Hamburg – Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, sagte heute auf der zentralen Kundgebung zum 1. Mai in Wolfsburg, die Koalition solle die Pläne für eine einseitige Belastung der Arbeitnehmer bei der Gesundheitsreform ebenso zurücknehmen wie die faktische Rentenkürzung durch längere Lebensarbeitszeiten oder die Abschaffung des Kündigungsschutzes in den ersten beiden Beschäftigungsjahren.
Den Managern warf er vor, nur auf die eigenen Einkommen bedacht zu sein. "Ihr Maß ist ihr eigenes Bankkonto und nicht die Menschenwürde", sagte Sommer nach DGB-Angaben. "Sie wollen uns mit der Angst um den Arbeitsplatz erpressen."
Sommer kritisierte die Verlagerungen von Betrieben in Länder mit niedrigeren Löhnen und warf den Unternehmen vor, "ohne Scham" und aus purer Profitgier das Lohngefälle in Europa auszunutzen. Explizit nannte er auch die im öffentlichen Dienst geplanten Arbeitszeitverlängerungen, die nach seiner Ansicht hunderttausende Stellen kosten könnten.
Sommer rief die Unternehmen auf, mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen und forderte von der Bundesregierung die Einführung eines Mindestlohns in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde. Zudem verlangte der DGB-Chef eine solidarische Gesundheitsreform ohne Kopfpauschale.
Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters warf den Arbeitgebern auf einer Mai-Kundgebung in München vor, soziale Errungenschaften in Frage zu stellen und sich ausschließlich an überzogenen Renditezielen zu orientieren. Die Arbeitnehmer sollten wieder in den Mittelpunkt des unternehmerischen und politischen Handelns rücken, forderte er. Auf der einen Seite gebe es bei manchen Unternehmen Rekordgewinne und Rekorddividenden, auf der anderen Seite aber Stilllegungen und Standortschließungen. "Der Mensch ist wichtiger als der Geldbeutel des Aktionärs."
Zu den Plänen der Regierung, das Renteneintrittsalter auf 67 anzuheben, sagte er: "Wir haben für fünf Millionen Menschen keine Arbeit, und die, die noch Arbeit haben, sollen länger arbeiten, damit die, die keine haben, auch keine Chance bekommen."
Die Kundgebungen zum 1. Mai stehen in diesem Jahr unter dem Motto: "Deine Würde ist unser Maß". Im Aufruf des DGB heißt es, immer mehr Menschen würden von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt. Menschen dürften nicht als Kostenfaktor behandelt werden, weder in der Wirtschaft noch in den sozialen Sicherungssystemen. "Verschämte Armut ist längst zur Kehrseite des unverschämten Reichtums geworden."
kaz/Reuters/AP/ddp
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