Wirtschaft



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18.04.2006
 

ZEW-Studie

Deutschland ist Rekordsteuerland

In Deutschland zahlen Unternehmen so viele Steuern wie in kaum einem anderen europäischen Staat. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge liegt die Belastung bei rund 36 Prozent. Dieses System verleite Firmen zur Steuerflucht, warnen die Experten.

Mannheim - Nur in Spanien schlägt der Staat stärker zu: Mit 36,1 Prozent zahlen die Unternehmen dort im europäischen Vergleich am meisten Steuern. Doch mit 36 Prozent Steuerlast liegt Deutschland in der Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) schon an zweiter Stelle. Danach folgen Frankreich (34,8 Prozent), Malta (32,8 Prozent), Italien (32,0 Prozent), Belgien (29,7 Prozent) und Großbritannien (28,9 Prozent).

Das Mittel aller EU-Staaten liegt der Studie zufolge nur bei 23,7 Prozent. Vor allem die Niedrigsteuer-Systeme drücken dabei den Schnitt. Die niedrigsten Steuern haben Zypern (9,7 Prozent), Litauen (12,8 Prozent), Lettland (14,4 Prozent), Irland (14,7 Prozent), Slowenien (16,7 Prozent) und Polen (17 Prozent).

Steueranreiz zum Standortwechsel

Selbst wenn man die Niedrigsteuerstandorte nicht beachte, werde der Handlungsbedarf deutlich, heißt es in der Untersuchung: Standorte wie Österreich (23,1 Prozent), Schweden (24,8 Prozent) oder Dänemark (25,2 Prozent) unterbieten Deutschland den Angaben zufolge inzwischen um mehr als zehn Prozentpunkte. "Dadurch werden starke steuerliche Anreize zur Verlagerung von Unternehmen oder Gewinnen gesetzt", erklärten die ZEW-Experten.

Verlierer sei der Standort und vor allem der deutsche Fiskus: Bei derartigen Belastungsunterschieden würden multinationale Unternehmen alle legalen Möglichkeiten nutzen, Gewinne jenseits der deutschen Grenzen zu versteuern.

Für die Studie wurde die so genannte effektive Steuerbelastung gemessen. Dabei wird neben den Steuersätzen auch die Bemessungsgrundlage berücksichtigt. Das heißt, es ist nicht nur entscheidend, wieviel vom zu versteuernden Gewinn an den Fiskus geht, sondern auch, wie stark er sich schon zuvor etwa durch Abschreibungen mindert. Für jedes Land wurde die Steuerlast anhand einer jeweils identischen modellhaften Investition berechnet.

Ase/AP/AFP

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