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25.04.2006
 

Ferrari-Personalchef im Interview

"Wir wollen die tief verborgene Kreativität ans Licht holen"

Berühmt ist Ferrari wegen seiner legendären Autos - kaum bekannt sind dagegen die Methoden, mit denen die 3000 Mitarbeiter geschult, gebildet und motiviert werden. Mario Almondo, Leiter Personal, erklärt im Interview, wie bei der Autofirma aus Maranello neue Ideen entstehen.

Jedes Unternehmen investiert in die Fortbildung seiner Mitarbeiter. Was ist anders bei Ferrari?

Almondo:

Vor vier Jahren haben wir ein Programm mit dem Namen "Formula Uomo" eingeführt, um ein architektonisch angenehmes und ge-sundes Arbeitsumfeld zu schaffen - einen Ort, an dem die Menschen sich tatsächlich wohl fühlen. Wir haben das mit der Entwicklung einiger ungewöhnlicher Trainings- und Wellnessprogramme kombiniert.

Atmosphäre schaffen: Mario Almondo fördert bei Ferrari den Ideenreichtum der Mitarbeiter durch Begegnungen mit Künstlern, Sprachkursen und Creativity Clubs
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Atmosphäre schaffen: Mario Almondo fördert bei Ferrari den Ideenreichtum der Mitarbeiter durch Begegnungen mit Künstlern, Sprachkursen und Creativity Clubs

Dabei handelt es sich nicht einfach um eine philanthropische Übung, sondern um einen Weg, das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung der Mitarbeiter mit der Leistung des Unternehmens zu verknüpfen. Mitarbeiter können den Tag zum Beispiel damit beginnen, ihre Englischkenntnisse aufzufrischen. Dafür können sie an einem Programm namens "English@breakfast" teilnehmen. Sie können sich aber auch für "English@lunch" eintragen oder sich am Nachmittag zu "English@tea" treffen. Die "Deutsche Party" ist ein ähnliches Programm, bei dem die Mitarbeiter sich mit einem Lehrer zusammensetzen, um Deutsch zu sprechen.

Diese Veranstaltungen sind kostenlos und offen für jeden Mitarbeiter. Sie können sich einfach per Mausklick über das Intranet dafür anmelden. Unsere Mitarbeiter genießen diese Kurse wirklich. Und ganz offensichtlich profitiert Ferrari von der Mehrsprachigkeit seiner Mitarbeiter.

Wie fördern Sie die Kreativität Ihrer Mitarbeiter?

Almondo: Sie können Kreativität nicht methodisch lehren. Aber Sie können eine Umgebung schaffen, die Kreativität fördert.

Gefunden in...

Harvard Business Manager 5/2006
Mehrmals im Jahr läuft bei uns ein Programm namens "Creativity Club". Dieses Programm zielt darauf ab, die kreative Energie der Mitarbeiter anzuregen. Das Programm besteht jedes Mal aus sechs Veranstaltungen, bei denen die Mitarbeiter verschiedene Künstler treffen. Darüber hinaus bieten wir drei Kurse mit jeweils sechs oder acht Sitzungen an, in denen die jeweiligen Künstler ihre Fähigkeiten vermitteln.

Maler, Bildhauer, ein Jazzmusiker, ein Schriftsteller, ein Radio-DJ, ein Fotograf, ein Koch, ein Schauspieler, ein Orchesterdirigent und andere Künstler waren bereits bei uns zu Gast. Ziel für unsere Mitarbeiter ist es zu lernen, wie Künstler ihre Ideen entwickeln und erfolgreich umsetzen.

Wie laufen diese Veranstaltungen ab?

Almondo: Schon wenige Stunden nach Veröffentlichung im Intranet sind die Veranstaltungen des Creativity Clubs ausgebucht.

Wir versuchen bei den meisten Veranstaltungen, die Teilnehmerzahl klein zu halten - zwischen 18 und 20 Personen
-, um sicherzustellen, dass ein wirklich reger Austausch zwischen den Teilnehmern und den Künstlern stattfinden kann.

Manchmal, wenn es sich um einen sehr berühmten Künstler handelt, erlauben wir jedoch, dass mehr als 100 Personen an einem Treffen teilnehmen. Vor der jeweiligen Veranstaltung, die immer außerhalb der Arbeitszeit stattfindet, richten wir den Veranstaltungsraum so her, dass eine Atmosphäre geschaffen wird, die einen Bezug zur Arbeit des Künstlers herstellt.

Für die Veranstaltung mit dem Bildhauer beispielsweise haben wir Fotos von seinen Arbeiten aufgehängt, einige seiner Skulpturen ausgestellt und seine Werkzeuge gezeigt.

"Ferrari GG50" (bei Autoshow in Tokio): "Sie vergessen die Arbeit und die nächsten Quartalszahlen"
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AFP

"Ferrari GG50" (bei Autoshow in Tokio): "Sie vergessen die Arbeit und die nächsten Quartalszahlen"

Die Künstler berichten über ihre Arbeit und die Quellen ihrer Inspiration. Und sie sprechen darüber, wie sie ihre Werkzeuge und Materialien einsetzen, um besonders kreativen Ideen Ausdruck zu verleihen. Ein Moderator - einmal war dies sogar der Moderator einer TV-Talkshow - führt das Gespräch. Danach sind die Mitarbeiter eingeladen, ihre eigenen Fragen zu stellen.

Sind diese Veranstaltungen nur für bestimmte Mitarbeiter gedacht?

Almondo: Nein. Wir wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich die Mitarbeiter aller Ebenen, von der Führungskraft bis hin zum Bandarbeiter, unkompliziert begegnen können und sich gegenseitig kennen lernen. Wenn Sie eine hohe Führungskraft und einen Mechaniker im gleichen Raum über Fotografie reden lassen, beginnen sie, sich über ihre Interessen außerhalb von Ferrari zu unterhalten. Sie vergessen die Arbeit und die nächsten Quartalszahlen für eine Weile.

Wie sorgt das Programm konkret für Kreativität bei der Arbeit?

Almondo: Wir sind darauf bedacht, nicht vorzuschreiben, was die Mitarbeiter aus den "Creativity Club"-Veranstaltungen mitnehmen sollen. Wir wollen die tief im Menschen verborgene, individuelle Kreativität ans Licht holen - etwas, was traditionelle Weiterbildungsprogramme nur selten schaffen.

Indem wir den Club im Unternehmen verankern und die Mitarbeiter nicht dazu ermutigen, irgendwo Kunstkurse zu besuchen, hoffen wir, dass die Mitarbeiter die Inspiration, die sie aus diesen Kursen ziehen, ganz spontan mit ihrer Arbeit im Unternehmen verknüpfen. Wir möchten, dass die Kreativität aus ihrem Unterbewusstsein heraus zu wirken beginnt.



Mit Mario Almondo, Leiter Personal und Organisation bei Ferrari, sprach Gardiner Morse, Redakteur der "Harvard Business Review". (C) Harvard Business School Publishing.

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