Wirtschaft



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17.07.2006
 

Verkehr in Dubai

Der Stau beginnt im Hochhaus-Lift

In einer Boomtown wie Dubai, wo an allen Enden und Ecken gebaut wird, kann der alltägliche Weg zur Arbeit eine Tortur werden. Claudia Roese hat die Mutprobe auf der Stadt-Autobahn gewagt.

Da habe ich also endlos Mietangebote gewälzt, erschrocken auf die Kosten geblickt, Kompromisse gemacht - und endlich ein Quartier in Dubai gefunden. Schon stehe ich vor dem nächsten Problem: dem Weg zur Arbeit. In einer Stadt wie Dubai kann der zum erstaunlich schwierigen Unterfangen werden.

Mit Ankunft auf einer der drei- bis sechsspurigen Autobahnen, die mitten durch die Stadt führen, beginnt der alltägliche Kampf darum, einen Blechschaden oder Schlimmeres zu vermeiden. Überholt wird hier von allen Seiten. Das chaotische Gedränge lässt vermuten, die Fahrer hielten das Ganze für ein Computerspiel: Wer die meisten Lücken findet und es schafft, seinen Wagen hineinzumanövrieren, hat gewonnen.

Man sagt, Dubai habe das weltweit beste Straßennetz - aber die denkbar schlechtesten Autofahrer.

Auf der Autobahn kommt neben mir ein Wagen mit einem winzigen indischen Fahrer zum Stehen. Mit Mühe lugt er über das Armaturenbrett. Ich kenne den Mann - er gehört zu einer Gruppe von Gastarbeitern hier, die zu acht Geld zusammengelegt haben für den Führerschein und einen gebrauchten Kleinwagen. Dann haben sie den Geschicktesten ausgewählt für das tägliche Wagnis im Verkehr. Nun also chauffiert der kleine Mann am Lenkrad seine sieben Freunde täglich in einem Fünf-Personen-Gefährt zur Arbeit.

Als Neuankömmling mag man sich fragen: Warum gehen die Pendler nicht zu Fuß, kaufen sich Fahrräder? Es gibt keine Wege dafür - und es ist zu heiß. Warum benutzen sie nicht die Busse? Davon fahren zu wenige, sie sind schlecht klimatisiert und brechend voll. Mit dem Zug? Es gibt keinen. Mit der Metro? Es gibt keine!

Ohne Auto ist man in Dubai also aufgeschmissen - mit Auto erst recht.

Die Verkehrsverhältnisse sind katastrophal, schon jetzt. Wie soll es nur werden, wenn alle Bauprojekte abgeschlossen, alle Mieter und Eigentümer eingezogen sind, die Einwohnerzahl sich verdoppelt hat? Wohngebäude für 1,5 Millionen weitere Menschen schießen empor. Allein auf der künstlichen Inselwelt der Palme Deira sollen einmal 400.000 Menschen wohnen - wie aber sollen sie alle am Morgen über den Palmenstamm aufs Festland gelangen?

Bauprojekt Burj Dubai (Werbegrafik): Stau schon in der Tiefgarage?
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AFP

Bauprojekt Burj Dubai (Werbegrafik): Stau schon in der Tiefgarage?

Oder man stelle sich den Burj Dubai vor - mit 111 Etagen und 708 Metern wird er bei Fertigstellung wohl das höchste Gebäude der Welt sein. Ein Drei-Zimmer-Apartment im 91. Stock kostet so viel wie zehn Einfamilien-Häuser an der mecklenburgischen Seenplatte. Doch auch die Begüterten, die hier einziehen, müssen irgendwann ins Büro - vorzugsweise pünktlich, sagen wir um acht Uhr, eine gängige Zeit für den Arbeitsbeginn.

Der tägliche Stop-and-Go-Verkehr beginnt dann schon im Wolkenkratzer: 5000 Nachbarn brechen fast gleichzeitig auf in die achtstöckige Tiefgarage. Der Lift hält in jeder Etage. Nach dem halbstündigen Stau im düsteren Parkhaus freut man sich - endlich! - sogar auf die Autobahn.

Auch die Regierungsbeamten erkennen die Probleme. Wenn die derzeit entstehenden Wohnparadiese fertiggestellt sind, dürfen vorerst keine weiteren Immobilien entstehen. Jedenfalls so lange nicht, bis die Infrastruktur nachgerüstet worden ist. Eine Zuglinie befindet sich in Planung. Am Metrosystem wird gearbeitet. Aber eine U-Bahn in der Wüste - ist das nicht seltsam?

Der kleine indische Fahrer mit den sieben Freunden ist jetzt nach stundenlanger Fahrt selbst an seinem Arbeitsplatz angelangt. Er ist bei einer deutschen Familie der Gärtner. Diese Profession hat er bei der Einreise angegeben - wirklich gelernt hat er sie nicht. Erst die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass Rasen verbrennt, wenn er in der Mittagssonne gesprenkelt wird.

Das ist auch gut so - seitdem ist er für diese Zeit zum Dösen an der Straßenecke mit seinen Kumpels von nebenan verabredet.

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