Von Dinah Deckstein
München - Das Kürzel "Ufo" wird gemeinhin mit "Unbekanntes Flugobjekt" übersetzt - und beschreibt rätselhafte Objekte, die überraschend am Himmel auftauchen und dem Betrachter nicht selten Furcht einflößen. Dass es in Deutschland auch eine Gewerkschaft gibt, die sich so nennt und Branchenkenner erschauern lässt, die Unabhängige Flugbegleiter Organisation, wussten bislang nur Insider. Doch das könnte sich bald ändern.
In der kleinen Berufsvereinigung, die sich 1992 von den Vorläuferorganisationen der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di abspaltete und heute rund 8000 Bordangestellte bei 32 Fluggesellschaften vertritt, tobt ein erbitterter Kampf um Posten, Pfründe und Positionen, der in diesen Tagen auf seinen vorläufigen Höhepunkt zusteuert.
Ufo-Chef Mirko Vorwerk, so der Vorwurf seiner Gegner, soll sich 2003 mit fragwürdigen Wahl-Tricks an die Spitze geputscht haben. Vorwerk selbst, der im Hauptberuf Kabinen-Vorarbeiter bei der Lufthansa
ist, bestreitet das. Einen ersten Teilsieg errangen Vorwerks Kritiker nach heftigen juristischen Scharmützeln, als auch das Landgericht Darmstadt und die nächsthöhere Instanz die Wahlen in den Folgejahren für rechtswidrig erklärten.
Am 8. Juni soll sich nun entscheiden, wer künftig die größte unabhängige Stewardessengewerkschaft in Deutschland steuert. Dann treffen sich die Ufo-Mitglieder in der Stadthalle von Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt am Main, um nach fast drei Jahren endlich einen neuen, handlungsfähigen Vorstand zu wählen.
Begehrter Posten im Lufthansa-Aufsichtsrat
Doch ob es dazu überhaupt kommt, ist neuerdings wieder fraglich. Weil Vorwerk vorab versuchte, vier Schlüsselpositionen im Vorstand für Getreue zu reservieren, wollen die Ufo-Rebellen das Ergebnis des bevorstehenden Urnengangs erneut anfechten. Eine Gruppe von ehemaligen Vertrauten des Ufo-Chefs, die sich von ihrem Vormann inzwischen abgesetzt haben und ebenfalls auf einer gegnerischen Liste kandidieren, wollen sogar eine einstweilige Verfügung erwirken und erreichen, dass die Mitgliederversammlung im letzten Moment abgesagt wird.
Hält die Schlammschlacht bei Ufo weiter an, riskiert die Organisation nicht nur ihr Renommee bei den Unternehmen, mit denen sie für ihre Schutzbefohlenen Tarifverträge abschließt. Einige von ihnen weigern sich schon jetzt, mit dem alten Ufo-Vorstand überhaupt noch zu verhandeln und erwägen, von ihm unterschriebene Abkommen nachträglich zu annullieren.
Auch die Zahl der Mitglieder dürfte steil abstürzen, nachdem bereits in den vergangenen Monaten mehrere hundert Ufo-Angehörige ihr Gewerkschaftsbuch aus Protest empört zurückgaben.
Fraglich ist auch, wie lange die Lufthansa, die einen Großteil der Ufo-Mitglieder beschäftigt, noch zu Vorwerk hält. Der umstrittene Ufo-Chef sitzt zusammen mit einer seiner letzten verbliebenen Getreuen im Aufsichtsrat des Konzerns - gemeinsam mit prominenten Wirtschaftsführern wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und dem Allianz-Vorstandsvorsitzenden Michael Diekmann.
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