Moskau/Zug - Die Nordeuropäische Gas-Pipeline-Gesellschaft (NEGPC) erklärte, die Entscheidung für Schröder sei auf der ersten Sitzung des Aufsichtsrats am Morgen in Moskau gefallen. Der Aufsichtsratsvorsitz ist nach Angabe des Unternehmens mit 250.000 Euro im Jahr dotiert. Der Posten ist einer von mehreren Jobs, die Schröder seit dem Ende seiner Kanzlerschaft angenommen hat (siehe Kasten).
Schröders Vergütung liegt damit deutlich niedriger als in Presseberichten genannt, gegen die er sich juristisch zur Wehr gesetzt hatte. Mit 250.000 Euro verdient der Alt-Kanzler im Vergleich etwa so viel wie ein Aufsichtsratschef bei den großen deutschen Unternehmen Volkswagen und BASF. Allerdings sticht er viele Aufsichtsratschefs der 30 größten deutschen Konzerne im Aktienindex Dax aus. "Mit 250.000 Euro läge er im Dax im oberen Drittel", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Mehr als Schröder verdienen im Dax demnach nur die Chefs der Kontrollgremien von E.on, BMW, der Deutschen Bank, Henkel, Schering und ThyssenKrupp.
An dem Pipeline-Konsortium NEGP Company mit Sitz im schweizerischen Zug sind der russische Gasriese Gasprom und die deutschen Konzerne BASF und E.on beteiligt. Gasprom hält mit 51 Prozent die Mehrheit, BASF und E.on sind mit je 24,5 Prozent Minderheitsgesellschafter.
Von den acht Sitzen im Aktionärsausschuss genannten Aufsichtsrat liegen vier bei Gasprom und jeweils zwei bei BASF und E.on. Schröder ist neben Gasprom-Chef Alexej Miller einer der vier Gasprom-Vertreter im Aufsichtsrat.
Als Geschäftsführer des Konsortiums wurde ebenfalls auf der ersten Sitzung der Dresdner-Bank-Manager Matthias Warnig eingesetzt. Warnig war bislang oberster Repräsentant der Allianz-Tochter in Russland und langjähriger Intimus der Familie des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz wurde der heutige Top-Manager als Stellvertretender Leiter des Referats 5 der Abteilung XV des DDR-Auslandsgeheimdienstes geführt.
Schröders Engagement ist von der deutschen Opposition scharf kritisiert worden, weil er das Projekt als Kanzler gefördert hatte. Schröder wies die Vorwürfe zurück. Abgesehen davon hat die Pipeline Verstimmungen in der Europäischen Union ausgelöst. Vor allem Polen fühlt sich hintergangen und wirft Deutschland vor, damit in der Energiepolitik eher eigene als gemeinsame Interessen zu verfolgen.
Schröder wies die Kritik an seinem Posten erneut zurück: "Dieses Projekt ist ein Projekt dreier unabhängiger privater Gesellschaften und es liegt im Interesse Deutschlands, deswegen wird es von jeder deutschen Regierung unterstützt", unterstrich er. Er fügte aber hinzu: "Mit der Kritik muss ich leben, gar keine Frage."
Die NEGP will nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren für bis zu 2,5 Milliarden Euro eine 1200 Kilometer lange Pipeline errichten, durch die bis zu 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr von der russischen Ostseeküste bis in die Höhe von Greifswald gepumpt werden können. Die Leitung soll 2010 in Betrieb gehen. Zur Koordinierung der Bauarbeiten auf dem russischen Territorium soll in Moskau eine Niederlassung eröffnet werden.
suc/AFP/Reuters
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