Wirtschaft



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22.06.2006
 

Wohnungsmarkt in Dubai

"Zimmer an nicht-kochenden Single-Manager zu vermieten"

Von Claudia Roese, Dubai

Wer dachte, die Mieten in Paris oder London seien absurd, kennt Dubai nicht - für 2000 Euro bekommt man hier als Westler nur eine Zwei-Zimmer-Bude. Oft haben Vermieter auch noch seltsame Extra-Wünsche. Teil eins einer Kolumne mit Impressionen aus dem Boom-Emirat.

Bis zum Herbst bin ich noch in Dubai - wie wäre es wohl, wenn ich hierbleiben würde? Wo könnte ich wohnen? Spaßeshalber blättere ich die umfangreichen Wohnungsanzeigen in der Tageszeitung "Gulf News" durch. Sie machen fast ein Drittel ihres Umfangs aus. Es gibt viel zu vermieten und viel zu verkaufen in Dubai.

Die Annoncen sind zum Teil absurd konkret formuliert: "1 room available for vegetarian, non-cooking, non-smoking, non-drinking, executive bachelors" lese ich da. Oder "1 room for 2 or 3 Filipino working ladies only".

Die Formulierungen sind, je nach Wohngegend, oft praktisch identisch, die Mieten auch. Von einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis kann fast nie die Rede sein. Auch eine wirklich freie Wahl des Wohnortes gibt es nicht - die Wohnungssuchen werden nach Herkunft und Einkommen ghettoisiert.

Variante 1: Der Suchende ist ein Westeuropäer oder Amerikaner und gehört mindestens der mittleren Management-Ebene an - dann zählt er zur angesehenen Gruppe der expats. Als solcher lebt man in einem der sauberen Neubaugebiete.

Die Expat-Mieter dürfen sich zum Beispiel die idyllische Strandgegend Jumeirah mit den arabischen Einheimischen teilen. Die Monatsmiete für ein Haus mit vier oder fünf Zimmern liegt hier bei rund 4500 Euro. Für knapp 2000 Euro kann man in einer schmal geschnittenen Zwei-Zimmer-Wohnung in der Dubai Marina unterkommen. Ohne Mietzuschüsse vom Arbeitgeber geht da gar nichts.

Möchte man dieser monatlichen Geldverschwendung entgehen, kann man auch ein Apartment kaufen. Dafür kommen die Hochhäuser der Dubai Marina oder Gegenden wie Emirates Hills oder Arabian Ranches in Frage. Die Neubaugebiete dort strecken sich schier endlos hin - in ihrer Gleichheit erinnern sie mich an Darstellungen in dem Roman "Brave New World" von Aldous Huxley.

Die Kaufpreise liegen hier zwischen 100.000 Euro für ein Ein-Zimmer-Apartment, einer halben Million für ein Drei-Zimmer-Haus und vier Millionen für eine exklusive Villa. Leider sichert eine solche Investition nicht langfristig die Zukunft der Familie – Besitzanspruch und Eigentum verfallen nach 99 Jahren. Immerhin: Im April wurde ein Gesetz erlassen, das den Expats erstmals erlaubt, für diesen Zeitraum nicht nur das Gebäude, sondern auch das dazugehörige Grundstück zu kaufen.

Variante 2: Der Wohnungssuchende ist Inder, Pakistaner oder Philippiner. Für die wenigen Gutverdiener unter ihnen wurde eigens eine Wohngegend nahe dem Industriegebiet gebaut, mit vielen hübschen, kleinen Häusern - für Mietpreise von circa 2500 Euro.

Das Problem: Das Durchschnittseinkommen liegt bei rund 800 Euro im Monat. So sind rund um den alten Hafen und das Industriegebiet alternative Wohnviertel mit erschwinglicheren Preisen entstanden. Schrille Leuchtreklamen mit den absonderlichsten Farbkombinationen und riesige Menschenmengen prägen das Straßenbild. Hier ist immer was los. Vor den Wohnungen hängt überall trocknende Wäsche.

In diesen Vierteln reichen die Optionen von Zwei-Mann-Zimmern (400 Euro Miete pro Person) bis hin zu den schlichten bed spaces - sie kosten rund 200 Euro pro Monat und gehören zu den häufigsten Wohnformen. Meist steht das Bett in einem Raum mit neun weiteren Bewohnern.

Da können diejenigen froh sein, deren Arbeitgeber ein reguläres labour camp anmietet, um ihr Personal unterzubringen. Die Hotelkette Hilton beherbergt so ihre Service-Kräfte. Angebote für entsprechende Massen-Lager werden ebenfalls in der Tageszeitung inseriert.

Variante 3: Der Interessent ist Araber und darf mieten und kaufen, wonach ihm der Sinn steht. Auch für diese privilegierte Gruppe – sie ist in Dubai längst in der Minderheit - sind die Preise vielfach bis ins Unerschwingliche gestiegen.

Allein den letzten Monaten sind die Kaufpreise in Dubai um 150 Prozent geklettert. Die Mieten sind so hoch, dass viele nun in die umliegenden Emirate wie Sharjah umziehen. Doch auch dort legen die Preise mächtig zu. Viele Menschen sind darauf angewiesen, Untermieter aufzunehmen.

Recht preisgünstig sind da Zwei-Zimmer-Apartments für 400.000 Euro – oder eine Fünf-Zimmer-Villa auf den "drei Palmen". Die Insel Deutschland in dem Großprojekt "The World" ist auch noch zu haben - für schlappe 33 Millionen Euro. Wer kann da widerstehen?

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