöngjangs Atomprogramm geht. "Die amerikanischen Maßnahmen vom Herbst müssen schon geschmerzt haben, sonst hätte Nordkorea nicht so reagiert", glaubt der Berliner Beobachter. Auch der sonderbare Südchina-Trip des "großen Führers" Kim-Jong Il im Januar könnte durch akute Geldsorgen motiviert gewesen sein. Immerhin wird vermutet, dass Nordkorea mit Fälschungsgeschäften und Waffenschiebereien genauso viel verdient wie mit seinem legitimen Außenhandel - nun versuchen die Amerikaner, zumindest einen Teil der Schwarzgeldströme auszutrocken.

Hardliner in Washington

Amerikas Alliierte in Südkorea sind indes gar nicht glücklich über den harten Kurs der Bush-Regierung - die Regierung in Seoul möchte alles vermeiden, was den Nachbarn im Norden destabilisiert und zu einem schwer kontrollierbaren Kollaps des Regimes führen könnte. Lee Hae Chan, Premierminister im Süden, behauptete noch kürzlich, er habe noch "keine schlüssigen Beweise" gesehen, die Nordkoreas Geldfälscher-Aktivitäten belegen.

Keine allzu plausible Behauptung - hatte doch schon im 1998 ein Bericht des südkoreanischen Geheimdienstes die Thesen der Amerikaner untermauert. "Diese Aussagen des Südens sind eher politisch motiviert", kommentiert der Berliner Insider denn auch. Konservative Oppositionelle wie Kim Moon-So und Kim Jae Won warnen die Regierung in Seoul immer wieder, die Annäherung an den Norden, die unter dem schönen Titel "Sonnenschein-Politik" verkauft wird, nicht zu übertreiben.

"Tatsächlich ist es aber eigentümlich, dass die Vorwürfe von den USA gerade jetzt wieder hochgekocht werden", bemerkt der Trierer Politologe und Asien-Experte Sebastian Harnisch - schließlich gebe es schon seit Jahren Erkenntnisse über die Machenschaften des neostalinistischen Staates. Die Hardliner innerhalb der Bush-Regierung würden die Vorwürfe wohl auch aus innenpolitischen Gründen forcieren, vermutet Harnisch.

Die IRA-Verbindung und der Stasi-Verdacht

Dass Amerika nennenswerten ökonomischen Schaden erleidet, glaubt keiner der Experten. Weniger als ein Prozent der weltweit umlaufenden Dollar-Banknoten sei gefälscht, heißt es in der Stanford-Arbeit über Nordkorea - und davon wiederum gehe nur ein Bruchteil auf "super notes" zurück.

Die potentielle politische Bedeutung der falschen Scheine reicht darüber hinaus - denn zu deren Nutznießern könnten kriminelle und terroristische Gruppierungen auch in Europa gehört haben. Das zumindest legen Erkenntnisse aus Nordirland nahe, wo im September der 71-jährige Nationalist Sean Garland verhaftet wurde, der in Verbindung mit der IRA stehen soll.

Nach Erkenntnissen amerikanischer Ermittler soll Garland sich 1997 mehrfach mit nordkoreanischen Agenten in Polen getroffen und dann mit Hilfe krimineller Gruppen in Russland und Weißrussland Falschgeld gen Westen geschleust haben. Tatsächlich wurden im Sommer 2000 in Großbritannien Super-Blüten mit einem Nennwert von mehreren Millionen Dollar beschlagnahmt - der bisher größte Fund dieser Art.

Gebleichte Scheine

Trotz jahrelanger Geheimdienst-Arbeit bleiben offene Fragen. Unklar ist, wie es ausgerechnet der verarmte Staat des "großen Führers" fertigbringt, fast perfekte Dollar-Imitate anzufertigen - wo doch die eigenen Won-Banknoten von überschaubarer Qualität sind. "Man sagt, dass die Nordkoreaner irgendwie an Druckplatten gekommen sind", erklärt der Berliner Insider - nur wie, das sei unklar. Zu den gängigeren Theorien gehört, dass die Utensilien alten Ostberliner Stasi-Beständen entstammen.

Ähnlich ungewiss ist, wie die Fälscher das nötige Qualitätspapier beschafften. Die US-Notenbank benutzt für ihre Originale eine raffinierte, schwer reproduzierbare Mischung mit Baumwolle, Leinen und Fasern in spezieller Färbung.

Auch dazu gibt es eine Theorie, die einem Agentenfilm entsprungen scheint: Der nordkoreanische Überläufer Kim Jeang-Kim berichtete nach seiner Flucht, er habe im Auftrag Pjöngjangs im Ausland in großer Menge Ein-Dollar-Banknoten beschafft. Diese seien gebleicht und neu bedruckt worden.

Am Ende einer solchen Prozedur sei aus einem echten Greenback ein falscher Hunderter geworden.

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