Berlin - Rund vier Prozent weniger würden junge Ärzte an deutschen Krankenhäusern nach dem Angebot der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) verdienen, rechnete Marburger-Bund-Chef Frank Montgomery heute in Berlin vor. Eine solche Einbuße sei nicht akzeptabel. "Wir sind eskalationsfähig. Wir haben noch mehr im Köcher", drohte Montgomery.
Laut Montgomery beteiligen sich heute 20 Krankenhäuser an dem Ausstand. Für morgen kündigte er eine "ärztetypische Demonstration" in Hannover an. Dort würden die Ärzte in weißen Kitteln auf die Straße gehen, die Menschen informieren und ihnen Leistungen wie Blutdruckmessungen anbieten. Montgomery sieht eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für die Forderungen der Ärzte.
Das Angebot der Arbeitgeber kritisierte Montgomery als Minusrunde: "Wir fühlen uns schändlich behandelt." Das Gehaltsangebot sei berechnet auf Basis einer 42-Stunden-Woche. Runtergerechnet auf die geltende 38,5-Stunden-Woche bedeute dies einen Einkommensverlust von vier Prozent.
Der Marburger Bund verlangt für die insgesamt rund 22.000 Ärzte an den deutschen Unikliniken bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent höhere Gehälter.
TdL-Geschäftsführer Ulrich Konstantin Rieger hatte zuvor erklärt, die TdL hätte ein differenziertes System vorgeschlagen, dass "die besondere Situation der Ärzte auch im Hinblick auf Überstunden" aufgreife und "Mehreinkommen bis zu 50 Prozent" ermögliche. 30 Prozent mehr Geld für alle aber, wie es der Marburger Bund fordert, sei in der heutigen Zeit "schlichtweg nicht machbar", hatte Rieger erklärt.
Montgomery nannte die Behauptung, es liege ein Angebot von bis zu 50 Prozent mehr Gehalt vor, "blanken Unsinn". "Zu keinem Zeitpunkt der Tarifverhandlungen hat es von Arbeitgeberseite ein offizielles Angebot über zukünftige Ärzteeinkommen gegeben", heißt es in einem Positionspapier des Marburger Bundes. Bisher seien lediglich mündlich Zahlen vorgetragen worden.
Der Chef der Ärztegewerkschaft forderte die Arbeitgeber heute auf, "ein vernünftiges Angebot nachzuschieben". Dies könne ein Paket aus Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und Arbeitsentgelt sein. Er betonte: "Wir sind gesprächsbereit auf allen Ebenen." Das Engagement Hessens begrüßte er. Hessen ist vom Ärztestreik ausgenommen. Dort laufen separate Verhandlungen mit der Landesregierung.
Der Verbandsvorsitzende bezeichnete es als volkswirtschaftlichen Wahnsinn, dass in Deutschland hoch qualifizierte Ärzte ausgebildet würden, die dann der Verdienstmöglichkeiten wegen ins westliche Ausland abwanderten. Es müssten dann Ärzte aus Osteuropa nachgeholt werden, die weniger gut ausgebildet seien.
kaz/AP
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