Wirtschaft



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22.04.2006
 

Metall-Tarifvertrag

Drei Prozent mehr Lohn, Streik ausgeschlossen

Nach einem 18-stündigen Verhandlungsmarathon steht in Nordrhein-Westfalen ein Metall-Tarifvertrag mit Pilotcharakter: Drei Prozent mehr Lohn und flexible Einmalzahlungen. IG-Metall-Chef Peters nannte das Ergebnis einen "Kompromiss mit Augenmaß"

Düsseldorf - Am frühen Samstagmorgen war es so weit: IG Metall und Arbeitgeber haben sich in Nordrhein-Westfalen auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt und damit einen drohenden unbefristeten Streik in letzter Minute abgewendet. IG-Metall-Chef Jürgen Peters und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser verkündeten in Düsseldorf das Ergebnis: Drei Prozent mehr Lohn ab Juni über zehn Monate.

Erstmals stimmte die IG Metall zudem der von den Arbeitgebern geforderten Koppelung von Einmalzahlungen an die Lage der Betriebe zu. Die Zahlung kann damit nach oben oder unten abweichen. Sie beträgt für die Monate März, April und Mai insgesamt 310 Euro, präzisierten die Tarifparteien. Die Zahlung könne mit Zustimmung der Betriebsparteien bei einer schlechten Lage des Unternehmens auf Null gesenkt, bei einer guten Entwicklung aber auch verdoppelt werden. Zudem sollen vermögensbildende Maßnahmen als Rentenbaustein gesichert und die Arbeitnehmer besser qualifiziert werden. Die Gesamtlaufzeit des Tarifvertrags beträgt 13 Monate, weniger als erwartet.

Peters sprach nach der durchverhandelten Nacht von einem "Kompromiss mit Augenmaß", bei dem es weder Sieger noch Besiegte gebe. Er gehe davon aus, dass der nordrhein-westfälische Abschluss von den anderen Bezirken übernommen werde. "Damit ist ein Streik ausgeschlossen." Die IG Metall hatte ursprünglich fünf Prozent mehr Lohn gefordert.

Kannegiesser betonte, die Unternehmer seien mit dem Abschluss an den "oberen Rand des wirtschaftlich Möglichen unserer Betriebe gegangen". Der Kompromiss zeige aber auch, dass die Tarifparteien Ergebnisse finden könnten, ohne Konflikte eskalieren zu lassen. Das Ergebnis von drei Prozent sei nur möglich gewesen, weil der Einstieg in die Flexibilisierung der Einmalzahlung gelungen sei. "Dies ist ein neues Element und ein wichtiges Signal für die Zukunft", betonte er. Auch Peters sagte, er hoffe, dass sich das neue Element bewähren werde.

Bei der Laufzeit des Vertrags von insgesamt 13 Monaten sei auch berücksichtigt worden, dass die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr für die Metallbranche noch unsicher sei. Der nordrhein-westfälische Verhandlungsführer der IG Metall, Detlef Wetzel, der für das Paket maßgeblich verantwortlich zeichnet, sprach von einem angemessenen und fairen Kompromiss. Auch der Verhandlungsleiter der NRW-Abreitgeber, Michael Jäger, betonte, das Ergebnis sei tragfähig.

Die IG Metall hatte gedroht, beim Ausbleiben einer Einigung bis Montag um Mitternacht Urabstimmungen für einen unbefristeten Streik einzuleiten. Am Samstag wollten die Tarifparteien in Arbeitsgruppen dem Paket noch letzten Schliff geben. Auf der Agenda stehen die tarifpolitische Förderung des Beschäftigungsaufbaus und die Neuregelung der Erholzeiten in Nord-Württemberg und Nordbaden.

Der bayerische IG-Metall-Landeschef Werner Neugebauer hat bereits angekündigt, dass er den in Nordrhein-Westfalen erzielten Kompromiss für seinen Bezirk übernehmen will. Das Paket sei insgesamt "sehr ordentlich". Die Tarifpartner aus dem Gebiet Nordwürttemberg-Nordbaden wollen heute nachmittag in Düsseldorf eine Einigung über die sogenannte "Steinkühlerpause" erzielen, eine nach dem früheren IG-Metall-Bezirkschef benannte fünfminütige Erholzeit für Fließband- und Akkordarbeiter. Sie gilt für rund 90. 000 Metallbeschäftigte. Die für den Montag in Baden-Württemberg angekündigten Warnstreiks wurden abgesagt.

cai/reuters/ddp/dpa

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