Als "politisch tendenziös" hat das Bundesministerium die Anzeige der Umwelt-Initiative "Save our Seeds" eingestuft und sie deshalb aus dem Bio-Einkaufsführer für Berlin-Brandenburg (Auflage: 700.000 Exemplare) streichen lassen. Die Broschüre wird vom Ministerium mitfinanziert.
Save our Seeds hatte im Anzeigetext gewarnt, die Saatgut-Industrie wolle, dass "ein bisschen Gentechnik bald in sämtlichem Saatgut enthalten" sei. Die Verbraucher werden aufgefordert, dies zu verhindern.
In der Tat fordert der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter – zu dem auch die Gen-Saat-Züchter Bayer, BASF und Monsanto gehören – dass Spuren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auch in nicht manipulierten Saatgut EU-weit toleriert werden sollen. Noch dürfen in konventionellem oder biologischem Saatgut keine GVO enthalten sein.
Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat sich bisher – genau wie Save our Seeds – für Saatgut-Reinheit an der Nachweisgrenze ausgesprochen; ein entsprechendes Gesetz steht allerdings noch aus. Noch dürfen in konventionellem oder biologischem Saatgut keine derartigen Spuren enthalten sein.
Der Herausgeber des Bio-Einkaufführers Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg bedauert die Zensur. "Unsere Bio-Bauern sind gesetzlich zu Gentechnikfreiheit verpflichtet. Wenn die Saatgut-Industrie ihre Forderung durchsetzt, dann ist das für unsere Branche lebensbedrohlich."
Annette Bruhns
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