Berlin - Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft
erwägt, eigene Geräte herzustellen, um Apple
im Bereich mobiler Unterhaltungselektronik Marktanteile abzunehmen. Bisher produziert Microsoft lediglich die Videospielekonsole Xbox selbst. "Aber hier und da, wo es sinnvoll ist, wird Microsoft auch eigene Geräte bauen", sagte der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, Steve Ballmer, der "Welt".
Microsoft sei bereit, "Hardware zu bauen, wenn Hardware nötig dafür ist, um Software zu verkaufen." Genauere Pläne "werden wir mitteilen, wenn es soweit ist." Microsoft habe die Xbox bisher für eine Ausnahme des Geschäftsmodells gehalten, nicht für die Regel. "Aber wir sind zunehmend offener für Ausnahmen geworden", sagte Ballmer weiter.
Bei tragbaren Geräten werde sich in den nächsten Jahren sehr viel verändern, so der CEO. Es sei auf Dauer unpraktikabel, verschiedene Apparate zum Musikhören, Spielen, Fotografieren oder Kommunizieren zu nutzen. "Ein kleines, integriertes Gerät wird viele verschiedene Funktionen beherrschen. Wir werden bei dieser Entwicklung nicht an der Außenlinie stehen", sagte Ballmer.
Microsoft werde aber selbst nie einen PC bauen und in allen Bereichen auch weiterhin mit Hardware-Partnern kooperieren. Derzeit fertigt etwa das Unternehmen Creative aus Singapur das Multimedia-Gerät Zen, das mit Microsoft-Programmen läuft. Gemeinsam mit Intel
und Samsung
stellte Microsoft außerdem kürzlich einen tragbaren "Ultra Mobile PC" vor. Auch bei modernen Handys, den sogenannten Smartphones, oder bei tragbaren Computern (PDAs) werde sich Microsoft weiter auf erfahrene Hardware-Unternehmen verlassen, versicherte Ballmer. "Aber wir können das eine tun, ohne das andere zu lassen", fügte Ballmer hinzu.
Microsoft sei derzeit als einziges Unternehmen in der Lage, Apple Paroli zu bieten, begründete Ballmer seine Angriffspläne. "Andernfalls bleibt Apple ohne ernstzunehmende Mitbewerber. Und ich finde, jeder verdient ein wenig belebende Konkurrenz."
Auch gegen den weltgrößten Suchmaschinenbetreiber Google will Microsoft den Wettbewerb verschärfen. "Google ist zwar Marktführer, aber das Unternehmen braucht dringend einen guten Konkurrenten, bei bezahlten Anzeigen ebenso wie bei Suchfunktionen", sagte Ballmer. Bei der Internet-Suche liege noch enormes Potential brach. "In der Hälfte aller Fälle finden die Anwender nicht das, was sie gesucht haben. Wir sind bereit, hier zu investieren."
Aktien verlieren sechs Prozent an Wert
Der Versuch, neue Geschäftsfelder zu suchen, scheint angebracht. Die Geschäftszahlen des dritten Quartals fielen enttäuschend aus. Das Nettoergebnis sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 2,98 Milliarden Dollar oder 29 Cent pro Aktie gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Branchenexperten hatten im Durchschnitt mit einem Ergebnis von 33 Cent je Anteilsschein bei einem Umsatz von 11,04 Milliarden Dollar gerechnet.
Der Aktienkurs fiel nach den schlechten Nachrichten im nachbörslichen Handel um sechs Prozent. "Die Wall Street flippte aus, weil Microsoft eine Menge Geld für seine Dienstleistungen investiert", sagte Analyst Toan Tran von Morningstar. Die Ausgaben seien aber notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Das sahen die Anleger anders. Ausschlaggebend war sie offenbar, dass Microsoft die Erwartungen nicht erfüllte: Die Aktie fiel um 1,63 Dollar auf 25,62 Dollar im nachbörslichen Handel. An der Nasdaq hatte die Aktie zuletzt bei 27,25 Dollar notiert.
Für das Geschäftsjahr prognostizierte Microsoft einen Jahresgewinn zwischen 1,36 Dollar und 1,41 Dollar pro Aktie einschließlich der Wandelrechte. Der Umsatz werde bei 49,5 Milliarden bis 50,5 Milliarden Dollar liegen. Analysten waren im Schnitt lediglich von 1,32 Dollar bei 44,264 Milliarden Dollar Umsatz ausgegangen. Das Ergebnis werde voraussichtlich belastet sein von Investitionen für neue Produkte etwa aus der Windows-Sparte, für Software-Dienstleistungen und die Kosten für die beschleunigte Lieferung der neuen Spielekonsole Xbox 360, erklärte der Konzern. Zudem würden die Verkäufe von Personal- und Server-Computern langsamer wachsen.
ase/dpa-AFX/Reuters
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