Wirtschaft



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27.04.2006
 

Wirtschaftsinstitute

Ökonomen sehen kräftigen Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr so stark wachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten Frühjahrsgutachten der sechs führenden Wirtschaftsinstitute hervor. Sorgen macht den Ökonomen die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Berlin - Die Forscher der sechs Institute gehen von 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr aus. Im Herbstgutachten lag die Schätzung der Experten noch bei 1,2 Prozent. In der Zwischenzeit hatten die einzelnen Institute ihre jeweiligen Erwartungen bereits angehoben.

Fußgänger in der Einkaufsstraße: "Inlandsnachfrage gewinnt an Fahrt"
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DPA

Fußgänger in der Einkaufsstraße: "Inlandsnachfrage gewinnt an Fahrt"

"Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühjahr 2006 in einem kräftigen Aufschwung", heißt es in dem Gutachten. Die Impulse aus dem Ausland seien nach wie vor beträchtlich, begründen die Forscher ihren Optimismus, aber auch die Inlandsnachfrage gewinne an Fahrt. Die für kommendes Jahr geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 16 auf 19 Prozent zum 1. Januar 2007 wirke sich im späteren Verlauf dieses Jahres positiv auf den Konsum von Gebrauchgütern auf. Der dadurch entstehende Vorzieheffekt betrage 0,2 Prozent des BIP.

Im Gegenzug werde die höhere Mehrwertsteuer aber das Wachstum im kommenden Jahr dämpfen. Für 2007 erwarten die Institute einen BIP-Anstieg von nur noch 1,2 Prozent. Aus Sorge vor dem Konjunkturdämpfer schlagen die Institute einen Kompromiss vor: Die Steuer solle zum 1. Januar in einem ersten Schritt nur auf 18 Prozent erhöht werden. 2008 könne dann die Anhebung auf 19 Prozent folgen, um damit in der Unternehmensteuerreform eine Nettoentlastung der Wirtschaft zu finanzieren, heißt es in dem Gutachten.

Die Bundesregierung rechnet bislang mit 1,4 Prozent Wachstum im laufenden Jahr. Es wird aber erwartet, dass sie die Zahl bei der für Freitag geplanten Aktualisierung ihrer Prognose nach oben korrigiert. Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf Regierungskreise, dass Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Regierungsprognose auf 1,6 Prozent erhöhen werde. Gleichwohl hieß es heute aus Regierungskreisen, das Gutachten schätze die Wachstumserwartungen unter Umständen zu optimistisch ein.

Das Staatsdefizit wird laut Gutachten 2006 bei 2,9 Prozent liegen. Deutschland würde damit bereits im laufenden Jahr die im Maastricht-Vertrag vorgesehene Obergrenze von 3,0 Prozent unterschreiten. Im kommenden Jahr soll das Defizit auf 2,0 Prozent sinken.

Die Zahl der Arbeitslosen bleibt nach Einschätzung der Institute 2006 und 2007 auf hohem Niveau. Die Konjunkturexperten erwarten, dass im laufenden Jahr im Durchschnitt 4,58 Millionen und im kommenden Jahr 4,44 Millionen Menschen ohne Arbeit sein werden. Die Arbeitslosenquote werde damit 2006 bei 10,6 Prozent und 2007 bei 10,2 Prozentliegen. Die Forscher gehen zudem von einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1,6 Prozent im laufenden Jahr und von 2,5 Prozent im kommenden Jahr aus.

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW), das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA), das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

kaz/ddp/dpa-AFX/Reuters/AFP

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