Ich erinnere mich noch gut an meinen Besuch auf dem Markt für Kamelzubehör am Rande der Stadt, schon halb in der Wüste. Nur wenige Westler in Dubai verirren sich dorthin. Kaum angekommen, fiel ich damals einem besonders ehrgeizigen Verkäufer auf. Sofort witterte er seine Chance und behängte mich mit Massen von Dromedar-Accessoires.
Einen Kamel-Ohrring versuchte er mir als Deko-Gebaumel für die Handtasche anzudrehen. Im ersten Moment war ich empört, im zweiten gefiel mir der Vorschlag. Ich kaufte das edle Stück und ließ mir obendrein auch noch Reitdecken, Kamelbürsten und Peitschstöcke einpacken. Der Verkäufer hat an diesem Tag das Geschäft seines Lebens gemacht. Mit seinen kreativen Ideen wäre er wohl auch als hochrangiger Handelsvertreter Gold wert.
Weniger Glück haben bei mir all die Marktverkäufer, die mir ihre Louis Vuitton-, Chanel-, Rolex- und Gucci-Imitate aufzuschwatzen versuchen. Doch auch nach gut fünf Monaten in Dubai lasse ich mich noch gerne durch das geordnete Durcheinander der Märkte und Basare treiben. Für mich verkörpern sie das andere Dubai abseits von Glamour und Glanz. Es ist eine Gegenwelt zu den verwestlichten Teilen der Stadt, die Jahr für Jahr Millionen von Touristen zu sehen bekommen.
Was kann die Polystation 2?
Zu den Märkten im Stadtviertel Deira gelange ich, indem ich mit einer Abra, einem traditionellen Holzschiff, den Creek überquere. (Weniger abenteuerlustige Westler nehmen gerne die hässliche Autobahnbrücke, die sich Allah sei Dank außer Sichtweite befindet.) Lässig schiebe ich mich zwischen zwei verdutzten, verschleierten Damen hindurch und reiche dem Käpt'n ein 50 Fils-Stück - umgerechnet etwa 10 Cent. Ich fühle mich schon wie ein Dubai-Insider, als ich selbst dann noch entspannt sitzen bleibe, nachdem das Boot durch ein Versehen in voller Fahrt mit einem anderen zusammenprallte. Die zwei Touristen am anderen Ende des Bootes zucken zusammen.
Die Geschäfte auf dem Markt sind gangweise nach Themen sortiert - da gibt es die Topf- und Pfannengasse, den Rasiererweg und die Spielzeugecke. Ich laufe durch ein dichtes Labyrinth von Ladenzeilen, Hinterhöfen und Straßenverkäufern. Je aufmerksamer ich die Produkte betrachte, umso verwunderlicher erscheinen sie mir.
Auf Puppen von Barby kann man ja noch hereinfallen, auch auf den CD-Player von Fillips. Aber was ist mit einer Dose Bepsi? Oder einem Golette-Rasierer? Was kann eine Polystation 2? Von allen Seiten regnen mehr oder weniger vielversprechende Kaufangebote auf mich nieder.
Ein älterer Inder ist besonders gewitzt. Wenn ich für 200 Dirham bei ihm einkaufe, bekomme ich beim nächsten Besuch 25 Dirham Erlass auf alle Fan-Artikel von Pritney. Er grinst stolz über seine innovativen Geschäftsmethoden - und ist gar nicht traurig, als ich sein Angebot ablehne. Zwischendurch begegne ich einem der zahllosen Schwarzmarktverkäufer, der mir in bemerkenswerter Hartnäckigkeit die Namen verschiedener Taschen-, Uhr- und Sonnenbrillendesigner hinterherbrüllt.
"Safran macht den Kuchen gel" - man spricht Deutsch
Diskreter sind die Verkäufer auf Dubais beeindruckendem Fischmarkt. Alle tragen die gleiche Montur, die Fischmarktuniform. Meine Hose krempele ich bis zu den Waden hoch: Der Boden ist fingerdick mit Fischblut und stinkendem Wasser bedeckt. Stolz halten mir die Verkäufer ihre prachtvollsten Fische entgegen. Sie freuen sich über mein Staunen und drängen mich dazu, ein Foto schießen zu lassen: links Claudia, Mitte großer Fisch, rechts philippinischer Verkäufer.
Einer erzählt mir fröhlich, dass er Fische auf den Tod nicht ausstehen kann. Währenddessen schlitzt er ihnen schwungvoll den Bauch auf. Das größte Highlight sind die Riffhaie, die am Ausgang des Marktes platziert sind. Nebenan kann man den gekauften Fisch direkt nach Wunsch ausnehmen und zubereiten lassen.
Besonders gerne schlendere ich über den traditionellen Gewürzbasar, ebenfalls im Stadtviertel Deira gelegen. Es riecht nach Weihrauch, Jasmin und Minztee. "Safran macht den Kuchen gel", schallt es mir bei einem meiner Besuche entgegen. Der Verkäufer mit den orange-rot gefärbten Haaren grinst mich an. "Ich erinnere mich an dich" ruft er, ebenfalls auf Deutsch – und hält mir dreierlei Gewürze gleichzeitig unter die Nase. Plötzlich bin ich bedrängt von einheimischen Verkäufern. Keiner gönnt dem anderen ein potentielles Geschäft, vor allem nicht in der wirtschaftlich so dürftigen Sommerzeit.
Auch von anderen Seiten prasseln nun deutsche Redewendungen auf mich ein. Verdutzt schaue ich an mir herunter: Sehe ich wirklich immer noch so deutsch aus? Die Illusion, nach fünf Monaten in Dubai ein Insider zu sein, ist schon wieder vorbei.
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