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Gesundheitsreform Schmidt wettert gegen Lobbyisten

Gesundheitsministerin Schmidt startet den Gegenangriff: Sie erklärt die Kritik an ihren Plänen zur Gesundheitsreform mit harschen Worten zur "Panikmache". Unterdessen fordert der Wirtschaftsweise Rürup höhere Steuerzuschüsse für das Gesundheitssystem.

Berlin - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will Gelassenheit demonstrieren: "Ich bin sehr froh, dass mich nichts so wenig beeindruckt wie das ganze Lobbygeschrei", erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur angesichts des Proteststurms von Kassen-, Klinik-, Ärzte-, Apotheken- und Pharmavertretern gegen ihre Pläne zur Gesundheitsreform. "Schlimm finde ich an der Debatte, dass die Menschen Angst bekommen", erklärte die Ministerin.

Ministerin Schmidt: "Einfach so 180.000 Euro im Jahr, das kriegt keiner einfach so"
REUTERS

Ministerin Schmidt: "Einfach so 180.000 Euro im Jahr, das kriegt keiner einfach so"

Insbesondere Funktionären der Kassen-Verbände und der Krankenkassen warf Schmidt vor, diese nutzten weder die Möglichkeiten freierer Vertragsverhandlungen noch bereiteten sie sich auf den geplanten Wettbewerb vor. An die Adresse von Kassenvorständen sagte sie, so eine Vergütung "kriegt keiner so einfach, 180.000 Euro im Jahr, auch in der Wirtschaft nicht, ohne dass man dafür sehr gute Leistung bringen muss".

Der Streit um den ersten Reform-Arbeitsentwurf von Beamten ihres Ministeriums drohe wesentliche Punkte im Dunkeln zu lassen, so Schmidt weiter. "450 Seiten des Arbeitsentwurfs, die sich mit der besseren Versorgung kranker Menschen befassen, mit der besseren Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren, mit der Reform der Krankenkassen, der Reduktion der Vorstände, der Prävention, der Öffnung der Krankenhäuser spielen in der Debatte fast gar keine Rolle."

Weiteres hartes Ringen erwartet Schmidt im Herbst im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens. Dieses werde von "intensiven Diskussionen in allen Fraktionen und der Gesellschaft" begleitet sein. "Vieles was an Befürchtungen geäußert wird, kann man aber durch klare gesetzliche Regeln entkräften", sagte die Gesundheitsministerin.

Rürup will mehr Steuergelder für Gesundheit ausgeben

Auch andernorts geht der Streit um die Gesundheitsreform weiter. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warf der Bundesregierung vor, "mit aller Macht den Krankenkassen den Schwarzen Peter an den finanziellen Problemen des Gesundheitswesens zuzuschreiben". Die Kassen könnten die finanziellen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung nicht allein lösen, sagte Buntenbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Für mehr Wirtschaftlichkeit müssten alle Akteure im Gesundheitswesen gefordert werden.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup fordert dem "Handelsblatt" zufolge eine stärkere Finanzierung des Gesundheitswesens über Steuern als von der Bundesregierung geplant. Über einen Mix aus Erhöhungen bei der Mehrwertsteuer und der Einkommensteuer ließen sich erhebliche positive Beschäftigungseffekte erzielen, wenn zugleich die Beiträge zur Krankenversicherung gesenkt würden, schreibe der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einem Gutachten, das er heute auf einer Tagung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erläutern werde.

Die Bundesregierung plant, mit der Gesundheitsreform den bisherigen Steuerzuschuss von 4,2 Milliarden Euro im kommenden Jahr auf 1,5 Milliarden Euro zu senken. Damit stehe die Politik der Bundesregierung im Gegensatz zu einem in den vergangenen Jahren entstandenen breiten gesellschaftlichen Konsens, gesamtgesellschaftliche Aufgaben der Sozialversicherung über Steuern zu finanzieren, heißt es in Rürups Gutachten.

Der Chef der Sachverständigen verweise auf eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach führt ein größerer Steueranteil in der sozialen Sicherung generell zu höherer Beschäftigung. Denn wenn die Sozialversicherungsbeiträge sinken würden, fielen auch die Lohnkosten, argumentierten die DIW-Ökonomen. Deutsche Unternehmen würden damit international Konkurrenzfähiger.

