Hannover - Zwar befinde sich die Technologie zur Nutzung der Meeresenergie noch im Anfangsstadium, sagt EnBW
-Sprecherin Friederike Eggstein. Doch die Standortsuche für den Bau des ersten deutschen Meeresenergie-Kraftwerks läuft. "Bis 2010 sollen das Kraftwerk in Betrieb gehen", fügt sie hinzu.
Der Sprecherin zufolge sind die Häufigkeit starker Wellen, die Wassertiefe und die Möglichkeiten zur Anbindung an das Stromnetz die entscheidenden Kriterien bei der Suche nach geeigneten Orten.
Das Land Niedersachsen sieht großes Potential und unterstützt die Pläne. "Das ist hochinnovativ, wir haben großes Interesse daran", sagt Andreas Beuge, Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Deshalb kooperiert das Ministerium mit EnBW und ihrem Partner, der Voith Siemens Hydro Power Generation.
"Auf der Suche nach geeigneten Standorten stehen wir flankierend zur Seite", sagt Beuge. Niedersachsens Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) bezeichnete das Bundesland als "ideal" für das Projekt. Entlang großer Teile der niedersächsischen Küste zieht sich allerdings der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.
Besonders die Wellenstärke ist für die Standortwahl von Bedeutung. Auf der Insel Islay an der schottischen Westküste stimmen die Bedingungen. Dort betreibt Voith Siemens mit einer Tochtergesellschaft seit dem Jahr 2000 nach eigenen Angaben das weltweit bislang einzige Wellenkraftwerk, das Elektrizität in ein kommerzielles Stromnetz einspeist. Eine Weiterentwicklung plant das Unternehmen auf der schottischen Hebrideninsel Lewis, wo die auf Islay eingesetzte Technik in eine Küstenschutzmauer integriert werden soll.
Die in Schottland erworbenen Kenntnisse will man auch an Niedersachsens Küste nutzen. Die Investoren sehen hier die Möglichkeit, das Meeresenergie-Kraftwerk mit Küstenschutzmaßnahmen oder Hafenentwicklungsprojekten zu verbinden.
EnBW und Niedersachsen kooperieren noch bei einem zweiten Vorhaben: Ein Salzstock soll für 75 bis 300 Millionen Euro zu einem unterirdischen Druckluftspeicher umgebaut werden. Hier will EnBW Energie aus unsteten Quellen wie etwa aus Windkraftanlagen zwischenspeichern. Auch bei diesem Vorhaben eines Speichers sprach Claassen von einem "Kraftwerk". Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie ist bei der Prüfung unterirdischer Salzformationen behilflich.
"Beide Pilotprojekte sind zukunftsweisend und vereinen innovatorische Leistung in der Energietechnik mit unserem Bestreben, die erneuerbaren Energien konsequent weiter auszubauen", sagt der EnBW-Chef Utz Claassen. Er erhofft sich einen wichtigen Impuls für eine effiziente und klimaschonende Energieerzeugung. Dass EnBW das Projekt fern des eigenen Stammgebiets angeht, begründete Claasen mit den Worten: "Bei uns im Süden gibt's keine Küste."
Der Meeresenergie-Plan erscheint im Schatten von Kernkraft-, Kohle- und Gaskraftwerken allerdings bescheiden: Mit einer Leistung von 250 Kilowatt könnten rund 120 Haushalte durch das Wellenkraftwerk versorgt werden.
Holger Szyska, ddp/itz/stx/dpa/Reuters
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