Hamburg - Schon am 1. Juli könnte es soweit sein. Dann würden die TK und die Gmünder Ersatzkasse ihre Beiträge voraussichtlich um 0,3 Prozentpunkte anheben, schreibt die "Bild am Sonntag". Eine endgültige Entscheidung falle nach dem 20. Juni, berichtete das Blatt unter Berufung auf Vorstandskreise beider Kassen. Damit würde der Beitrag bei beiden Kassen von 12,8 auf dann 13,1 Prozent steigen.
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) bereiteten derweil für den Herbst Erhöhungen vor, heißt es in dem Bericht. Ein AOK-Sprecher sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag" indes, man sei "zuversichtlich", die Sätze stabil halten zu können. Deutschlands größte Krankenkasse, die Barmer, schloss Beitragserhöhungen aus - aber nur für dieses Jahr. Auch die Betriebskrankenkassen wollen ihre Sätze laut "Berliner Zeitung" in diesem Jahr "weitgehend" stabil halten.
Der Vorstandschef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Rudolf Hauke, prophezeit unterdessen, die Sätze könnten zu Beginn des kommenden Jahres im Schnitt bis auf 13,8 Prozent steigen. Er begründete den Anstieg mit "milliardenschweren Belastungen", die auf die Krankenkassen zukämen. Er nannte hierbei die geplante Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent zum kommenden Jahr, aber auch die teilweise gestrichenen Bundeszuschüsse.
Ministerium: Wir steuern gegen, irgendwie
Auch die "Berliner Zeitung" berichtete, die Beiträge drohten um durchschnittlich 0,3 bis 0,5 Prozent zu steigen. Die Zusatzkosten für die Kassen beliefen sich auf bis zu acht Milliarden Euro. Dies entspreche sogar Beitragserhöhungen von bis zu 0,8 Prozentpunkten.
Das Bundesgesundheitsministerium schließt zwar einzelne Erhöhungen nicht aus. Es beurteilt die Lage aber nach Angaben einer Sprecherin "nicht so dramatisch" wie die Kassen. Es sei zwar richtig, dass einige Kassen Probleme hätten. Die Hälfte des Bundeszuschusses werde aber erst in der Wende vom Mai zu Juni gezahlt und sei daher noch nicht eingerechnet. Der Regierung sei sich allerdings darüber im Klaren, dass durch die Mehrwertsteuererhöhung "ein finanzieller Druck entsteht". Sie wolle ihr Möglichstes tun, um gegenzusteuern.
Der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr plädierte vor diesem Hintergrund für eine Finanzreform der Kassen. "Die hohen Beiträge vernichten Arbeitsplätze", sagte er. Notwendig sei deshalb eine Finanzreform, die die Arbeitgeberbeiträge festschreibe und damit die Lohnzusatzkosten senke.
itz/ddp/AFP/AP
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