Düsseldorf - E-Plus hat ehrgeizige Ziele. Mehr Wachstum soll der Konzern künftig generieren, so lautet die Ansage des neues E-Plus-Chefs: mehr als in den vergangenen Quartalen und mehr als im Branchenschnitt erreicht wird. "Wir wollen immer vorne mit dabei sein", erklärte Krammer der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Helfen soll ihm dabei die Einführung des neuen Tarifs "CleverOne", mit dem die KPN-Tochter ihre Kernmarke E-Plus stärken will.
"CleverOne" bestehe aus drei Varianten, die sich in den Mindestumsätzen und Minutenpreisen unterscheiden. Die neuen Angebote kosten nach Angaben Krammers 15, 25 beziehungsweise 45 Euro pro Monat - und können "vollständig abtelefoniert" werden. Gespräche zu anderen E-Plus-Kunden kosten generell einen Cent pro Minute. Unterschiede gibt es je nach gewähltem Mindestumsatz aber in den anderen Preisen. SMS müssen außerdem extra bezahlt werden.
Auch der Mobilfunkbetreiber O2 will im weiteren Jahresverlauf den Druck auf seine Wettbewerber erhöhen. "Wir werden mit einer Tarifoffensive in den Markt gehen", sagte Rudi Gröger, Chef von O2 Deutschland, in München. Im ersten Halbjahr war die Umsatzentwicklung mit plus 7,8 Prozent hinter der Prognose zurückgeblieben.
Die Mobilfunk-Anbieter sind wegen der zunehmenden Marktsättigung und hitzigen Preisschlachten stark unter Druck geraten. Nach den Preisnachlässen der vergangenen Monate rechnet E-Plus-Chef Krammer für das laufende Jahr für die Branche aber nicht mehr mit einem deutlichen Rückgang. "Die Terminierungsentgelte lassen einen massiven Preisrückgang nicht zu", sagte er. Diese Entgelte erhalten die Anbieter für Anrufe in ihr Handy-Netz und stellen mit rund zwölf Cent pro Minute eine wichtige Einnahmequelle dar. Ab dem kommenden Jahr werden die Terminierungsentgelte voraussichtlich von der Bundesnetzagentur per Verfügung gesenkt.
Spekulationen über einen massiven Stellenabbau bei E-Plus wies Krammer zurück, aber er schloss den Wegfall einiger weniger Stellen nicht aus. "Es gibt aktuell keine Dinge, die dazu zu sagen sind." Allerdings sei die Analyse dazu noch nicht abgeschlossen. In Medienberichten war über den Wegfall von bis zu 1400 Arbeitsplätzen spekuliert worden. E-Plus ist mit 11,4 Millionen Kunden und 3000 Mitarbeiter der drittgrößte Mobilfunkanbieter Deutschlands nach T-Mobile und Vodafone. An vierter Stelle rangiert O2. In den vergangenen vier Quartalen gewann E-Plus durchschnittlich 450.000 Kunden pro Jahresviertel, wobei die Tendenz zuletzt stark steigend war.
Bei den kräftigen Kundenzuwächsen halfen vor allem die Ableger Simyo, Base und Aldi Talk, mit denen die Gesellschaft den Preisrutsch bei den Handy-Gebühren einleitete. Alleine im vergangenen Jahr sackten diese um durchschnittlich zwölf Prozent ab. Zur Entwicklung der Monate April bis Juni will sich die Gesellschaft in der kommenden Woche bei der Vorlage der KPN-Zahlen äußern.
Mehr Wachstum, weniger Marge
Gröger hatte für O2 ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich für das Gesamtjahr in Aussicht gestellt. An dieser Prognose halte die Gesellschaft weiter fest, sagte er. Um die Wachstumsgeschwindigkeit zu erhöhen, ist Gröger nun zu Abschlägen bei der operativen Marge (Ebitda) bereit. Diese lag im ersten Quartal mit 25 Prozent um rund ein Viertel über dem Vorjahreswert.
Große Hoffnungen setzt die Deutschland-Tochter der spanischen Telefonica auch in ein neues Kombi-Angebot von Mobilfunk und schnellem Internet (DSL), das im Herbst an den Start gehen soll. Zwar sei noch unsicher, wie viele Kunden bis zum Jahresende dadurch gewonnen werden könnten. Für 2007 hat Gröger bis zu 120.000 neue Nutzer im Visier.
Die Zahl der O2-Mobilfunkkunden wuchs im vergangenen Quartal um 236.000 Neukunden auf 10,33 Millionen. Dies bedeute ein Wachstum von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagte Gröger. Der gesamte Mobilfunkmarkt wuchs im selben Zeitraum laut O2 um zehn Prozent. Mit dem Vermarktungsstart der mobilen Festnetzanschlüsse von T-Mobile und Vodafone hat das O2-Produkt Genion starke Konkurrenz erhalten.
Mit einem auf das Jahr hochgerechneten durchschnittlichen Umsatz pro Kunde von 308 Euro büßte auch O2 im Vergleich zum ersten Quartal (320 Euro) ein. "Wir liegen damit aber immer noch deutlich über dem Markt", betonte Gröger.
ase/dpa-AFX/ddp
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