SPIEGEL: "Die IG Metall befindet sich im Warnstreik. Sie als Arbeitgeber werten das als gesellschaftlich verantwortungslos. Kann man keine Tarifverhandlungen mehr ohne die Scharmützel von gestern führen?"
Zwiebelhofer: "Wir würden das gerne machen. Aber die IG Metall ist da gespalten. Die etwas mehr nach rückwärts Schauenden verstehen sich als reine Lohnmaschine. Die brauchen die Kraftprobe, um die Unternehmer an empfindlichen Stellen zu treffen."
SPIEGEL: "Ist es in einer Tarifrunde nicht legitim, sich als Lohnmaschine zu verstehen?"
Zwiebelhofer: "In unserer Zeit darf man nicht einfach eine Lohnzahl in die Welt setzen. Man muss die Tarife so flexibel wie möglich machen. Es ist ein Irrtum, die Probleme der Globalisierung mit Trillerpfeifen wegzupfeifen oder mit Fahnen wegzuwedeln."
SPIEGEL: "Die IG Metall beklagt vor allem, dass Sie bislang kein Angebot gemacht haben."
Zwiebelhofer: "Wir haben mehrere Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Es geht um die Struktur der Tarife. Wir wollen neben einer generellen Lohnerhöhung eine Einmalzahlung, um das hohe Niveau nicht noch weiter in die Höhe zu treiben."
SPIEGEL: "In welchem Korridor wird sich letztlich Ihr Angebot befinden?"
Zwiebelhofer: "Wir werden am kommenden Donnerstag ein Paket vorlegen, das auch Zahlen beinhaltet. Aber es geht nicht nur um Zahlen, es geht auch um Beschäftigungsaufbau. Wir wollen einen Tarifvertrag, bei dem Firmen belohnt werden, die einstellen. Dort soll die Belegschaft länger arbeiten dürfen – unentgeltlich. Das alles putzt die IG Metall aber runter. Die werden es schwer haben, zu argumentieren, warum sie gegen Beschäftigungsaufbau sind."
SPIEGEL: "In den vergangenen Jahren fielen die Abschlüsse in Ihrer Branche bereits moderat aus. Dennoch baute die Metallindustrie Arbeitsplätze ab."
Zwiebelhofer: "Wir sind in den letzten Jahren nicht verwöhnt gewesen durch Wachstum. Wenn die Wirtschaft nicht mehr als drei Prozent wächst, dann können wir keine Arbeitsplätze schaffen. Es wäre ja schon ein Fortschritt, wenn der Beschäftigungsabbau zum Stillstand kommt. Dazu brauchen wir in bestimmten Lohngruppen niedrigere Löhne, um bestimmte Arbeiten hier zu halten."
SPIEGEL: "Zielen Sie mit den von Ihnen propagierten tarifpolitisch neuen Wegen nicht auf Aufweichung des Flächentarifvertrages und die generelle Etablierung betrieblicher Bündnisse?"
Zwiebelhofer: "Im Gegenteil. Ich verteidige den Flächentarifvertrag und finde ihn gut. Aber Öffnungsklauseln und betriebliche Elemente sind wichtig, um ihn zukunftsfähig zu machen. Da tut sich die IG Metall nach wie vor schwer."
SPIEGEL: "Wann ist mit einer Einigung zu rechnen?"
Zwiebelhofer: "Sicher nicht vor Ostern. Aber noch im April. Wir werden uns bemühen."
Das Gespräch führte Janko TietzAuf anderen Social Networks posten:
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