Berlin – Der Andrang in dem hell erleuchteten Gebäude mit seinen 80 Geschäften war so groß, das es kurz vor Mitternacht zeitweise abgesperrt werden musste.
Kanzlerin Merkel und Bahnchef Hartmut Mehdorn hatten das Bauwerk nach über zehn Jahren Bauzeit am frühen Abend offiziell eröffnet. Zuvor hatte der Vizepräsident der EU-Kommission, Günter Verheugen erklärt, die Bundesrepublik müsse "nicht mit rotem Licht rechnen", wenn sie die Bahn als integrierten Konzern, also unter Einschluss ihres Netzes, privatisieren wolle. Bundeskanzlerin Angela Merkel vermied zwar eine direkte Stellungnahme in diese Richtung, griff aber Verheugens Worte auf und erklärte, dass die Privatisierung "nicht nur kommen sollte, sondern kommen muss". Sie unterstütze den Bahnvorstand in dem Bemühen, eine bedeutende Rolle als weltweit operierender Logistikkonzern zu spielen. "Der Reformprozess muss weiter gehen", sagte die Regierungschefin vor rund 1.000 geladenen Gästen. Sie unterstrich, dass die Bundesregierung auf den Verkehrsträger Schiene setze. Der gläserne Bau im Regierungsviertel stehe "für ein modernes, aufgeschlossenes und weltoffenes Land."
Bahnchef Hartmut Mehdorn erklärte, die Bahn könne sich gut vorstellen, "eines Tages mit unserer Konzernzentrale hier zu leben". Er nannte die Eröffnung des Schienenverkehrskreuzes einen "Quantensprung für Mobilität". Zugleich wehrte sich Mehdorn gegen den Vorwurf, der Bahnhof sei zu groß gebaut worden.
Bei dem Festakt kam es in einem entscheidenden Moment zu einer Panne: Genau um 19.14 Uhr, als Moderator Cherno Jobatey die Prominenten zum gemeinsamen Druck auf einen roten Knopf zur Bahnhofseröffnung aufforderte, fielen Ton und Bild aus. Erst nach sechs Minuten gelang es, die Anlage wieder in Betrieb zu setzen.
Abgeschlossen wurde die Bahnhofseröffnung am späten Abend mit einer knapp einstündigen Lichtshow - ohne Pannen. Trotz regnerischen Wetters hatten sich zwischen Kanzleramt und Bahnhof rund eine halbe Million Menschen eingefunden, die eine Illumination aus Feuerwerk, riesigen Scheinwerfern und Bildschirmen sahen, mit der Gebäude und Umgebung in alle Farben getaucht wurden. Zusätzlich zu stationären Lichteffekten bewegten sich zwei Züge voller starker Scheinwerfer auf der Stadtbahnstrecke durch den Bahnhof auf das Gebäude zu.
Die ersten regulären Regional- und Fernzüge fahren ab (dem morgigen) Sonntag. Dann geht unter dem Hauptbahnhof auch die neue Nord-Süd-Verbindung ans Netz, die in einem 3,4 Kilometer langen Tunnel die Mitte Berlins unterquert. Im Hauptbahnhof halten künftig täglich rund 1.100 S-Bahnen, Regional- und Fernzüge. Auf drei Etagen und 15.000 Quadratmetern Fläche bieten 80 Geschäfte ein umfangreiches Einkaufs- und Gastronomieangebot.
Mit der Inbetriebnahme der Nord-Süd-Verbindung, des Hauptbahnhofs, der Fernbahnhöfe Südkreuz und Gesundbrunnen sowie den drei Regionalbahnhöfen Potsdamer Platz, Lichterfelde Ost und Jungfernheide schließt die Bahn eines der größten Bauprojekte in der deutschen Eisenbahngeschichte ab, das insgesamt zehn Milliarden Euro gekostet hat. Parallel geht die Strecke Leipzig-Berlin mit Tempo 200 in Betrieb. Die schnellsten Züge fahren dann nur noch eine Stunde zwischen den beiden Städten, die Reisezeit verkürzt sich um 50 Minuten. Im Regionalverkehr gibt es Zeitgewinne bis 40 Prozent.
reh/AP/dpa
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Ganz abgehoben oder bereichert seine Architektur die Hauptstadt?[/QUOTE] Nicht nur der Hauptbahnhof, auch der Potsdamer Platz und nun noch die Kantstraße zeugen von einem Gigantismus und einem schlechten Geschmack, der [...] mehr...
der absolute wahnsinn. ab und zu kommen auch züge. danke, sie können wegen verblödung dieses thema schließen mehr...
Ich kenne keinen Bahnhof, auf dem man Durchsagen so schlecht verstehen kann. Entweder schwatzen mehrere der offenbar automatisierten Durchsagen durcheinander oder es quietscht oder rapelt ein Zug dazu. Einmal wurde ein Zug auf ein [...] mehr...
Wo genau hätten Sie ihn denn hingebaut? Und ist er Ihnen nun zu groß oder zu klein? mehr...
Ich stimme Ihnen voll zu - wie viele Berliner. Der "unvollendete" und tatsächlich im Nichts gelegene. Eine katastrophale Fehlleistung von der Lage und Größe. mehr...
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