Wirtschaft



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11.04.2006
 

Vioxx-Opfer

Merck muss weitere Millionen-Strafe zahlen

Der US-Konzern Merck gerät wegen des Skandals um das Schmerzmittel Vioxx immer stärker unter Druck. Heute verurteilte ein Gericht den Pharmakonzern erneut zur Zahlung von neun Millionen Dollar Schadenersatz. Der Börsenkurs sackte daraufhin ab - denn noch stehen an die 10.000 Klagen aus.

Atlantic City - Vier Jahre lang hatte John McDarby das Schmerzmittel Vioxx eingenommen, dann erlitt er einen Herzinfarkt. Bereits letzte Woche waren dem Rentner deshalb 4,5 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen worden. Nun befand die Jury den Pharmakonzern Merck außerdem für schuldig, nicht ausreichend vor den Gefahren des Medikaments gewarnt zu haben. Deshalb muss Merck McDarby nach Auffassung der Richter nun weitere neun Millionen Dollar zahlen. Der Pharmakonzern kündigte an, gegen beide Urteile Berufung einzulegen.

Schmerzmittel Vioxx: Noch 2003 brachte das Präparat 2,5 Milliarden Dollar Umsatz 
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AP

Schmerzmittel Vioxx: Noch 2003 brachte das Präparat 2,5 Milliarden Dollar Umsatz 

In Fachkreisen wird der Richterspruch als schwere Niederlage für Merck gewertet. Die Höhe der Summe signalisiert Analysten zufolge, dass die Jury glaube, Merck habe bewusst Informationen zurückgehalten. "Das ist ein sehr schädliches Urteil für Merck weil die Jury befand, dass das Unternehmen mit seinem Verhalten die öffentliche Sicherheit missachtet, also mehr als nur fahrlässig gehandelt hat", erklärte Rechtsprofessor Franc McClellan von der Temple University, wie der Fernsehsender BBC berichtet.

Im Jahr 2003 machte Merck mit dem Medikament einen Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Dollar. 2004 allerdings wurde das Präparat vom Markt genommen, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko von Herzproblemen bei Patienten aufgedeckt hatte, die das Mittel mindestens 18 Monate einnahmen. Inzwischen haben fast 10.000 Menschen gegen den Pharmariesen geklagt: Sie argumentieren, das Unternehmen habe über Jahre hinweg nicht ausreichend auf mögliche Risiken hingewiesen.

Auch die Anwälte des Klägers McDarby argumentierten in dem Verfahren, Merck habe bei der Vermarktung von Vioxx immer die Profite vor die Patientensicherheit gestellt. Merck hingegen hat stets bestritten, Ärzte oder Aufsichtsbehörden über die Risiken des Mittels getäuscht zu haben.

Jedes Urteil um das umstrittene Schmerzmittel hat Signalwirkung für folgende Verfahren. Die Börse reagierte auf den heutigen Richterspruch denn auch mit Kursverlusten von zwischenzeitlich sechs Prozent für die Merck-Aktie. "Ich bin überrascht, dass Investoren dies nicht mit mehr Pessimismus aufnehmen", kommentierte Analyst Scott Henry von Oppenheimer & Co die Entwicklung sogar. "Die Strafzahlung wird die Anwälte von Klägern wieder motivieren", fügte er hinzu. In den bisher ausgetragenen vier Verfahren erlitt Merck zwei Niederlagen.

ase/AP/Reuters

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