ase/dpa-AFX/dpa

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insgesamt 3433 Beiträge
KlausD 12.04.2005
..so sind deutsche unternehmer. Es ist zum kot....was hier passiert und schadet unserem system immer mehr. Mir kommt das so or als wenn die unternehmer mit aller macht am sturz (abwahl) unserer regierung arbeitet. Aber auch die [...]
..so sind deutsche unternehmer. Es ist zum kot....was hier passiert und schadet unserem system immer mehr. Mir kommt das so or als wenn die unternehmer mit aller macht am sturz (abwahl) unserer regierung arbeitet. Aber auch die regierung läßt sich vorführen und sollte aus meiner sicht druck machen. Danke
boerneli 13.04.2005
Die Wirtschaft will diese Regierung loswerden, die waren noch nie auf deren Seite. Eine schwarz-gelbe Regierung wird denen jeden Wunsch erfüllen. Für die Gesundheit heißt das alles macht der Markt und die Patienten dürfen noch [...]
Die Wirtschaft will diese Regierung loswerden, die waren noch nie auf deren Seite. Eine schwarz-gelbe Regierung wird denen jeden Wunsch erfüllen. Für die Gesundheit heißt das alles macht der Markt und die Patienten dürfen noch viel mehr draufzahlen. Dann wird vielleicht irgendwann die gesetzliche Krankenversicherung durch eine freiwillige Privatversicherung ersetzt und jeder bezahlt den vollen Beitrag selber und schon können sich das viele nicht mehr leisten und sind nicht versichert. Hier in Hamburg macht es die CDU-Alleinregierung schon vor. Die städtischen Krankenhäuser wurden mit Gewalt privatisiert, eben weil der Markt die Dinge am besten regelt, so wie die meinen und gerade wurde eine schicke Luxusklinik für die CDU-Privatpatientenklientel eröffnet, so sieht es aus das schicke Gesundheitssystem der Zukunft.
Ulrich lr. 22.04.2005
Stimmt. Wer will das nicht! Stimmt nicht: z. B. Bei der Hartz IV-Reform, bei der jeder weiß, wem sie schadet, und kaum jemand zu finden ist, dem sie nützt, da waren die Wirtschaft und ihre Führer fest an der Seite [...]
Zitat von boerneliDie Wirtschaft will diese Regierung loswerden
Stimmt. Wer will das nicht! Stimmt nicht: z. B. Bei der Hartz IV-Reform, bei der jeder weiß, wem sie schadet, und kaum jemand zu finden ist, dem sie nützt, da waren die Wirtschaft und ihre Führer fest an der Seite unserer rot-grünen Regierung. Den ersten Schritt dazu hat nicht etwa "Schwarz" oder "Gelb", sondern Rot-Grün getan - unter Federführung einer grünen leicht übergewichtigen Kettenraucherin, die zufällig gerade Gesundheitsministerin war: Dank Rot-Grün sind die Krankenkassen jetzt schon für Ältere ab 55 als Neuzugang gesperrt. Wer sich die teuren Privaten nicht mehr leisten kann, der ist dann eben nicht versichert, wie Sie richtig bemerken. Und die Zahl der Unversicherten wächst unter Rot-Grün unaufhaltsam, wie wir aus dem "Spiegel" wissen. Um aufs Forum-Thema zurückzukommen: Den unversicherten Patienten bleibt dann tatsächlich nichts weiter übrig als zu sparen.
Hallo Ulrich, dieser Beitrag ist aus dem "alten" Forum und wohl etwas untergegangen, weil das Forum "erneuert" wurde. Als ich das las dachte ich, der SpOn würde sich ein neues Internetportal anschaffen [...]
Zitat von Ulrich lr.Die niedergelassenen Ärzte "empfangen" nur 15 bis 16% der Kassenbeiträge. Der Rest (84 bis 85%!) fließt woanders hin. Kurz die bösen Kassenärzte sind vergleichsweise ein eher kleiner Kostenfaktor. Selbst wenn die Kassenärzte alle ganz umsonst arbeiten würden, würde der AOK-Beitrag von 14% gerade mal auf 11,8-11,9% sinken. Das bieten BKKn jetzt schon. Und?
Hallo Ulrich, dieser Beitrag ist aus dem "alten" Forum und wohl etwas untergegangen, weil das Forum "erneuert" wurde. Als ich das las dachte ich, der SpOn würde sich ein neues Internetportal anschaffen müssen, aber ........nix. Wirklich gute Erklärungen für Mißwirtschaft, werden wie Gott gewollt hingenommen. Sind wir nur noch Zuschauer unseres eigenen Lebens? Oder ist die Frage eines neuen Papstes, oder Ex Papstes so lebensbestimmend, daß solche "Kleinigkeiten" wie ein paar Milliarden, darunter untergehen? Ich jedenfalls war elektrisiert.
Volkhard Ehlert 24.04.2005
Wir dürfen nicht nur immer an Symptomen eines grundsätzlich schlechten Systems korrigieren, sondern müssen es ggfs. neu aufstellen. Zum Beispiel schadet die die deutsche komplette Finanzierung unseres teuren Gesundheitssystems [...]
Zitat von sysopVier Milliarden Euro Überschüsse bei den Krankenkassen, aber keine Beitragssenkungen in Sicht. Krankenkassen-Vorstände und Ärzte-Verbandsfunktionäre genehmigen sich hohe Gehälter und Zusatzeinkommen. Sind die Kassen und Verbände zu Selbstbedienungsläden für Geschäftführer und Funktionäre verkommen? Oder sind die Manager-Gehälter angesichts ihrer großen Verantwortung gerechtfertigt?
Wir dürfen nicht nur immer an Symptomen eines grundsätzlich schlechten Systems korrigieren, sondern müssen es ggfs. neu aufstellen. Zum Beispiel schadet die die deutsche komplette Finanzierung unseres teuren Gesundheitssystems über die Arbeitskosten unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei den Herstellkosten globaler Produkte. Diese Kosten haben mit dem Herstellkostenprozeß eines Produktes - den es kostenmäßig durch den Unternehmer zu minimieren gilt - nichts zu tun. Zumindest der Teil der Kosten, den wir als Absicherung unseres Sozialstaates uns leisten wollen und den wir als Staatsaufgabe ansehen, gehört mehrwertsteuerfinanziert.
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