Wirtschaft



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06.09.2006
 

Bertelsmann

Musikgeschäft geht an Vivendi

Die Gerüchte gab es schon seit einiger Zeit, nun ist es offiziell: Der Bertelsmann-Verlag verkauft sein Musikgeschäft an Vivendi. Außerdem legen die beiden Unternehmen ihren Streit um die Musik-Tauschbörse Napster bei - eigentlich hatte Vivendi Bertelsmann in den USA auf Milliarden verklagt.

Gütersloh - Bertelsmann habe eine abschließende Vereinbarung über den Verkauf der BMG Music Publishing an Vivendi Chart zeigen erzielt, hieß es heute in einer Mitteilung des Konzerns. Der Kaufpreis beträgt demnach 1,63 Milliarden Euro. Die Transaktion sei von den Aufsichtsgremien von Bertelsmann und Vivendi bereits genehmigt worden. Bertelsmann erwarte den Eingang des Verkaufserlöses noch vor Jahresende 2006.

Bertelsmann hatte zuvor angekündigt, den Musikverlag bis Ende September verkaufen zu wollen. In dem Bieterverfahren wurden insgesamt 12 Gebote abgegeben, in der letzten Runde setzte sich Vivendi dann gegen die letzten noch verbleibenden sechs Bieter durch. Die Franzosen hatten einfach am meisten geboten.

BMG Music gilt als ausgesprochen rentabel. Die Bertelsmann-Tochter hält eigenen Angaben zufolge die Rechte an mehr als einer Million Songs und hat unter anderem Verträge mit Christina Aguilera, Robbie Williams und Coldplay. Im Geschäftsjahr 2005 erzielte das Musikgeschäft nach Konzernangaben einen Umsatz von 371 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 81 Millionen Euro.

Führende Vertreter der Branche hatten deshalb bereits die Erwartung geäußert, dass Bertelsmann mit dem Verkauf mindestens 1,5 Milliarden Euro erzielen könne. Der Verlag benötigt das Geld, um den 4,5 Milliarden Euro schweren Rückkauf eigener Anteile von der belgischen Groupe Bruxelles Lambert zu finanzieren. Bertelsmann erwartet, dass sich durch die Veräußerung der Konzerngewinn um rund eine Milliarde erhöhen wird.

Vivendi wird mit dem Verkauf der größte Musikverlag der Welt und verdrängt damit den bisherigen Marktführer EMI von seiner Führungsposition. Bisher betreiben die Franzosen über die Musiktochter Universal Music bereits den Musikverlag Universal Music Publishing. Bertelsmann bleibt über die Beteiligung an Sony BMG in der Musikindustrie aktiv.

Streit um Tauschbörse Napster beigelegt

Im Zuge des Verkaufs von BMG hat sich Bertelsmann mit Universal Music auch auf einen Vergleich im Streit um die Musiktauschbörse Napster geeinigt. Bertelsmann zahlt Universal nun einen Betrag von 60 Millionen Dollar.

Universal gehörte zu den Unternehmen, die in den USA eine Klage über 17 Milliarden Dollar gegen Bertelsmann angestrengt hatten, weil die Gütersloher 2000 und 2001 die damals illegale Tauschbörse Napster mit einem Kredit über 80 Millionen US-Dollar unterstützt hatten. Der Vorwurf: Bertelsmann habe die Piraterie in der Musikbranche gefördert. Illegale Downloads gelten als wesentlicher Grund für eine jahrelange Flaute in der Musikindustrie. Bertelsmann hatte stets argumentiert, man habe mit der Unterstützung der Tauschbörse den Weg in die Legalität ebnen wollen.

Die jetzt beschlossene Zahlung der Millionensumme bedeute keine Anerkennung jeglicher Schuld, betonte Bertelsmann. Die Summe decke die geltend gemachten Ansprüche von Universal als auch mögliche Ansprüche des bisher eigenen BMG sowie Anwaltskosten ab.

ase/dpa/Dow Jones/reuters

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