Wirtschaft



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02.08.2006
 

Pomp à la Dubai

Sucht nach Luxus

Ein Fischrestaurant unter dem Meeresspiegel, eine Skipiste in der Shopping Mall: Prunk-Projekte für Geschäftsleute und Touristen gibt es in Dubai so dicht gedrängt wie wohl sonst nirgendwo. Claudia Roese hat sich den Luxus in Einkaufszentren und dem Hotel Burj al Arab angesehen.

Dubai ist nicht nur Pomp und Reichtum, gerade in den Vierteln der Gastarbeiter teilen sich oft zehn Menschen einen einzigen Raum. Doch bei aller Skepsis ist es leicht, sich vom Glanz, vom Luxus und der Höflichkeit der Bediensteten in Hotels und Malls gefangen nehmen zu lassen. Und so sage ich natürlich zu, als ich die Chance bekomme, an einer der seltenen Führungen durch das Burj al Arab teilzunehmen.

Das berühmte, selbst ernannte "Sieben-Sterne-Hotel" prägt Stadtbild und Lebensgefühl in Dubai. Von vielen Punkten der Stadt aus sichtbar, ragt seine weiße Teflon-Verkleidung, in der Form dem Segel traditioneller arabischer Holzschiffe nachempfunden, 321 Meter in den Himmel. Oft sehe ich Einheimische mit ehrfürchtigem Ausdruck auf den Turm blicken - er steht für ein neues arabisches Selbstverständnis, für ein "Hier sind wir. Und wir haben der Welt noch einiges zu bieten."

Schon beim Eintritt in das Hotelfoyer fühle ich mich in eine Traumwelt aus Farben, Formen und Mustern versetzt. Ein Springbrunnen schießt seine Fontänen 60 Meter hoch in die Sphären des Foyers - ist aber so exakt eingestellt, dass niemand nass wird. Es ist ein riesiger Innenraum, um den die Zimmer der Gäste swabenförmig arrangiert sind. Sie wachsen auf einen Fixpunkt an der Spitze zu: die beiden Royal Suites. "Die New Yorker Freiheitsstatue York könnte Platz im Eingangsbereich finden", sagt der Butler im akzentfreien Deutsch, als er auf uns zutritt.

Auf einer der symmetrisch angeordneten Rolltreppen fahren wir nach oben - vorbei an einem Aquarium mit Riff-Haien. Darin sehe ich einen Taucher, der sich mit der einen Hand an einem Saugnapf an der Glaswand festklammert, mit der anderen eifrig die Scheibe schrubbt. Der Mann ist als Reinigungskraft für die Aquarien des Hotels fest angestellt, wie ich später erfahre.

Mit Ski-Schuhen durch die Shopping Mall

In der nächsten halben Stunde bestaunen wir Tee-Salons, Konferenzräume - und die Zigarrenlounge. Ich habe mich für den Besuch mühsam in Schale geworfen und bin nun doch verblüfft, als aus einem der Aufzüge ein mittelalter Italiener nur mit Sonnenbrille und Badehose aussteigt und uns ein lässiges "Ciao" zuwirft. Wenn man reich ist, darf man das.

In etwa 250 Meter Höhe klebt das Restaurant "Al Muntaha" an der Fassade. Die Sicht ist fantastisch - man blickt auf das Meer, die anderen Luxushotels, die Strände, die Skyline. Das Fischrestaurant im Burj al Arab wiederum liegt unter dem Meeresspiegel - für das passende Tiefsee-Ambiente ist es mit Aquarienwänden umrahmt. Gäste werden mit einer dreiminütigen U-Boot-Simulation im Aufzug eingestimmt.

Allerdings: Nicht nur Extravaganz wird hier nach neuen Maßstäben definiert - auch die Preise dringen in fremde Dimensionen vor. Schon ein Drei-Gänge-Menü ohne Wein verschlingt problemlos 140 Euro. Ob die Speisen ihr Geld wert sind, darüber wird mit Inbrunst gestritten.

Prunk und Pomp dienen nicht nur dazu, Touristen anzulocken – sondern auch multinationale Konzerne. Schon heute ist Dubai ein wichtiger Ort für Meetings und Verhandlungen geworden - oder schlicht fürs Repräsentieren.

Die Sucht nach Luxus wird in den zahlreichen Shopping-Malls fortgesetzt - etwa 30 gibt es davon insgesamt in Dubai, knapp ein halbes Dutzend zählt zu den Top-Adressen. Hauptanlaufstelle für die Reichen ist die Mall of the Emirates, die Ende 2005 eröffnet wurde. Neben allen erdenklichen Designer-, Restaurant- und Caféketten findet sich hier die berühmte überdachte Ski-Piste.

Es ist für mich immer wieder ein absurder Anblick, wenn ich im Food Court bei knapp 50 Grad Außentemperatur inmitten der verschleierten Frauen und leicht bekleideten Touristen einen Araber in traditioneller Dishdash, mit Snowboard und klobigen Skischuhen entdecke, der sich hungrig eine Portion Kichererbsenmus bestellt. Für die Einheimischen werden extra Winterjacken in entsprechendem Gewand-Design fabriziert.

Teilweise gehört Mut dazu, den Überfluss Dubais anzunehmen, als normal zu akzeptieren. Als ich mit meinem Auto zum ersten Mal vor einem anderen Hotel vorfahre, dem Mina Al Salam, werde ich von vornehmen Dienern empfangen und aus dem Wagen komplimentiert. Er wird von den Angestellten geparkt und hinterher klimatisiert zurückgebracht. Ich komme mir vor eine Prinzessin - dabei bin ich bloß im gammligen Mietwagen mit Unfallbeule unterwegs.

Einigen in Dubai steigen Luxus, Überfluss und Glamour irgendwann zu Kopf. So sah ich eines Tages in einem kleinen Restaurant auf dem Boden ein zerbrochenes Einlegglas mit Essiggurken. Die Servicekraft hatte das Glas nicht selbst weggeräumt - sondern stattdessen einen Zettel daneben gelegt: "Called cleaning company, will be here soon."

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