München - Angesichts der Abwanderung von Kunden im Kerngeschäft Festnetz denkt die Deutsche Telekom einem Medienbericht zufolge über weitere Stellenstreichungen nach. "Niemand kann heute ausschließen, dass der Personalabbau auch 2009 weitergeht", sagte Konzernchef Kai-Uwe Ricke dem "Focus". Derzeit streicht der Konzern 32.000 Stellen bis Ende 2008.
Das schnelle Glasfasernetz, über das die Telekom Internet-TV und die Fußball-Bundesliga anbietet, kann laut Ricke die Lage des Konzerns kurzfristig nicht verbessern. "Uns geht es um den langfristigen Markterfolg. DSL und der Mobilfunk sind auch nicht über Nacht zum Massenprodukt geworden", dämpfte Ricke die Erwartungen. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche nach einem deutlichen Gewinneinbruch seine Jahresprognosen drastisch zurückgenommen.
Spekulationen über einen Rücktritt wies Ricke in dem Bericht erneut zurück. Obwohl die Telekom-Konkurrenten Marktanteile hinzu gewonnen haben, strebt der Vorstandsvorsitzende eine Verlängerung seines bis November 2007 laufenden Vertrages an. "Wir als Vorstand nehmen diese Herausforderung an. Jetzt erst recht", sagte er dem Magazin.
In diesem Zusammenhang berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Aktionärskreise, dass auch eine Verlängerung des Vertrages um lediglich zwei Jahre denkbar sei. Damit würde der Aufsichtsrat Ricke signalisieren, dass seine Arbeit nicht mehr geschätzt sei. Zwischen dem Bundesfinanzministerium, das noch 32 Prozent an der Telekom hält, und weiteren Aktionären liefen Gespräche, ob Ricke noch der richtige Mann sei. Auch die Zukunft der Vorstandsmitglieder Walter Raizner und Rene Obermann sei unsicher.
Um das Vertrauen enttäuschter Aktionäre zurückzugewinnen, sollten Besitzer von T-Aktien künftig stärker von der Dividende profitieren, sagte Ricke der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Kurs der Papiere war nach Vorstellung der Zahlen deutlich eingebrochen. Investoren dächten in internen Gesprächen intensiv darüber nach "lenkend einzugreifen", um den weiteren Kursverfall zu verhindern, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung" weiter.
Ricke widersprach zudem Berichten über eine angebliche Verstimmung beim Telekom-Großaktionär Bund. "Das Verhältnis zur Bundesregierung ist gut", sagte er. "Vergessen Sie nicht, wir haben den Konzern aus der Verschuldungsfalle geführt." Nun wolle er beweisen, dass seine Strategie aufgehe: "Wir sind Europas Nummer eins, und wir werden es bleiben."
Seine Aufgabe für alle Aktionäre bestehe darin, den Aktienkurs zu steigern. "Ich bin überzeugt, dass wir das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen." Anfang der Woche reist Ricke nach London und New York, um bei Investoren für seinen Kurs zu werben.
rüd/ddp/AP
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