Von Sebastian Knauer
Hamburg - Eine runde Plastikverpackung, bedruckt mit jubelnden Fußball-Fans - so sieht die neue Getränkeverpackung aus, die McDonald's zusammen mit Coca-Cola entwickelte. Millionen solcher Cola-Kugeln sollen als "limitierte Auflage" zum Sammeln in den fast 1300 McDonald"s Filialen als Teil eines "WM-Menüs" bis zum Abpfiff über den Ladentisch gehen. Die Kugeln sind für den kleinen Durst entworfen und fassen einen Viertel Liter der braunen Brause.
Der dünnwandige Cola-Fußball trägt zwar den kleingedruckten Hinweis "Mehrwegflasche". Allerdings wird für das offensichtlich auf die Weltmeisterschaft ausgerichtete Einwegprodukt nicht das gesetzlich vorgesehene Pfand erhoben. Auch eine geordnete Rücknahme und Verwertung der kugeligen Getränkeverpackungen ist nach Recherchen des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels bisher nicht gewährleistet, ebensowenig wurde eine Abgabe an das Duale System mit dem Grünen Punkt vereinbart.
"Das ist eine raffinierte Verbrauchertäuschung", urteilt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), "Ex-und-Hopp-Behälter sollen als umweltfreundliche Mehrwegflaschen getarnt verkauft werden." Auch für Günther Guder, Vorstand des Deutschen Getränkefachgroßhandels, der die Einführung eines gesetzlichen Pfandes auf Einwegverpackungen unterstütze, handelt sich um "einen klaren Rechtsverstoß." Guder fürchtet, dass die WM-Kugel Pilotmodell für andere Einweg-Produkte sein könnte: "Dann bietet demnächst Aldi oder Lidl Sammlerkollektionen ohne Pfandverpflichtung an."
"Der Verkauf muss eingestellt werden"
In den Berliner Büroräumen der Deutschen Umwelthilfe am Hackeschen Markt herrschte deshalb heute Hochspannung. Bis zum Nachmittag hatte der klageberechtigte Verbraucherschutzverband dem Fast-Food-Konzern McDonald's mit Sitz in München eine Frist gesetzt, um eine "Unterlassungserklärung" zu unterschreiben. Darin sollte sich McDonald's verpflichten, die strittigen Kugeln nicht weiter zu vertreiben – ansonsten würde der Streit gerichtlich ausgetragen werden, drohten die Umweltschützer.
Vor dem Landgericht in München will die DUH gegen die McDonald's-Deutschlandzentrale Klage einreichen, falls es nicht doch noch zu einer Einigung kommt. "Der Verkauf in Deutschland muss vollständig eingestellt werden", fordert Resch.
Die geforderte Unterlassungserklärung des Konzerns blieb, wie zu erwarten, zu dem gesetzten Termin aus. Allerdings verhandeln die Rechtsexperten der Streithähne gerade eine Vereinbarung, um die bereits laufende Werbung aufzuhalten oder den Verkauf der Kugeln vielleicht sogar ganz zu stoppen – ein Etappensieg für die hartnäckigen Verbraucherschützer.
Bundesumweltminister ist empört
"Wir haben alle Argumente auf unserer Seite bei einer Klage Erfolg zu haben," hofft auch Guder. Mehrere Getränkeunternehmen wollen aus "wettbewerbsrechtlichen Gründen" gegen einzelne Franchise-Partner von McDonald's in Köln und Berlin klagen. McDonald's verweist allerdings weiterhin darauf, dass die Getränkebehälter durchaus "Mehrwegverpackungen" seien. In eigenen "Sammelbehältnissen" werde die Cola-Kugel als Teil eines McDonald's-Menüs in den Filialen eingesammelt und umweltgerecht verwertet. Zudem habe der Hersteller Coca-Cola versichert, dass in den Produktionsanlagen in Genshagen bei Berlin die Plastikverpackung recycelt werden könne.
Das wird im Berliner Bundesumweltministerium (BMU) offenbar anders gesehen. Nach dem Gesetzestext muss eine Mehrwegverpackung "geeignet" und klar "bestimmt" sein um von der Erhebung eines Zwangspfandes ausgenommen zu werden. Dazu gehöre eine nachweisbare "Transportlogistik" sowie die geeigneten Anlagen zum "Spülen und Wiederbefüllen" der Behältnisse. Für die WM-Kugel des Konzerns aus der US-Metropole Atlanta vermissen die Fachexperten im BMU die Erfüllung dieser strikten Kriterien. Für einen Sprecher von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ist es "völlig absurd", die Getränkekugel für die Fan-Gemeinde der WM als Mehrwegprodukt zu deklarieren.
In einer Deklaration "Green Goal", die noch von dem damaligen Exekutivdirektor des Uno-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, unterstützt wurde, hatten sich die Organisatoren der Fußball-WM auf besonders "umweltfreundliche Spiele" verpflichtet. McDonald's sowie Coca Cola gehören zu den größten Sponsoren des Großereignisses.
Auch wenn Gabriel nichts mehr fürchtet, als eine neue Debatte um Einweg-Dosen oder jetzt Einweg-Kugeln, die jahrelang seinen Vorgänger Jürgen Trittin beschäftigte, ist er offenbar nicht gewillt den Vorstoß zum kugeligen Einweg hinzunehmen. Intern wird offenbar bereits an einem Briefentwurf an die Konzerne gearbeitet. Eile ist geboten: nach Angaben von McDonald"s sollen täglich 300.000 Stück der umstrittenen Cola-Kugeln verkauft werden.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH