Wirtschaft



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21.04.2006
 

Energieversorgung

Berlin über Gasprom-Drohung verärgert

Die Antwort aus Berlin ist deutlich: Als "nicht hilfreich" hat Regierungssprecher Wilhelm die jüngsten Drohungen von Gasprom-Chef Miller bezeichnet. Der hatte angedeutet, die Gaslieferung nach Europa zu drosseln, falls die EU der Konzernexpansion im Wege stehen sollte.

Berlin - Der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, sagte heute in Berlin, die Drohung von Gasprom, möglicherweise Gaslieferungen nach Europa zurückzufahren und sich nach alternativen Partnern in Nordamerika und China umzusehen, seien "nicht hilfreich". Sie diene "nicht dem Ausbau guter Energiebeziehungen". Er gehe davon aus, dass die guten Lieferbeziehungen mit Russland "ungebrochen fortgeführt" werden, erklärte Wilhelm. Wichtig sei, dass die EU gemeinsam einseitige Abhängigkeiten bei Energie-Importen vermeide.

Gasprom-Anlage südlich von Moskau: Thema bei deutsch-russischen Regierungsgesprächen
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REUTERS

Gasprom-Anlage südlich von Moskau: Thema bei deutsch-russischen Regierungsgesprächen

"Ich gehe davon aus, dass die russische Seite kein Interesse haben kann, die langfristigen Verträge nicht einzuhalten", sagte auch Wirtschaftsminister Michael Glos dem "Handelsblatt". In der kommenden Woche werde er im Gespräch mit Vertretern der russischen Regierung über die Gaslieferungen sprechen, kündigte der CSU-Politiker an.

Gasprom-Chef Alexej Miller hatte gestern die EU-Staaten vor einer Einmischung in die Expansionspläne des Konzerns gewarnt. Versuche, Gasproms Aktivitäten auf dem europäischen Markt zu beschränken und Fragen der Gasversorgung zu politisieren, "werden nicht zu guten Resultaten führen", hatte Miller im Anschluss an ein Treffen mit den Botschaftern der 25 EU-Mitgliedsländer erklärt.

Teile der russischen Presse werteten die Drohungen des Konzerns als "Bluff". Die Zeitung "Vedemosti" sieht die Äußerungen dagegen als eine Fortsetzung des Gasstreits mit der Ukraine. Zum Jahreswechsel hatte Russland dem Nachbarland den Gashahn zugedreht, um höhere Preise für sein Erdgas durchzusetzen.

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" verhandelt Gasprom derzeit mit dem Essener Energiekonzern RWE darüber, im Endkundengeschäft Fuß zu fassen. Dabei soll es um gemeinsame Projekte wie den Bau und Betrieb neuer Gaskraftwerke oder Beteiligungen an regionalen RWE-Versorgungstöchtern gehen. Hintergrund sei das Bestreben von RWE, seine Abhängigkeit von den Gaslieferungen des Hauptkonkurrenten E.on abzuschütteln. Eine RWE-Sprecherin bezeichnete den Bericht als "Marktspekulation", zu der sich das Unternehmen nicht äußere.

kaz/AP/dpa/AFP

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