Wolfsburg/Hamburg – Volkswagen
habe erste Schadenersatzansprüche an beschuldigte Mitarbeiter "erfolgreich geltend gemacht", sagte ein Sprecher des Konzerns am Samstag. Um welche Summen es sich genau handele, könne noch nicht gesagt werden. Es sei noch nicht abzusehen, welcher Schaden angerichtet wurde. Dies müssten die laufenden Ermittlungen ergeben. Zuvor hatte der SPIEGEL berichtet, VW bestehe auf der Rückzahlung des Schmiergeldes. Der Konzern geht davon aus, dass die entsprechenden Aufträge der Lieferanten um mindestens diese Summe billiger hätten ausfallen können.
In der Korruptionsaffäre in der deutschen Automobilwirtschaft ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits gegen elf Zulieferer, darunter das französische Unternehmen Faurecia, und mindestens drei Hersteller. Bei den Autokonzernen, an die die Schmiergelder geflossen sind, handelt es sich um Volkswagen, Audi
Der in Schmiergeldskandal verwickelte Ex-VW-Bereichsleiter W. hat offenbar deutlich mehr Geld von Zulieferern kassiert als bislang bekannt, wie der SPIEGEL erfuhr. Er soll nicht nur 539.000 Euro erhalten haben, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mittlerweile bestätigte, sondern über 800.000 Euro. Der pensionierte VW.Einkäufer soll den Ermittlungen zufolge nicht nur von Faurecia Zuwendungen erhalten haben, sondern auch von anderen Unternehmen. Sie hätten das Geld teilweise über Briefkastenfirmen und Konten in der Schweiz transferiert.
Ein Teil der Zahlungen sei allerdings strafrechtlich nicht mehr relevant, weil sie länger als fünf Jahre zurückliegen und damit verjährt sind. Auf den pensionierten Bereichsleiter und andere Mitarbeiter des VW-Konzerns kommen Zahlungsforderungen des Unternehmens zu, falls sich der Verdacht gegen sie bestätigen sollte.
In der Korruptionsaffäre ist unterdessen laut "Focus" auch ein hochrangiger Einkäufer von Seat im Visier der Staatsanwaltschaft. Er solle Schmiergeld von Faurecia kassiert haben. Die Staatsanwaltschaft hatte bislang offen gelassen, ob außer VW, Audi und BMW noch weitere Autokonzerne betroffen sind. Ein VW-Sprecher wollte diesen Bericht nicht bestätigen.
Durchsuchung bei AKT / Chefs: "Wir haben nichts zu befürchten"
Im Zusammenhang mit der Affäre ist nach einem Bericht der "Magdeburger Volksstimme" auch das Unternehmen Altmärker Kunststoff-Technik (AKT) ins Visier der Ermittler geraten. Der Betrieb könnte einer der elf Zulieferer sein, gegen die ermittelt wird. Beamte des Bundeskriminalamtes hätten den Betrieb in Gardelegen durchsucht, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die leitende Ermittlerin bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Sibylle Gottwald. Sie habe einen Anfangsverdacht bestätigt.
Die AKT-Leitung bestritt den Angaben zufolge eine Verwicklung in die Affäre. Einer der beiden Hauptgesellschafter, Aloys Burwinkel, beteuerte in dem Blatt die Unschuld von AKT. Das Unternehmen habe "niemals einen Euro bezahlt". Die Ermittler hätten Unterlagen und Werbegeschenke beschlagnahmt.
AKT ist laut Zeitung mit rund 1300 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region. Er hat zudem Standorte in Spanien, Tschechien, Mexiko, im sächsischen Doberschau und in Augsburg. Der Umsatz liegt bei 175 Millionen Euro.
"Wir haben nicht zu verbergen", sagte Burwinkel der "Volksstimme". Einer der beiden Geschäftsführer, Jürgen Ziegelski, äußerte die Vermutung, dass die Aktion mit einem Einkäufer zu tun habe, der bereits in Haft sitze. Die AKT gehöre zu dessen Großkunden. "Wir haben nichts zu befürchten, das belastet uns in keinster Weise", sagte Ziegelski.
itz/AFP/dpa
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