Wirtschaft



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17.04.2006
 

Tarifstreit

Stahlharte Fronten in der Metallbranche

Der Metall-Tarifkonflikt steht vor der entscheidenden Phase. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob der Streit um Lohnerhöhungen für die 3,4 Millionen Beschäftigten am Verhandlungstisch oder mit einem Streik gelöst wird. Heute zeigten sich die Verhandlungspartner stur.

Frankfurt/Main - Unmissverständlich hat die IG Metall klar gemacht, dass es nun entscheidende Fortschritte bei den Verhandlungen geben muss. Sonst: Unbefristeter Streik in Deutschlands Schlüsselindustrie. Die Vorstellungen der Tarifparteien liegen indes noch meilenweit auseinander, und selbst im letztmaligen Pilotbezirk Baden-Württemberg sieht es nicht viel besser aus.

Forderung der IG-Metall: Fünf Prozent mehr Lohn
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DPA

Forderung der IG-Metall: Fünf Prozent mehr Lohn

Selten redeten die Tarifparteien so aneinander vorbei wie in der diesjährigen Tarifrunde. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld und eine neue Vereinbarung über vermögenswirksame Leistungen. Dazu soll ein Tarifvertrag kommen, der den Beschäftigten Mitspracherechte bei ihrer Weiterbildung sowie der Unternehmenspolitik in Bezug auf Innovationen einräumt. Für die Arbeitgeber dagegen kommt ein solcher Tarifvertrag über Qualifizierung und Innovation nicht in Frage, und auf die Lohnforderung reagierte der Verband Gesamtmetall erstmals zweiteilig: Zum einen bot er eine Erhöhung um 1,2 Prozent an, die wie üblich in die Lohntabellen eingehen und damit immer weiter ausgezahlt würde.

Teil zwei der Offerte sieht Einmalzahlungen vor, die in einem Rahmen bis zu 0,6 Prozent von Betrieb zu Betrieb einzeln ausgehandelt werden sollen. Diese Einmalzahlungen sollen nach dem Willen der Arbeitgeber in jeder Tarifrunde neu festgelegt werden, je nachdem, was die allgemeine Konjunktur und die spezielle Lage der Betriebe hergibt. Während Gesamtmetall hierin einen entscheidenden Schritt in die Zukunft sieht, wittert die Gewerkschaft den Versuch einer grundlegende Wende in der Tarifpolitik und reagiert ablehnend. Die Arbeitgeber ihrerseits beißen mit ihrer Forderung nach höheren Arbeitszeiten in Betrieben, die mehr Beschäftigte einstellen, bei der Gewerkschaft auf Granit.

Die IG Metall hat den  Arbeitgebern heute Verzögerungstaktik und Blockadehaltung vorgeworfen. "Wir sehen nicht, dass die Arbeitgeber derzeit Schritte zu einer Lösung machen", sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Das letzte Arbeitgeber-Angebot in Höhe von 1,2 Prozent wies er als "indiskutabel" zurück.

Auch von Seiten der Arbeitgeber kamen heute erneut Appelle an die andere Seite. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat die  Gewerkschaft zu Bewegung aufgerufen. Bei der Forderung nach fünf Prozent mehr Geld könne es nicht bleiben, sagte er. Von den Streikdrohungen der Gewerkschaft zeigte sich der Chef des Arbeitgeberverbands unbeeindruckt: "Wir scheuen einen Arbeitskampf nicht, wenn er uns aufgezwungen werden würde."

Alle Augen blicken diesmal nach Nordrhein-Westfalen

So kompliziert die Ausgangslage auch sein mag, bis Donnerstag wird wohl eine Entscheidung gefallen sein in dem Konflikt, denn dann tagen in allen maßgeblichen Bezirken die Tarifkommissionen, um über den ersten Streik seit vier Jahren oder den Fortgang der Verhandlungen zu befinden. Nur schwer vorherzusehen ist diesmal allerdings der Ort der Entscheidung, denn das Rennen zwischen den IG-Metall-Bezirken um die prestigeträchtige Vorreiterrolle ist noch offen.

Der einflussreiche Bezirk Baden-Württemberg tut sich diesmal schwer mit der Übernahme der Pilotfunktion, tobt hier doch neben dem Streit um Lohnprozente ein Zusatzkonflikt, in dessen Mittelpunkt die Steinkühlerpause genannten Erholzeiten für Bandarbeiter steht. Zudem hat der Südwesten im Gegensatz zu allen anderen Bezirken bereits einen Qualifizierungs-Tarifvertrag.

Alle Augen blicken deshalb zunächst auf die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen, die bereits am Dienstag zur sechsten Runde in den Verhandlungsring steigen. Dem dortigen Bezirksleiter Detlev Wetzel werden Ambitionen auf ein Spitzenamt in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale nachgesagt; ein Pilotabschluss oder der bundesweit erste Abbruch der Verhandlungen wäre da sicher zuträglich.

Den letzten Pilotabschluss erreichte der Bezirk im bevölkerungsreichsten Bundesland im Jahr 2000 und überraschte damit mitten in der Nacht die verdutzten Metaller im Südwesten. Dort gehen die Tarifverhandlungen am Mittwoch in die nächste Runde, ebenso in Niedersachsen sowie im Bezirk Frankfurt für das Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Isabell Scheuplein, AP

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